Weiße Weste für die Zukunft: Projekt „Webhygiene“ soll Jugendliche sensibilisieren

Anzeige

Neustadt/WN. Vielen Jugendlichen ist gar nicht bewusst, wie gefährlich die sozialen Medien für sie werden können. Der Missbrauch von persönlichen Fotos, Videos und anderer Aktivitäten im Netz ist an der Tagesordnung und mündet oft in Mobbing und anderen Aktionen, die Kinder und Heranwachsende sogar schon zum Selbstmord getrieben haben. Der Landkreis Neustadt und die Stadt Weiden wollen vor diesen Gefahren warnen und haben zusammen mit dem Schulamt Neustadt/Weiden das Projekt „Webhygiene“ ins Leben gerufen. 

Von Udo Fürst

Webhygiene Landratsamt Neustadt Stadt Weiden Schulamt

Sie stellten das Projekt „Webhygiene“ vor: Kurt Seggewiß, Beatrix Hilburger, Roswitha Ruidisch, Andreas Meier, Barbara Mädl und Hannes Gilch (v. li.). Foto: Udo Fürst

Susanne M. (Name geändert) besucht eine Mittelschule im östlichen Landkreis. Vor einem Jahr hat sie sich von ihrem damaligen Freund etwas freizügig fotografieren lassen. Als sie sich wenig später von ihm getrennt hat, passierte etwas, das sie zutiefst schockierte. Der 17-Jährige hatte ihre Fotos auf Facebook gepostet und einen dummen Kommentar drunter gesetzt. Im Nu war sie das Tagesgespräch in der Schule, ihre Mitschüler zeigten mit dem Finger auf sie und provozierten sie mit eindeutigen Gesten. Susanne wurde krank, wollte sich das Leben nehmen. Im letzten Augenblick erkannten ihre Eltern den Ausnahmezustand ihrer Tochter und ließen sie psychologisch betreuen. Heute besucht sie eine andere Schule, an der man nichts von den Fotos weiß. Die 15-Jährige ist zwar heute über den Berg, aber sie hat immer noch Angst, dass die Bilder eines Tages erneut auftauchen könnten.

Schutz der eigenen Daten im Internet

Damit sich solche Geschichten nicht wiederholen oder gar nicht erst möglich werden, soll das Projekt „Webhygiene“ sorgen. Es soll Medienkompetenz zum sicheren Umgang mit den Gefahren und Herausforderungen vermitteln, die die moderne Kommunikation birgt. Konkret will man mit Maßnahmen zum Schutz der eigenen Daten im Internet und insbesondere in den sozialen Medien beitragen. Die Veranstalter planen für Schüler, Eltern, Lehrer und Ausbilder Informationsabende mit Vorträgen und ganztägige Workshops in Weiden und Grafenwöhr. Die Teilnehmer erfahren dabei Wichtiges über den verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien. Sie erlernen Maßnahmen zum Schutz vor Daten-, Identitäts- und Bilddiebstählen im Internet.

Das Netz vergisst nichts,

sagte Landrat Andreas Meier bei der Vorstellung des Projekts. Dieses Problem gebe es nicht erst seit Donald Trumps „Twitter-Orgien“. Mit Aufklärung und Sensibilisierung wolle man die jungen Menschen auf Gefahren des Internets hinwiesen, die ihnen oft gar nicht bewusst seien. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß warnte vor dem leichtfertigen Umgang mit den sozialen Medien und verwies auf die Folgen für junge Menschen bei Vorstellungs- oder Bewerbungsgesprächen. „Man hinterlässt immer Spuren im Netz und deshalb sollte man sich genau überlegen, was man wo postet.“ Oft sei man einfach zu unvorsichtig im Umgang mit persönlichen Daten.

Mit Trailer bewusst schockieren

Barbara Mädl und Hannes Gilch von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Neustadt sowie Zukunftscoachin Roswitha Ruidisch von der Stadt Weiden haben den Flyer „Webhygiene – Weiße Weste für die Zukunft“ erarbeitet, der nun an den Schulen verteilt wird. In dem Heft wird das Projekt geschildert und es sind die einzelnen Veranstaltungen zum Thema aufgelistet. Außerdem hat man sich die Website www.ausbildungsfaehig.de gesichert, wo das Vorhaben detailliert erklärt wird. In einem mit der Theatergruppe der Weidener Max-Reger-Schule gedrehten Trailer wird verdeutlicht, wie der unvorsichtige Umgang mit persönlichen Daten im Netz den Weg zur Ausbildung verbauen kann.

Wir wollten bewusst ein Stück weit schocken,

erklärt Gilch. Schulrätin Beatrix Hilburger sieht in der „Webhygiene“ einen wertvollen und wichtigen Beitrag, der den schulischen Lehrplan sehr gut ergänze. Etwa 800 Schüler der Klassen 7 bis 10 folgender Schulen werden an dem Projekt teilnehmen: Max-Reger-Schule und Pestalozzi-Schule Weiden, die Mittelschulen Pirk, Weiherhammer, Grafenwöhr, Pressath und Eschenbach sowie das St. Michaels-Werk Grafenwöhr. Als Referent hat man den erfahrenen Ausbilder Holger Weber verpflichtet, der sich seit 2004 mit dem verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien befasst.

Weitere Projekte in Planung

Wenn das Projekt erfolgreich ist, könne man sich durchaus vorstellen, es in dieser oder einer ähnlichen Form auch an weiteren Schulen anzubieten, betonten Meier, Seggewiß und Hilburger. Mittlerweile hat auch der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz das Thema auf seiner Agenda und will ein ähnliches Vorhaben für Auszubildende anbieten.

Auch wenn das Angebot für Susanne M. zu spät kommt. „Webhygiene“ ist bestens dafür geeignet, anderen jungen Menschen helfen, in ähnliche Situationen zu geraten und sie für den verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien zu sensibilisieren.

Veranstaltungen für Eltern. Lehrer und Ausbilder:
27. März, 17 Uhr: Vortrag Webhygiene, Neues Rathaus Weiden,
28. März, 19 Uhr: Vortrag Webhygiene, Mittelschule Grafenwöhr,
Für Schüler:
28. März, ganztags: Workshops Webhygiene für Schüler der Max-Reger-Schule, der Pestalozzi-Schule sowie der Mittelschulen Pirk und Weiherhammer in der Max-Reger-Schule Weiden
29. März, ganztags: Workshops Webhygiene für Schüler des St. Michaels Werks Grafenwöhr sowie der Mittelschulen Grafenwöhr, Pressath und Eschenbach in der Mittelschule Grafenwöhr.

Schlagworte: ,

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.