Aufgehübschte Social Media-Profile: Dieses Stück öffnet Augen

Regisseurin plaudert aus Nähkästchen

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Leuchtenberg. Heute startet auf der Burg Leuchtenberg die Premiere des neuen Stücks Ernst sein ist alles. In diesem Zusammenhang plaudert die Regisseurin Anja Dechant-Sundby aus dem Nähkästchen. Unter anderem verrät sie wie sie zu dem Thema Theater-Aberglaube steht.

Ernst sein ist alles Komödie Theaterstück Burg Leuchtenberg Bild Jochen Schwab Landestheater Oberpfalz

Heute startet die Premiere des Stücks Ernst sein ist alles auf der Burg Leuchtenberg. Bild: Jochen Schwab/LTO

Wie kommst du als Regisseurin zu den Burgfestspielen Leuchtenberg?

Anja Dechant-Sundby: Schon immer war ich sehr fasziniert von Freilichtbühnen und konnte bereits einige Erfahrungen im Freilichttheater sammeln. So waren für mich die Burgfestspiele Leuchtenberg auch sehr reizvoll. Jede Freilichtbühne hat ihre eigene Atmosphäre, ihren speziellen Charme – und fordert von jedem Regisseur einen besonderen Umgang. Die Burg Leuchtenberg hat mich sofort angesprochen- sie erinnert mich an ein Schloß in den schottischen Highlands-  da war dann auch schon die Verbindung zu Ernst sein ist alles, und die faszinierende Vereinigung zwischen Stück und Ort war geschlossen.

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Ist ein 123 Jahre altes Stück nicht ziemlich öde oder zumindest sehr umständlich formuliert?

Natürlich hat jede Zeit ihren uns entrückt anmutenden sprachlichen Umgang- aber dank Tina Lorenz wurde diese alte Übersetzung gut entschnörkelt und viel direkter und uns näher formuliert. Ein bisschen vornehme Distanz muss allerdings bleiben- so sind die Figuren ja auch distanziert und entrückt. Letztlich ist das Thema immer aktuell und allgegenwärtig.

Es geht um Personen, die keine wirklichen Probleme haben, die sich an Oberflächlichkeiten festhalten, damit sie ihre eigene leere Hülle nicht spüren. Und das umzingelt uns ja auch tagtäglich. Ob sie sich an einem falschen Namen wie bei Ernst oder an einem geschönten Socialmedia- Profil in unserer Zeit festmacht ist einerlei. Jeder Mensch strebt danach sich selbst besser, anders oder überhaupt irgendwie darzustellen. Außerdem ist das Stück ein Meilenstein im britischen Humor. Ich bin der Meinung, dass der britische Humor so wie wir ihn kennen ohne Oscar Wilde gar nicht existieren würde. Er war ein Wegbereiter für Noel Coward, Monty Python, Rowan Atkinson, Ricky Gervais und viele andere grandiose Komiker.

Du arbeitest ja mit Profis und Laien gleichermaßen. Ist die Arbeit mit den Amateuren anders?

Es gibt den offensichtlich praktischen Unterschied: Profis stehen ohne viel Ablenkung den ganzen Tag für Proben zur Verfügung, bei Amateuren muss zwischen deren beruflichen Verpflichtungen und der Probenzeit teilweise mühsam jongliert werden. Und man weiß nicht so genau auf welchem Stand der Amateur genau ist – hat er gerade erst angefangen mit dem Schauspiel oder ist er ein alter Hase. Diesbezüglich kann bei Profis ein gewisser Grundstock sicher anzunehmen sein. Allerdings bringen Amateure viele andere Erfahrungen und Einflüsse aus ihrem Berufsleben mit in die Rolle, die gerade dadurch auch noch lebendiger wird. Und es ist ja ihr Hobby, also lieben und genießen sie es.

Was ist dein Lieblingsgag im Stück?

Ich könnte keinen einzelnen Gag nennen, da sich die Komik im Stück eher wie eine Blüte entfaltet. Grandios ist die Situation in der Cecily dem vermeintlichen Ernst erzählt wie sie die ganze Liebesgeschichte mit ihm schon über Monate in ihrem Tagebuch ausgelebt hat, mit kurzzeitiger Trennung, Versöhnung und Heiratsantrag- und das ohne ihn überhaupt zu kennen!

Hast du bestimmte Premieren-Rituale? Ist dir der Theater-Aberglaube wichtig ?

Premieren-Rituale habe ich nicht wirklich. Für mich ist die Zeit ab Beginn der Hauptproben so etwas wie ein Loslassen. So empfinde ich eine Premiere etwas wie ein Gehenlassen meines Kindes. Es ist sehr schön zu sehen, dass das Stück auch ohne mich funktioniert, aber es ist auch traurig das es mich nicht mehr braucht, dass ich nichts mehr daran arbeiten kann. Irgendwie könnte man ja ewig feilen.

Ich beachte nicht viele Theater-Aberglauben, aber einer ist mir wichtig und hat mir auch schon viele Diskussionen beschert: ich mache die Applausordnung immer erst nach der zweiten Hauptprobe.

Gibt es eine Probenanekdote, die du erzählen möchtest?

Ich kann nur sagen, dass wir sehr viel Spaß in der Probenzeit hatten. Das lag sowohl an den aberwitzigen Situationen-jedoch auch an den vielen vielen Namen die schon einmal so durcheinandergewürfelt wurden, dass so mancher nicht mehr wusste wer er war.

Darum geht es in dem Theaterstück

Jack und Algernon sind beste Freunde, die – damit ihre Familien keinen Verdacht schöpfen – jeweils unter der erfundenen Identität „Ernst“ auftreten, wenn sie einander besuchen. Bei diesen Besuchen verliebt sich Jack in Algernons Cousine Gwendolen und Algernon in Jacks Mündel Cecily. Das wäre alles unproblematisch, würden nicht beide Frauen darauf beharren, nur einen Mann zu heiraten, der Ernst hieße. Jetzt ist guter Rat teuer, denn sowohl Jack als auch Algernon fehlt der so dringend nötige Ernst für dieses Unterfangen.

Oscar Wildes geistreiche Gesellschaftskomödie hat bis heute nichts von ihrem Feuer verloren. Sie feiert nicht nur die Kunst der pointierten Dialoge, sondern hält auch einer in Konvention erstarrten Gesellschaft mit feinem Witz den Spiegel vor.

Kurzbiografie über die Regisseurin:

Anja Dechant-Sundby ist Absolventin der Athanor Akademie für darstellende Kunst, Fachrichtung Film- und Theaterregie und ist erfolgreiche Regisseurin im Festspiel- und Freilichtbereich. Ihre letzten Arbeiten waren unter anderem für die Rosenberg Festspiele 2017 „Mirandolina“, „Zweifel“ und „Der kleine Prinz“ für die Studiobühne Bayreuth in 2016 und „Das Dschungelbuch“ auf der Naturbühne Trebgast, ebenfalls 2016. „Ernst sein ist alles“ ist ihre erste Regiearbeit für die Burgfestspiele Leuchtenberg und das Landestheater Oberpfalz.

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