Rückgang der Organspenden ist alarmierend

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Grafenwöhr. Helmut Bruhnke, Vorstand des Bundesverband Niere e.V., ist Experte wenn es um das Thema Organspende, speziell um Nierentransplantationen, geht. Die Zahlen der Organspender gehen seit Jahren zurück. Bei seinem Vortrag im Mehrgenerationenhaus kamen auch zwei Betroffene zu Wort, die von ihren Erfahrungen erzählten.

Organspende Nordoberpfalz Rückgang alarmierend

Immer weniger Menschen sind Organspender. Für Helmut Bruhnke, Vorstand des Bundesverband Niere e.V., ist die Entwicklung alarmierend. Fünf Punkte müssten sich verändern. Bild: Learning Campus.

Die Zahlen sind alarmierend – da ist sich Helmut Bruhnke, Vorstand des Bundesverband Niere e.V., sicher. Immer weniger Menschen seien Organspender. Das ist deshalb dramatisch, weil es nur für die Niere ein Ersatzverfahren gibt: die Dialyse. Bei allen anderen Organen kann man das Leben von Erkrankten nur durch Transplantation retten. Und selbst die Dialyse sei nur eine Lösung auf Zeit.

 4.190 Menschen auf der Warteliste

Im Jahr 2017 wurden laut Bruhnke 1.200 Nieren transplantiert. Knapp die Hälfte davon kam von Lebendspendern, das heißt Menschen die noch nicht verstorben sind – meist nahe Angehörige der Betroffenen. Insgesamt stehen aber 4.190 Personen auf der Warteliste für eine Transplantation. Damit gibt es sehr viel weniger Spender, als wirklich benötigt werden. Die DSO-Stiftung kümmert sich um den Ablauf und die Organisation der Organspenden. Sie bestimmt den Platz der Betroffenen auf der Warteliste. Wem die Zeit davonläuft, rückt weiter nach oben. Dabei werden Organe aus ganz Europa eingeflogen, um ihnen das Leben zu retten.

Zwei Organspenden – zwei Geschichten

Auch zwei Betroffene erzählten von ihren eigenen Erfahrungen mit einer Organspende. Einer von ihnen spendete seiner Lebensgefährtin eine Niere. Das Verfahren sei sehr langwierig und kompliziert gewesen. Beide mussten viele Tests durchlaufen, darunter auch eine Befragung bei der Ethikkommission über die Beweggründe seiner Spende. Die Strapazen waren es aber wert: Die Tests ergaben, dass die Transplantation durchgeführt werden konnte. Sowohl Spender als auch Empfängerin gehe es heute sehr gut.

Der zweite Erfahrungsbericht kam von der Empfängerin einer Niere. Sie erzählte von ihrer fast sieben Jahre andauernden Dialyse mit allen Schwierigkeiten und Einschränkungen für ihr alltägliches Leben. Erst dann fand man ein passendes Organ für sie. Die erlösende Nachricht bekam sie um 5 Uhr am Morgen: Sie bekommt eine Niere. Schon wenige Stunden später wurde sie operiert. Seit 4,5 Jahren lebt sie jetzt mit einer Spenderniere. Nach der Transplantation müsse man sich genau an die Medikamentenpläne und auch sonstige Vorgaben halten, da sonst die Gefahr besteht, dass der Körper das Organ abstößt. Für ihre Spende sei sie aber unendlich dankbar.

5-Punkte-Katalog die Lösung?

Eine Lösung für das Problem könnte laut Bruhnke ein „5-Punkte-Katalog“ sein, den der Bundesverband Niere e.V. fordert: Die Aufnahme einer Erklärung für oder gegen Organspende auf der elektronischen Gesundheitskarte, den Aufbau eines umfassenden Transplantationsregisters, bessere Patientenaufklärung und mehr Mittel zur Erforschung möglicher Risiken für Nierenlebendspender. Auch wollen sie eine Stärkung der Transplantationsbeauftragten in Kliniken und gezielte Öffentlichkeitsarbeit für die Notlage von Nierenpatienten erreichen.

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