Kolumne Eric Frenzel: „Mein Freund Akito“

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Flossenbürg. Schon im Sommer ließ Eric Frenzel uns hinter die Kulissen der Nordischen Kombinierer gucken, und auch in der Wintersaison hält er uns Dank seiner Kolumne auf dem Laufenden. Diesmal geht es um die Freundschaft zu seinem japanischen Konkurrenten Akito Watabe.Eric Frenzel Kolumne Sommer Grand Prix

„Akito zeigt mit beiden Händen einen Winkel an und versucht mit den lustigsten japanischen Zischlauten, die wie ein tiefes „ Tschautschitscho“ klingen, seinen Aufprall bei dem Mountain-Bike –Sturz im Sommer zu beschreiben, der zu einem Mittelhandbruch führte. Die Verletzung und die sich anschließende Genesung samt Reha-Maßnahmen verhinderten seinen Besuch bei mir zu Hause in Flossenbürg, den wir in der letzten Wintersaison schon eifrig geplant hatten.

Akito, ja das ist Akito Watabe – mein Dauerkonkurrent der letzten Jahre, wenn es um den Gesamtweltcupsieg, um Weltmeistertitel und olympische Goldmedaillen ging. Ich kenne ihn seit gut elf Jahren, als wir uns bei einer Juniorenweltmeisterschaft zum ersten Mal trafen. Zwischen Akito und mir hat sich eine wundervolle Freundschaft abseits der Pisten und Schanzen entwickelt, die den größten Respekt vor der sportlichen Leistung des anderen einschließt.

Der Höhepunkt dieser Freundschaft sollte nun ein Besuch mit seiner Frau im Sommer bei uns in Deutschland sein. Es gibt ja nur wenige Athleten im Weltcup, die bereits verheiratet sind. Dies war und ist aber auch nur eine Gemeinsamkeit, die wir in den Hotellobbies und Schanzenwarteräume dieser Welt in vielen Gesprächen entdeckten und die die Grundlagen für die Freundschaft wurden.

„Der Wind ist wie immer auf der Schanze Kuusamo sehr tückisch“

Wesentlich später als also geplant, sehe ich nach dem Saisonfinale des letzten Winters im Schanzenauslauf in Kuusamo Akito, umringt von Mannschaftskameraden und Trainern. Mit Vorfreude auf das bevorstehende Wiedersehen mit Akito hatte ich bei der Mannschaftsbesprechung am Abend vernommen, dass wir am nächsten Tag ein gemeinschaftliches Training mit den Japanern haben werden. Zwei Schreie und eine Umarmung, nachdem ich durch die Monate hinweg nur Mailnachrichten von ihm empfangen hatte und so über seinen Unfall und die damit verbundene Besuchsabsage unterrichtet wurde. Bevor wir mit dem Training starten, erklärt er mir gesten-und wortreich seinen verhängnisvollen Mountain-Bike –Sturz.

Im gemeinschaftlichen Training schauen wir dann sehr konzentriert beim Springen des anderen zu-zugegeben betrachtet man jetzt den Konkurrenten mit geschultem Blick, insbesondere Material und Technik und welche Weiten dabei herauskommen. Der Wind ist wie immer auf der Schanze in Kuusamo sehr tückisch, das bekommt man auch beim ersten Training zu spüren.

Eine kräftige Böe ergreift Akito, während ich im Schanzenauslauf auf ihn warte, für einen Moment hat er in der Luft Schlagseite – aber gekonnt balanciert er den Windstoß aus und landet sicher. Ein entschlossener Blick von Akito: „No Tschautschitscho“. Wir atmen beide erleichtert auf und fahren mit dem Lift hoch, gemeinsam zum nächsten Sprung.

Herzlichst Eric“

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Eins Energie Eric Frenzel

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