Alice im Wunderland: Opulente Kostüme, viel Klimbim und Farbe

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Leuchtenberg. Eine Alice in einem schwarz-weißen Wunderland, die Gestalten, denen sie begegnet, minimalistisch angedeutet? Loriot hätte gesagt: Möglich, aber sinnlos. Julian Struck setzt bei seiner Inszenierung des Lewis-Carroll-Klassikers für das Landestheater Oberpfalz (LTO) auf opulente Kostüme, Glitzer und Farbe. Eine Herausforderung für die Kostümbildnerin Eva Schwab? Nein, „das reine Vergnügen“, sagt sie.

Von Gabi Eichl

Eva Schwab bastelt am Kostüm der blauen Raupe.

Eva Schwab bastelt am Kostüm der blauen Raupe.

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Der junge Regisseur Julian Struck arbeitet derzeit mit dem Ensemble des Landestheaters an einer Inszenierung von „Alice im Wunderland“, die stark auf die Wirkung visueller Eindrücke setzt. Zusammen mit Tina Lorenz hat Struck eine eigene Fassung des Stücks geschrieben. Für Eva Schwab, selbstständige Modedesignerin und Leiterin des Kostümfundus, eine Gelegenheit, ihrer Kreativität (fast) freien Lauf zu lassen. Schwab ist gelernte Schneiderin und hat in München Modedesign und Kostümgeschichte studiert. Sie war jahrelang rechte Hand der legendären Renate Steindl aus dem Münchner Kostümhaus Heiler, die der Stadtbühne Vohenstrauß einst zu dem Kostümfundus verholfen hat, um den das Landestheater heute vielfach beneidet wird. Als Steindl sich verabschiedete, übernahm Schwab den Fundus. Seither setzt sie eigene Akzente, immer jedoch mit Steindls perfektionistischem Anspruch an das historische Kostüm, bei dem auch Schuh oder Gürtelschnalle niemals, wirklich niemals aus dem zeitlichen Kontext fallen dürfen.

Kostüme verschmelzen mit dem Bühnenbild

Bei „Alice im Wunderland“ geht es jedoch nicht um historische Genauigkeit. Struck wünscht sich wirkmächtige Kostüme aus ungewöhnlichen Materialien, die teilweise mit dem Bühnenbild verschmelzen, die den Zuschauer allein schon optisch in ein Wunderland mitnehmen. Wie entstehen solche Kostüme?

Weil das LTO auf den riesigen Fundus von „Mutter“ Stadtbühne zurückgreifen kann, sichten Regisseur und Kostümbildnerin zuerst den Bestand. Unter Umständen lässt sich aus der Kombination eines Ritters und einer Marktfrau mit ein paar neu geschneiderten Accessoires eine Herzkönigin machen. Erst wenn der Fundus gar nichts hergibt – was sehr selten ist – entwirft Schwab ein neues Kostüm auf dem Papier, das dann mit dem Regisseur diskutiert wird. Inspiration holt sie sich heute aus dem Internet, aber auch von den jugendlichen Darstellern selbst, die gefragt werden, wie sie sich Raupe, Hummer, Schildkröte vorstellen.

Antonia und Viktoria Kappl (von links) als große und kleine Alice.

Antonia und Viktoria Kappl (von links) spielen die große und kleine Alice.

Möglichst keine Perücke bei 30 Grad

Wenn Eva Schwab sich mit dem Regisseur auf die Kostüme im allgemeinen verständigt hat, geht es an die Feinheiten, die Improvisationstalent erfordern. Dann geht es darum, wie sich eine Rolle bewegen muss, wie die Temperaturen voraussichtlich sein werden. Eine Perücke kann bei 30 Grad ein Kind darunter umkippen lassen, gleichzeitig darf kein Stoff verwendet werden, der sich bei Regen auf der Freilichtbühne so vollsaugt, dass der Darsteller sich nicht mehr bewegen kann. Oder es müssen blitzschnelle Verwandlungen einer Rolle eingeplant werden.
Die LTO-Inszenierung von „Alice im Wunderland“, die am 2. Juni Premiere auf der Burg Leuchtenberg hat, arbeitet mit elf Schauspielern, von denen sechs Doppelrollen haben. Das heißt, es werden 17 Kostüme gebraucht, davon vier allein für Alice, je zwei für die junge und die ältere.

Regisseur Julian Struck und die Raupe Josepha

Regisseur Julian Struck und die Raupe Josepha.

Josepha Reber fertig angekleidet als blaue Raupe

Josepha Reber fertig angekleidet als blaue Raupe,

Fotos: Landestheater Oberpfalz

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