Kein Neubau der Sophie- und Hans-Scholl Realschulen

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Weiden. Eine Diskussion, die seit mehr als sechs Jahren die Weidener Stadträte beschäftigt: Was tun mit der Realschule? Ist sie einsturzgefährdet? Oder reichen ein paar Sanierungsarbeiten? Soll ein neues Gebäude her? Soll das alte grundsaniert werden? Darüber diskutierten die Stadträte auch in der eigens einberufenen Sondersitzung sehr emotional – um am Ende erst mal gar nichts zu beschließen. 

Von Yvonne Sengenberger

Stadtratssitzung Weiden Sophie Hans Scholl Realschule Neubau (1)

Alexander Wege erklärt, welche Version wirtschaftlicher wäre

Abgestimmt wurde natürlich schon am Ende der über vier Stunden langen Debatte. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß verlas kurz vor Schluss diesen abgeänderten Beschlussvorschlag: „Es soll ein Neubau errichtet werden, auf dem jetzigen Gelände, der Sportplatz soll aber erhalten bleiben.“ Ursprünglich war die Rede von einem Neubau auf dem Sportplatz. Diese Abänderung löste nach der Diskussion eine weitere Debatte aus: Man könne darüber nicht abstimmen, weil das wieder ganz andere Voraussetzungen seien, so Dr. Christian Deglmann (Bürgerliste) und Wolfgang Pausch (CSU) einstimmig. Am Ende wurde dennoch über den neuen Vorschlag abgestimmt.

Neubau oder Generalsanierung: Was ist wirtschaftlicher?

Zuvor hatte Alexander Wege das Gutachten von Partnerschaft Deutschland, Berater der öffentlichen Hand, vorgestellt. Die Agentur hatte verglichen: Was ist günstiger Neubau oder Generalsanierung? Dabei gewann klar der Neubau. 31,8 Millionen würde der Kosten, schätzte der Experte. 48,6 Millionen hingegen die Generalsanierung. „Ein Neubau ist wirtschaftlicher, man kann diesen also guten Gewissens umsetzen“, so Wege.

Auf diese Analyse folgte eine hitzige Diskussion, der auch zahlreiche Lehrer der Hans- und Sophie-Scholl Realschulen und deren Direktoren beiwohnten. Die SPD zeigte sich dabei klar pro Neubau. „Wir brauchen gute Bildung und das bedeutet, wir brauchen gute Schulen!“, warb Fraktionsvorsitzender Roland Richter. Man müsse die aktuell niedrigen Zinsen nutzen. Ein Neubau sei außerdem der geringste Eingriff in den Schulbetrieb.

Außerdem ist ein Neubau die mit Abstand wirtschaftlichste Lösung.

Stadtratssitzung Weiden Sophie Hans Scholl Realschule Neubau (5)

Dr. Christian Deglmann will nicht an der Abstimmung teilnehmen, da der Beschlussvorschlag kurzfristig geändert wurde

„Wir brauchen eine Entscheidung!“

Die CSU hatte eine ganz andere Meinung zu dem Thema. „Wir brauchen eine Entscheidung“, so Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch. Von einem Neubau wollte er allerdings nichts wissen. Auch eine Generalsanierung müsse nicht sein. „Die Schule ist nicht einsturzgefährdet. Die Königsdecke hält laut TÜV Rheinland noch 15 bis 20 Jahre, wenn man sie regelmäßig überprüft und durch Spritzbeton schützt“, betont Pausch.

Auch die Bürgerliste zeigte sich mit dem Vorschlag Neubau nicht ganz einverstanden. „Wir sehen das etwas kritisch. Wie werden neue Schule und sanierte Halle zusammenpassen?“, so Christian Deglmann. Auch er sprach das Gutachten vom TÜV an und brachte erneut die Spritzbetonschicht ins Gespräch.

Neubau vielleicht schon, aber nicht am Sportplatz!

