Luchs und Wolf im Steinwald: Wie ein Luchs auf Luchse aufpassen

Von ersten Erfolgen der Auswilderung berichtet der Arbeitskreis bei seiner Jahrestagung

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Friedenfels. Nordostbayern als Heimat von Luchs und Wolf? Dieses noch vor wenigen Jahren undenkbare Szenario ist keine Vision mehr. Während sich der Lebensraum des Wolfs bisher auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der nördlichen Oberpfalz beschränkt, ist zumindest ein (freilaufender) Luchs in der Region schon heimisch geworden. 

Von Udo Fürst

Bei der Jahrestagung des Arbeitskreises Luchs in der Schlossschänke hielten Vorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg und Biologe Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt flammende Plädoyers für die Ansiedlung dieser Tiere in den Wäldern zwischen Friedenfels und Fichtelberg.

Manfred Wölfl Biologe

Manfred Wölfl, Biologe Foto: U. Fürst

„Wutzerl“ heißt die etwa drei Jahre alte Luchsin, die im Sommer vergangenen Jahres im Steinwald freigelassen wurde und die sich hier laut Manfred Wölfl schon gut eingelebt habe. Der zehn Hektar große Steinwald und das südliche Fichtelgebirge gelten wegen ihrer wildreichen Wälder, der extensiv genutzten Kulturlandschaft und dem großen Streifgebiet als idealer Lebensraum für Luchse. Auch Naturschutzverbände begrüßten das Bemühen, die Tierart in dieser Region zu etablieren. „Man kann den Jägern und Waldbesitzern zu dem Mut, ein solches Projekt zu wagen, nur gratulieren. Mit der Aussetzung kann ein Zeichen gesetzt werden, dass es möglich ist, den Luchs in ganz Bayern zu etablieren“, sagte dazu der Landesbund für Vogelschutz.

Verwaister Luchs aus Regen jetzt im Steinwald heimisch

Laut Manfred Wölfl handelt es sich bei dem Luchs um ein einst verwaistes Tier, das Ende 2015 im Bayerischen Wald im Landkreis Regen eingefangen und im Tierpark Lohberg aufgepäppelt wurde. Seit 20 Jahren engagiert sich ein Kreis von Jägern und Waldbesitzer um den Friedenfelser Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg für die Wiederansiedlung des scheuen Räubers. Wie Wölfl betonte, beobachte man den Fortgang der Ansiedlung per Fotofallenmonitoring und Radiotelemetrie.

Wir sind froh darüber, dass wir hier mit offenen Armen empfangen wurden, anders als im Bayerischen Wald,

wollte sich Wölfl einen Seitenhieb auf die Probleme dort nicht verkneifen.

Bekanntlich werden Luchse im Bayerwald seit Jahren verfolgt und getötet. „Machen sie das bitte hier nicht. Bewahren sie die Ruhe“, appellierte Wölfl an die Jäger und Grundbesitzer in der Runde. Im November 2016 hat man im Steinwald ein zweites, von Wölfl als „Wohnzimmerluchs“ bezeichnetes und überhaupt nicht scheues Tier gefangen. Dieser männliche Luchs werde aber nun an einen Tierpark abgegeben.

Luchs Diana Steinwald

Luchsdame „Wutzerl“ darf den Steinwald ab sofort ihr neues Zuhause nennen. Foto: Silke Köstler

„Fremde Pflanzen- und Tierarten nicht zu akzeptieren ist Rassismus“

Zuvor hatte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, der als einer der größten privaten Waldbesitzer Europas gilt, den Luchs als unkompliziertes
Raubtier geschildert und die Ausrottung vieler Tier- und Pflanzenarten als barbarischen Akt gegeißelt. „Daran sind Geld, Gier, Egoismus und der fehlende
Wille, sein Fachwissen anzuwenden, schuld.“ Der Baron kritisierte in diesem Zusammenhang viele Grundbesitzer und Naturschützer, die den Tieren keinen
Freiraum ließen und bezeichnete es als Rassismus, wenn man fremde Pflanzen- und Tierarten nicht akzeptiere. Im Steinwald sei das anders, hier seien alle
Tiere und Pflanzen willkommen. „Was spricht dagegen, wenn bei uns der Riesenbärenklau wächst oder sich der Sikka-Hirsch ansiedelt?“ Von Gemmingen-Hornberg brach vor allem eine Lanze für den Luchs:

Das ist ein faszinierendes Tier, das hierher gehört, das die Heimat spannender und attraktiver macht.

Etwas anders gelagert ist die Sache beim Wolf. Der Vorsitzende des Luchs-Arbeitskreises sieht es zwar als Glück an, dass sich der Wolf in Grafenwöhr angesiedelt habe. Andererseits wisse man noch nicht genau, wie man mit dem Tier umgehen soll. „Die Politik eiert hier rum, es müssen endlich Fakten geschaffen werden. Derzeit ist alles völlig offen“, sagte der Baron.

