1.535 Teile hölzerne Leidenschaft: Modell der Amberger Martinskirche fertiggestellt

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Weiden. Nach zahlreichen anderen Projekten, hat Josef Hauer nun das Dachstuhlmodell der Amberger Martinskirche fertiggestellt. Die 1.800 Stunden Arbeit kann man jetzt im Bildungszentrum der Handwerkskammer Weiden bestaunen. 

„Es ist unvorstellbar, was die Leute damals geleistet haben“, schwärmt Josef Hauer aus Parkstein und seine Augen leuchten, während er von seiner Leidenschaft, dem Zimmern von Dachstuhlmodellen, berichtet.

Dachstuhlmodell Martinskirche Amberg Josef Hauer

Lauschten interessiert den Ausführungen von Josef Hauer (5. v. li.): Der aktuelle Meisterkurs der Zimmerer mit Ausbilder Josef Greiner (4. v. li.) und dem Leiter des Bildungszentrums Tobias Knauer (6. v. li.). Foto: Handwerkskammer Weiden

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Der 79-jährige Zimmerermeister ist zwar seit elf Jahren im Ruhestand, verbringt aber immer noch jeden Tag in der Werkstatt. Sein bisher größtes Projekt, das maßstabsgetreue Modell der mittelalterlichen Amberger Martinskirche im Verhältnis 1:15, ist derzeit im Bildungszentrum der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz in Weiden zu bewundern.

1.800 Arbeitsstunden, verteilt über zehn Monate, hat er dafür in seiner Zimmererwerkstatt verbracht. Aus 1.535 Minibalken und 2.600 winzigen Holznägeln entstand schließlich der rund zwei Meter breite und fünf Meter lange Dachstuhl, sein bisher größtes Modell. Insgesamt 26 solcher Projekte hat er schon abgeschlossen, darunter der Regensburger Salzstadel und das alte Rathaus in Weiden. Originalpläne der uralten Dachstühle gebe es in der Regel nicht. Erst wenn sie irgendwann neu vermessen wurden, seien zugehörige Zeichnungen zu bekommen.

Hauer schwört auf alte Vorgehensweisen

Im Gegensatz zum damals handbehauenen Holz, nutzt Hauer zwar mittlerweile Kreissäge und Hobelmaschine, hält sich ansonsten aber an die ursprüngliche Arbeitsweise: „Bei mir wird nix vom Computer ausgerechnet.“ Wie im Originaldachstuhl verwendete er für das aktuelle Modell überwiegend Fichtenholz und nutzte ausschließlich natürliche Holzverbindungen wie den sogenannten Schwalbenschwanz, Überblattungen und Holznägel aus Eichen- oder Eschenholz. Das aufwendigste sei laut Hauer immer der Abschluss. „Erst da sieht man, ob auch wirklich alles zusammenpasst“, lacht er.

Dachstuhlmodell

Ein Blick ins Innere des Modells verrät die Komplexität der hölzernen Konstruktion. Foto: Handwerkskammer Weiden

Es braucht keinen Expertenblick, um schnell die Komplexität eines solchen Dachstuhls zu erkennen. Die Faszination und der Respekt vor der Leistung der damaligen Zimmerer, die keinerlei maschinelle Unterstützung zur Verfügung hatten, ist es, was Josef Hauer antreibt, diese immer wieder anhand von Modellen sichtbar zu machen.

Man müsse sich vorstellen, dass damals vor fast 600 Jahren alle Balken noch handbehauen waren und das Holz so geschlagen wurde, wie es gewachsen war. „Da war nichts gerade, sondern alles konisch, also unten dick und oben schmal“, erklärt Hauer. Durch das Handbehauen sei es außerdem viel glatter geworden, als es durch heutige Maschinen möglich sei.

Das ist sogar dem Holzwurm zu glatt, deshalb ist da bis heute keiner drin.

Das nächste Projekt ist bereits in Planung. Der Dachstuhl der Handwerkerkirche St. Sebastian in Weiden soll es werden. „Der wird dann wieder ein paar Nummern kleiner“, schmunzelt der 79-Jährige. Sobald er die Pläne vom Statiker bekomme, könne es losgehen. Das Modell von der Martinskirche soll laut Hauer künftig in der Handwerkskammer in Amberg aufgestellt werden. „Ich finde, da wo es herkommt, da soll es auch bleiben.“

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