Stadtratssitzung Weiden Sophie Hans Scholl Realschule Neubau (1)

Über vier Stunden diskutierten die Stadträte

Vielen Stadträten war vor allem auch der geplante Standort am jetzigen Sportplatz ein Dorn im Auge. Damit gehe die grüne Lunge und ein Naherholungsgebiet der Stadt verloren. „Was passiert mit der jetzigen Realschule? Die Flächen werden dann wieder zubetoniert und die Erholungsflächen verschwinden“, so Karl Bärnklau von den Grünen. Rainer Sindersberger von den Freien Wählern verglich die Situation mit der Berufsschule: „Wenn wir die Realschule neu bauen, müssen wir auch die Berufsschule neu bauen und auch alle anderen Schulen in Weiden.“

Auch persönliche Argumente fielen. So wollte Josef Gebhardt, SPD, wissen, ob die CSU den Neubau der FOS/BOS bereue. Bürgermeister Jens Meyer, SPD, plädierte dafür, dass man sich selbst nicht so wichtig nehmen solle: „Wir haben Experten, die sich auskennen und die uns detailiert beschrieben haben, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist.“

Beschlussvorschlag abgelehnt! Und jetzt?

„Die Argumente sind doch immer wieder dieselben“, schimpfte Reinhard Meier, Bürgerliste. Er wollte wissen, was dran sei an der Behauptung, nur für den Neubau gäbe es eine Förderung vom Staat. Diese Frage konnte Stadtkämmerin Cornelia Taubmann schnell klären. Es gebe für eine Generalsanierung und einen Neubau eine Förderung von bis zu 80 Prozent. Allerdings sei eine Förderung für Pauschs Vorschlag der „hochwertigen Instandsetzung“ nicht möglich. „Das würde uns wahrscheinlich um die 10 Millionen Euro kosten“, so Taubmann.

Nach der hitzigen Diskussion stimmten die Stadträte ab: 19 zu 19 Stimmen: Das heißt der Beschlussvorschlag zum Neubau wurde abgelehnt. Ob es eine Generalsanierung geben wird, oder einen Neubau an anderer Stelle oder ob nur großflächig saniert wird: Ungewiss! Die Begeisterung darüber hielt sich vor allem bei den beiden Direktoren Susanne Genser (Sophie-Scholl) und Dr. Michael Meier (Hans-Scholl) und den Lehrern in Grenzen.

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7 Kommentare

  1. Was gibt es da zu diskutieren, wenn beide Vorhaben mit 80% bezuschusst werden. Dann steht doch einem Neubau nichts im Wege. Muss das Ganze, sprich die Sicherheit, Einsturzgefährdet, Unterrichtsstunden evtl verschoben werden oder ganz ausfallen, am Rücken der Schüler ausgetragen werden. Ich glaube nicht, Intressengemeinschaft für einen Neubau ….

  2. Sollen halt die Schüler (natürlich die Lehrkräfte auch!) Balken und Bohlen mitbringen, dann kann man jedes Klassenzimmer innerlich stützen. Das können die Schüler sogar nach kurzer Anleitung selbst machen. Sicher gibt es inzwischen auch Fertig-Beton, den man bei Bedarf aus einem Lager auf dem Schulhof herbeiholen kann, wenn irgendwo was reißt /bricht. Oder einfach Bauschaum – Bauschaum ist was Wunderbares!!!

    Das wäre lebensnahe Unterrichtsgestaltung – die den Schülern auch später im Leben zugute kommt.

    Diese kopflos/konfuse Stadt macht einfach ganz kirre. Wäre ein Thema für’s Fernsehen, so, in Fortsetzungen.

    Wir waren mal so stolz, Schulstadt zu sein –

    ach, und auf was noch alles waren wir stolz – wenigstens wollten wir zu einigem hin.

    Es ist, kurz gesagt: Trostlos mit uns.

    Ingeborg Gollwitzer

  3. Ein Theater…unglaublich…
    zu viele Köche verderben den Brei…80% für beides und man entscheidet sich für Sanierung#kopfkratz# Stützbeton is die Lösung…läuft…

  4. Da gab’s wahrscheinlich in den 4 Stunden nur Kaffee und Kuchen.

  5. Wir brauchen gute Bildung und dazu brauchen wir gute Schulen ( Zitat sinngemäß ) …wir brauchen gute und vor allen Dingen vorhandene Lehrkräfte an den Schulen …wir brauchen Ausbilder …wir brauchen Grundsätze …da hilft auch eine Sanierung im 2stelligen Mio Bereich nichts

  6. Wenn ein Gutachter feststellt dass die Schule noch bis zu 20 Jahre hält ist es eine klare Sache . Man muss doch keine Gelder verschwenden ! Ich reiß mein Haus auch nicht ab weil es nicht mehr das modernste ist !

  7. Typisch Weiden
    Überall nur geflicke…..

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