Wirtschaftsjunioren bei Witt Weiden: Was die Daten älterer Damen verraten

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Weiden. Was haben Strickjäckchen, digitale Postkarten und Geschäftsführer, die sich von all ihren 2.950 Mitarbeitern duzen lassen, gemeinsam? Eigentlich nur, dass sie alle zur Witt-Gruppe gehören. Und hinter der markanten Glasfassade des Bekleidungshändlers verbirgt sich noch viel mehr Überraschendes, wie die Wirtschaftsjunioren entdecken durften. 

Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz Witt Weiden

Viel Nichtbekanntes aus einem bekannten Unternehmen erfuhren die Wirtschaftsjunioren bei ihrem Besuch bei der Witt Gruppe Weiden. Bild: Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz

Wer auf die Frage, wo er denn herkomme, irgendwo in Deutschland mit „Weiden“ antwortet, wird vermutlich selten ein wissendes „Ah“ ernten. Sagt er aber dazu, „Witt Weiden“, dann sind die Aha-Effekte schon etwas häufiger. Tatsächlich ist das Traditionsunternehmen Witt seit Jahrzehnten eng mit der Stadt verbunden. Grund genug für die Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz dem Bekleidungshändler einen Besuch abzustatten.

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Die Witt-Gruppe steht seit über 100 Jahren vor allem für Damenoberbekleidung. Was 1907 als Kolonialwarenladen des gelernten Zimmermanns Josef Witt im oberpfälzischen Reuth bei Erbendorf begann, ist ein Unternehmen, das heute mehr als 750 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Seit 1913 ist Witt in Weiden und beschäftigt dort fast 3.000 Mitarbeiter.

Gut ein Fünftel des Geschäfts im Internet

Verkauft wird dort alles, was der gereiften Frau von Welt gut zu Gesicht steht. Tatsächlich bedient die Witt-Gruppe überwiegend ältere Kundinnen, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 70 Jahren. Innerhalb des Otto-Konzerns sind die Weidener damit einzigartig. Deshalb spielen auch Kataloge immer noch die Hauptrolle, wenngleich der Umsatzanteil aus dem Onlinehandel stetig wächst und zuletzt bei etwa gut einem Fünftel lag.

Das könnte noch schnell deutlich mehr werden, wenn es nach Dr. Ulrich Segerer geht. Er ist Abteilungsleiter Kundenselektion bei der Witt-Gruppe. Denn wer im Internet einkauft, hinterlässt Spuren – und kann damit viel besser bedient werden, als via Katalog. Wie exakt und umfangreich die Witt-Gruppe die Daten ihrer Kunden erfasst und auswertet, durften die Wirtschaftsjunioren staunend erfahren.

Kundendaten werden genau analysiert

So kennt das Unternehmen das Kaufverhalten seiner europaweit 15,9 Millionen Kunden ganz genau. Es weiß, welche Kundin eher günstig, welche eher modisch und welche wohl bald wieder kaufen wird. Wie das genau funktioniert erklärt Dr. Segerer. Sämtliche Daten fließen in einer zentralen Datenbank zusammen – etwas, das viele Unternehmen so noch nicht haben.

Insgesamt sind mittlerweile rund zwölf Terabyte auf den Witt-Servern gespeichert. All diese Informationen, nicht nur zu Name und Adresse, sondern auch zum Geburtsdatum, zu den Sucheingaben, zum Klickverhalten, zu gelöschten Warenkörben, zum Weg, wie Kunden auf die Seite gelangt sind, werden von Analyseprogrammen bearbeitet. Mit welchem Ziel?

Am Ende geht es darum, den Besucherinnen beim Wiederbesuch der Seite genau die passenden Angebote anzuzeigen oder auf einer individualisierten digitalen Postkarte abzubilden – nämlich diejenigen, die sie am wahrscheinlichsten kaufen wird. Außerdem sollen Kataloge passgenauer zugesendet werden können. „Wenn Sie bedenken, dass es etwa 1,10 Euro kostet, einen Katalog zu drucken und zu versenden, Sie eine Auflage von 300.000 Stück haben, aber nur etwa acht Prozent der Empfänger etwas bestellen – dann wissen Sie, dass Sie hier sparen müssen“, erklärte Segerer den Junioren.

385 verschiedene Kataloge

Im Grundsatz hat das Geschäft freilich schon immer so funktioniert: Der Händler versucht, jedem seiner Kunden das passende Angebot zu machen. Bei der Witt-Gruppe entstanden so im Laufe der Zeit acht verschiedene Marken – von edler Boutiqueanmutung bis preiswert und gut – und ein Sortiment von 41.500 Artikeln. Die meisten davon bedienen Damen; Herrenmode, Accessoires und Schuhe ergänzen das Angebot.

„Das liegt daran, dass Männer schlichtweg weniger brauchen“, erklärt Segerer. Den größten Umsatzanteil erwirtschaftet die Witt-Gruppe mit Frauen im Alter von 70 bis 80 Jahren; 92 Prozent der Kundenadressen im Bestand sind weiblich.

Duzen statt siezen

Zunehmend sollen aber auch jüngere Kundinnen gewonnen werden. „Das ist einer von vielen Bausteinen, mit denen wir uns vom Textilversandhandel zum Multi-Channel-Unternehmen entwickelt haben“, erklärt Katharina Prechtl, die bei der Witt-Gruppe dafür zuständig ist, neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Das fällt Prechtl – trotz der für Jüngeren eher weniger hippen Produkte – zunehmend leichter, da Witt von der Zeitschrift „Focus“ gerade als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet wurde. Ein Aspekt war dabei sicherlich auch, dass sich das Unternehmen bewusst den Ansprüchen an eine moderne Unternehmenskultur stellen will und die Geschäftsführer kürzlich allen Mitarbeitern das „Du“ angeboten haben.

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