Wolf Fichtelgebirge Fotofalle

Der Wolf streift durch den Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Dieses Foto wurde allerdings schon 2011 von einer Fotofalle des Naturparks Fichtelgebirge aufgenommen.

Auf den Spuren des Grafenwöhrer Wolfs

Manfred Wölfl berichtete von 52 Sichtungen, Hinweisen, Fotos und Rissen im Zusammenhang mit dem Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr im vergangenen Jahr. Hat sich das Verhalten des Wildes durch den Luchs und das Vorkommen des Wolfs verändert?, wollte Wölfl von den Jägern und Förstern wissen. Laut Eberhard von Gemmingen-Hornberg sei das beim Luchs überhaupt nicht der Fall und auch aus der Region um Grafenwöhr habe man zumindest keine signifikate Veränderung feststellen können, sagte Förster Martin Gottsche aus Eschenbach.

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg Grundbesitzer

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg Foto: U. Fürst

Dahingegen berichtete Hans Lehner vom benachbarten Revier, dass das Rotwild total verschwunden sei, seit der Wolf hier unterwegs ist. Woher die Grafenwöhrer Wölfe kommen, weiß man derzeit noch nicht. Laut Manfred Wölfl habe man noch keine Genetik, doch sei das eine Frage der Zeit.

Einig waren sich am Ende Baron von Gemmingen-Hornberg und der Biologe, dass der Luchs völlig unproblamtisch sei, während einen der Wolf noch vor große
Herausforderungen stellen werde. Der adelige Waldbesitzer schloss mit den Worten:

Klar ist aber eines: Beide Tiere sind unverzichtbar für unsere Natur.

 

 

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9 Kommentare

  1. „Während sich der Lebensraum des Wolfs bisher auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der nördlichen Oberpfalz beschränkt“ Warum sollte der Wolf seinen Lebensraum auf den Truppenübungsplatz beschränken? Klar gibt es dort viel Wild und unbesiedeltes Gebiet, doch deshalb wird er sich auch nicht nur im Truppenübungsplatz aufhalten. Sie werden sich vermehren und mit den Generationen auch zunehmend die Scheu vor besiedeltem Gebiet und Menschen verlieren, was nicht heißen soll dass sie gefährlich für den Menschen werden

  2. Natürlich gehören Wölfe in unsere Landschaft. Zur Abwechslung könnten wir uns auch mal an die Natur anpassen anstatt alles auszuschießen was uns stört. Gut gefällt uns in der FB-Gruppe „Schützt die Wölfe“ die Aussage von Eberhard von Gemmingen-Hornberg: „Die Ausrottung von Pflanzen- und Tierarten ist einunwiederbringlicher Verlust an der Natur und barbarischen Akt, der einer zivilisierten Welt nicht würdig ist“

  3. Der Biber ist eigentlich auch NOCH streng geschützt. Trotzdem werden jedes Jahr Hunderte Abschussgenehmigungen erteilt. Es interessiert einfach niemand mehr. Umsiedelungsprogramme gibt es schon lange nicht mehr. Bevor es Wolf und Luchs eines Tages genauso geht, findet erstmal dafür eine Humane Lösung. Nicht nach dem Motto; ein Projekt gescheitert, auf zum nächsten.

  4. Ich freue mich riesig endlich sind die Tiere wieder da

  5. Muss man immer so genau posten, wo sich die Tiere aufhalten? Dann ist blitzschnell wieder „Irgendwer mit Schießgewehr“ auf der Lauer…

  6. Sommer H. schreibt:

    Für Alpakaszüchter und auch anderen Tierzüchtern wird der Wolf auf jeden fall eine Katastrophe. Der Wolf wurde nicht ausgerottet weil er den Menschen gefährlich wurde , sondern weil er das Vieh gerießen hat.

  7. Astrid schreibt:

    Die Menschheit hat die Pocken ausgerottet, weiterhin hat die Menschheit in Europa die Pest ausgerottet und in weiten Teilen Europas hat man den Wolf ausgerottet.
    Keiner würde auf die Idee kommen Pest und Pocken wieder anzusiedeln?!

  8. Guido stoldt schreibt:

    „Pest und Pocken“ mit Wildtieren zu vergleichen zeigt die Unreife des Geistes, bzw. Mangelndes Wissen, welche diesen Menschen wohl plagen …
    Diese Tiere sind weder zu verteufeln noch zu verherrlichen. BEIDES haben sie nicht verdient. Lasst sie einfach in Ruhe und bezahlt den Geschaedigten Tierhaltern ggf. den steurlich finanzierten Ausgleich – fertig!

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