Standing Ovations für Elite-Künstler

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Luhe-Wildenau. Antonio Vivaldi hätte sich wahrscheinlich nicht im Grabe umgedreht, sondern auch Beifall geklatscht für seine „Vier Jahreszeiten“, die mit Rock- und Jazzelementen bearbeitet in Luhe für eine musikalische Sternstunde sorgten. Eineinhalb Jahre hat Konzertmeister Janusz Nykiel mit seinen vier Musikern an den zwölf Sätzen getüftelt.

Von Martina Witt 

Konzert Luhkultour Luhe-Wildenau

Eigentlich hätte es ein Open Air auf dem historischen Marktplatz werden sollen, doch das Wetter dirigierte Veranstalter und viele Gäste in die Ausstellungshalle der Firma Holz und Antiquitäten Görner. Im Nachhinein erwies sich das aber als Glücksfall: Dadurch wurden auch die ganz leisen Töne – gerade bei den Jazzsequenzen – nicht vom Wind fortgetragen. „Wo sind die Geigen und Celli bei Vivaldi? Dafür Schlagzeug und Bassgitarre“, führte Nykiel die Zuhörer auf die bevorstehende Aufführung ein. Es habe ihn sehr gereizt, das klassische Stück einmal anders zu spielen, mit Jazz- und Rock-Leuten. „Wenn es Ihnen zu laut wird, dann gehen Sie eine Runde durch die Ausstellung und kommen dann wieder“, scherzte der Pole in perfektem Deutsch.

Der Auftritt in Luhe hatte den vier Musikern nochmals Arbeit beschert, weil krankheitsbedingt der zweite Gitarrist ausgefallen war. „Also haben wir uns hingesetzt und nochmals umarrangiert.“ Und dann legten die vier Musiker los. Schon nach wenigen Minuten „Frühling“ war der Funke auf die Zuhörer übergesprungen, blieb kaum ein Fuß ruhig stehen, trommelten Finger und bewegten sich Köpfe im Takt.

Konzert Luhkultour Luhe-Wildenau

Musik, die man lebt!

Nykiel, Mitglied in vielen namhaften Symphonieorchestern, spielt die Musik nicht nur, er lebt sie und zwar mit dem ganzen Körper. Er gab mit seiner Violine oft den klassischen Part, in den dann die Rock- und Jazzelemente der drei anderen einflossen. In welcher musikalischen Liga Vollblutmusiker Nykiel zuhause ist (zuletzt auch in China), wussten sehr viele Konzertbesucher schon, da er bereits dreimal in Luhe aufgetreten war.

Beim „Sommer“ gaben die Musiker dann richtig Gas. Da wurde aus den Instrumenten herausgeholt, was ging. Da rissen zweimal Bogensaiten – rausgezupft und weitergespielt. Später nahm auch das Schlagzeug noch Schaden. Nach eineinhalb Stunden gab es stehenden Applaus für eine Aufführung der Spitzenklasse mit exzellenten Musikern.

Konzert Luhkultour Luhe-Wildenau

Legende, Genie und Musik-Professor

Einer Pause folgten mehrere, überwiegend jazzige Zugaben, bei denen sich Schlagzeuger Zbyszek Lewandowski (Nykiel: „Er gilt als lebende Legende und hat schon mit vielen amerikanischen Jazz-Größen gearbeitet“) fast in Ekstase spielte, sodass die Schweißtropfen nur so ins Handtuchen rannen, Lukasz Perek am Klavier („er ist einfach ein Genie“) hingebungsvoll „blind“ seine Finger über die Tasten fliegen ließ und Jakub Olejnik („der jüngste Hochschulprofessor in Breslau für Kontrabass“) eine Fingerfertigkeit an der Bassgitarre zeigte, die staunen machte.

Standing Ovations zum dritten Mal für „The 5th. season“, wie sich die Polen aus Stonsdorf und Breslau nennen. Bleibt nur zu hoffen, dass es Bürgermeister Karl-Heinz Preißer, LuhKulTour und den weiteren Mitveranstaltern wieder einmal gelingen wird, diese musikalischen Elite-Künstler ohne jegliche Starallüren nach Luhe zu bringen.

 

Bilder: Martina Witt 

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