Schadensbericht eines pensionierten Gymnasiallehrers

„Schul-Aufgabe“ – Kabarettist Hans Klaffl blickt auf Lehrerleben zurück

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Neustadt/WN. „Er bringt die Sache einfach so auf den Punkt. Es tut einfach mal gut über sich selbst lachen zu können.“ So wie Tanja Renner, Lehrerin an einer Realschule, geht es wohl vielen im Publikum von Kabarettist Hans Klaffl, der in der Stadthalle sein Programm „Schul-Aufgabe – ein schöner Abgang ziert die Übung!“ präsentiert.

Auf bis zu 75 Prozent schätzen die Vertreter ihres Standes den Anteil der Kollegen in der ausverkauften Stadthalle. Ganz offensichtlich schafft es der pensionierte Gymnasiallehrer mit seiner „Kombination aus Schadensbericht und wehmütigem Rückblick“ den Nerv der Lehrerschaft zu treffen. Etwa wenn er die alltäglichen Kleinkriege in einer Unterstufenklasse schildert. Da ist zum Beispiel die immerwährende Frage um das mehr oder weniger regelmäßige Öffnen der Fenster und die immerwährenden Klagen der einen Schüler, denen es zu kalt und der anderen, denen es zu miefig ist.

„Es gibt ein Leben nach dem Gong“, weiß Hans Klaffl. Der pensionierte Gymnasiallehrer und Kabarettist spricht aus der Erfahrung von 40 Jahren professioneller Bespaßung verhaltensorigineller Schüler.

Fensterlüftung à la Hans Klaffl

Der kampferprobte Klaffl weiß da natürlich Abhilfe:

Wir machen’s jetzt auf, bis die einen erfroren sind und dann machen wir es zu, bis die anderen erstunken sind!“

Auf pädagogische Herausforderungen anderer Art treffen die Pauker dann mit der einsetzenden Pubertät ihrer Schützlinge: „In der Mittelstufe rutscht das Hirn dann manchmal unter die Gürtellinie und das will was heißen, wenn man bedenkt wo der Gürtel bei denen sitzt.“

Heikles Vorspiel

Da könne der geneigte Musiklehrer das Präludium auf einmal nicht mehr als Vorspiel übersetzen, ohne die Klasse in Aufruhr zu versetzen. Der Mathelehrer verzichtet auf die Durchnahme des gleichschenkligen Dreiecks und in Physik sind die Gesetze von Gay-Lussac tabu. „Die Blasinstrumente nehme ich schon lange nicht mehr durch“, rät Klaffl im steten Bemühen die Phantasien der Schüler im Zaum zu halten. Ein wenig überspitzt und wunderbar amüsant schildert Alleinunterhalter Klaffl die typischen Dialoge, die die Lehrer unter den Zuhörern wohl nur zu gut kennen.

Er spricht uns aus dem Herzen,

sagt Armin Aichinger, Rektor einer Grundschule.

Chronisch unsportliche Schüler

Viele weitere Höhepunkte des Pädagogenlebens hat Klaffl in petto. Etwa die Sportfeste, bei denen 80 Prozent der Schüler wegen „akuter Verletzungen, chronischer Unsportlichkeit oder vergessener Sportsachen“ nicht teilnehmen können. Oder die Sprechtage, an denen die Eltern der „erzieherisch naturbelassenen jungen Leute“ den Dialog mit dem Lehrer suchen. Und ganz offenbar lassen sich da regelmäßig so manche Parallelen feststellen. Etwa zwischen den Vätern, die voller Stolz und Überzeugung auf ihren strengen Erziehungsstil aufmerksam machen: „Wenn er noch keine Hausaufgaben gemacht hat, dann ist er um Mitternacht zu Hause. Da gibt’s gar nichts!“. Viele Mütter würden dagegen eher auf der Mitleidsschiene fahren. „Ach wissen Sie… der Yannick ist gar nicht faul… er ist einfach dumm. Aber wo soll er es auch herhaben, bei so einem Vater?“

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