Weidener bringt WM-Kanuten auf Vordermann

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Weiden. Behutsam hebt Sandro Wolfram den rechten Arm seines Patienten hoch. Dem zwickt es in der Schulter, die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt. „Ein Problem, das viele haben“, sagt der 21-jährige Ullersrichter. „Vor allem Leistungssportler wie die WM-Kanuten“, erklärt der Physiotherapeut, der seit Juni diesen Jahres die Athleten der U23- und Junioren-Slalom-Flotte des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) betreut und auf Vordermann bringt.

Von Stephan Landgraf

Seit Juni diesen Jahres betreut der Ullersrichter Sando Wolfram die Junioren- und U23-Nationalmannschaft der Slalom-Kanuten. Foto: Stephan Landgraf

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Kraft und Geschicklichkeit sind die wichtigsten Faktoren beim Kanu-Slalom. Über einem verblockten Wildfluss oder einer künstlich angelegten Wildwasserstrecke werden 18 bis 25 Tore aufgehängt. Sie müssen von den Sportlern so schnell wie möglich durchfahren werden – teils mit, teils gegen die Strömung. Was angesichts der Hindernisse und Wellen oft sehr schwierig und für den Körper ungemein anstrengend ist. Die deutsche Nationalmannschaft gehört in dieser Disziplin seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Nationen auf der Welt. Egal, ob bei Europa- oder Weltmeisterschaft oder bei Olympischen Spielen – die DKV-Sportler sahnen regelmäßig Medaillen ab.

Bei der WM in Bratislava sieben Medaillen abgesahnt

So auch die Junioren und die U23: „Da wird sehr professionell gearbeitet“, weiß Sandro Wolfram. Wie die Bilanz bei der WM im Juli in Bratislava eindrucksvoll unterstreicht. Fünfmal gab es dort Gold, zweimal Bronze – was mit ein Verdienst des 21-jährigen Weideners ist. Denn der ehemalige Tennisspieler der TG Neunkirchen gehört seit Juni, in dem sich der DKV auf die Titelkämpfe in der Slowakei explizit vorbereitet hatte, zum Physiotherapeuten-Pool des deutschen Slalom-Nachwuchses.

Der staatlich anerkannte Physiotherapeut, der an der medizinischen Berufsfachschule in Bad Elster sein Examen mit einem Schnitt von 1,0 abgelegt hatte, kam über Bekannte in Kontakt zu U23-Bundestrainerin Mira Faber und letztendlich so zu seiner neuen Aufgabe. Die Augsburgerin lud Wolfram ins Trainingslager nach Bratislava ein. „Das war eine tolle Erfahrung“, blickt der 21-Jährige zurück. Auch wenn es anstrengend war: „Das war ein 24-Stunden-Job, bei dem jede Minute durchgetaktet ist“, erinnert sich Wolfram, der die Athleten an der Strecke sowie im Hotel vor- und nachbehandelte.

Jüngster Dozent an der Schule Bad Elster der Johannis-Akademie

Bei der WM selbst war er dann noch nicht mit dabei, was sich aber 2018 ändern soll. „Es ist geplant, dass ich bei den Wettkämpfen vor Ort sein werde“, so der Physiotherapeut. Ein Umstand, der nur Dank der Unterstützung seines Arbeitgebers, der Berufsfachschule Bad Elster der Johannis-Akademie, bei der Wolfram als jüngster Dozent auch spezielle Fortbildungskurse für seine Kollegen aus ganz Deutschland gibt, möglich ist.

„Es wird 2018 wieder einige DKV-Trainingslager geben, die EM und die WM folgen. Nicht zu vergessen natürlich die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio“, schaut Wolfram voraus. Um bei Olympia allerdings als Physiotherapeut zugelassen zu werden, ist eine zweijährige Vorausbildung und ein bestandener Test beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nötig. Wobei für den 21-Jährigen das Thema „Fortbildung“ eh ungemein wichtig ist – für sich selbst und für andere Kollegen.

Fortbildung in allen Bereichen wichtig

So absolviert er aktuell im Reha-Zentrum vom Klaus Eder, dem langjährigen Physiotherapeuten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, in Donaustauf die Ausbildung zum Manual-Therapeuten. Umgekehrt plant Wolfram zusammen mit seinem Partner Robin Bauer an den rund 234 Physiotherapie-Schulen in Deutschland Kurse für Auszubildende zu geben. „Nur so ist auf Dauer eine umfassende und auf hohem Niveau befindliche Behandlung möglich“, sagt Wolfram.

Mit 21 Jahren ist Sando Wolfram der jüngste Dozent an der medizinischen Berufsfachschule in Bad Elster. Foto: Stephan Landgraf

 

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