Ehrenamt ist ein Geschenk

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Tirschenreuth. Zum Thementag Ehrenamt des Netzwerks Inklusion mit Prof. Dr. Doris Rosenkranz von der TH Nürnberg waren über 60 Gäste gekommen. Beim anregenden Austausch konnten viele Impulse mitgenommen werden.

Tag des Ehrenamts

von links: Holger Schedl (BRK), Peter Gold (Stadt Tirschenreuth), Prof. Dr. Doris Rosenkranz (TH Nürnberg), Franz Malzer (Lebenshilfe), Christina Ponader (Netzwerk Inklusion)

Franz Malzer begrüßte, als 2. Vorsitzender der Lebenshilfe KV Tirschenreuth, die gemischte Runde aus Vertreterinnen und Vertretern von Vereinen, beruflichen Schulen, Einrichtungen und kommunalen Beauftragten:

Ohne Ehrenamt wäre Deutschland arm.

Nichtsdestotrotz sei es schwierig, neue Ehrenamtliche zu finden. Er selbst habe als Jugendlicher angefangen und sei dann „dabei geblieben“. Das sei nicht mehr selbstverständlich.

Peter Gold, zweiter Bürgermeister von Tirschenreuth und Vertreter des Landratsamtes wies auf die Bedeutung der Weiterentwicklung hin. Das Landratsamt sei ein Partner der TH Nürnberg, aber auch vor Ort müsse man sich neue Gedanken zum inklusiven Ehrenamt machen.

Ehrenamt darf nicht Lückenbüßer sein

Christina Ponader, Netzwerkleiterin und Veranstalterin, zollte den Anwesenden Respekt und bedankte sich bei ihnen, dass sie sich die Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten nehmen. Außerdem betonte sie, dass sie sich mit den Anwesenden austauschen möchte, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

Die Soziologin Prof. Dr. Doris Rosenkranz begann ihren Impulsvortrag ähnlich:

Grob überschlagen – etwa 85 Prozent von Ihnen haben ein Ehrenamt. Wenn man den Stundenumfang ihres Engagements mit dem Mindestlohn multipliziert ist das Ergebnis quasi unbezahlbar.

Sie betonte weiterhin, dass die Ehrenamtlichen einen wichtigen Beitrag zur Bruttowertschöpfung leisten. Gleichzeitig darf das Ehrenamt nicht der Lückenbüßer für hauptamtliche und sozialstaatliche Aufgaben sein.

Tag des Ehrenamts

Impulsvortrag von Prof. Dr. Doris Rosenkranz.

Jeder zweite ehrenamtlich aktiv

In Deutschland sind 44 Prozent ehrenamtlich tätig, in Bayern 47 Prozent. Davon sind 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Eine große Rolle spielen Feuerwehr, Rettungsdienst und Sport. Allerdings werden in dieser Statistik die privaten Hilfen, wie von Nachbar zu Nachbar, die nicht vom Verband organisiert sind, nicht abgebildet. Somit sind eigentlich viel mehr Menschen ehrenamtlich aktiv.

Im Ehrenamt wird Lebenszeit verschenkt, das ist nicht verordenbar, sondern ein Geschenk. Zudem zählt Ehrenamt als Standortfaktor und Bereicherung der Lebensqualität – wo viele sich engagieren, zieht man gerne hin. Auch wenn das Thema Ehrenamt beim Sozialministerium verankert ist und es regionale Koordinierungsstellen gibt, wird die Anbindung von Ehrenamtlichen vor Ort oft als kompliziert erlebt.

Ehrenamt keine Selbstverständlichkeit

Wir brauchen ein neues Bild von Ehrenamt: Ehrenamt ist nichts Selbstverständliches. Nach wie vor sind viele bereit, sich zu engagieren. Aber die Ehrenamtlichen prüfen heute sehr genau, wo und wie lange sie sich engagieren wollen.

Die Vereine und Träger müssen sich auseinandersetzen mit Motiven und Erwartungen, brauchen eine hohe Transparenz im Bereich Informationen und Strukturen und Klarheit, welchen konkreten Beitrag sie von den Ehrenamtlichen erwarten. Es ist immer ein Spagat zwischen der Individualität der Ehrenamtlichen, den Zielen des Vereins und dem Erhalt der Qualität der Arbeit des Vereins.

Motive für die ehrenamtliche Arbeit sind Freude, Gemeinschaft und Gesellschaft zu gestalten und der Neuerwerb von Qualifikationen. Je jünger, desto mehr Interesse an Qualifikationen, je älter, desto mehr steht Gemeinschaft und der Anlass zum Gespräch im Vordergrund.

Gezielt Freiwilligenmanagement betreiben

Gründe für das Nicht-Engagement sind Zeitmangel, die Unsicherheit wohin man sich wenden kann, aber auch ganz bedeutend die Angst, dauerhaft an die Tätigkeit gebunden zu werden.

Das bedeutet für Vereine und soziale Einrichtungen sich ganz gezielt mit Freiwilligenmanagement auseinanderzusetzen. Service Learning an Schulen und Corporate Volunteering in Betrieben sind gute Brücken, Arbeit und Bildung in die Freizeit zu integrieren.

Mit Ehrenamtskarte bayernweite Ermäßigungen

Nach dem Impulsvortrag und dem Weißwurstfrühstück folgten Beispiele aus dem Landkreis Tirschenreuth. Rita Kunz stellte den Kleinen Dienst Erbendorf vor, der seit 1996 existiert und damit wohl die älteste Nachbarschaftshilfe im Landkreis ist. Anja Dubrowski von der Seniorenfachstelle stellte die bayerischen Ehrenamtskarte vor, mit der man bayernweit Ermäßigungen bei kommunalen und öffentlichen Angeboten bekommt und im Landkreis zum Teil Ermäßigungen auf die Kindergarten-Gebühr.

Unter dem Dach des BRK laufen mehrere Nachbarschaftshilfen: Josef Zant stellte die NBH Bärnau vor, die jetzt neu Kinoabende beginnt, Jutta Frankenhäuser die NBH Plößberg mit ihren mehrgenerationalen Angeboten, Christine Gärtner die NBH Pullenreuth, die als Besonderheit eine Taschengeldbörse anbietet und Ludwig König die NBH Brand, die sich auch stark in der Flüchtlingshilfe engagierte.

Den Abschluss bildete Stefanie Baier mit LEBENplus Kemnath: in Kooperation mit dem Kleinen Dienst Kemnath ist die Ehrenamtsbörse ein wachsender Bereich.

Bilder: Netzwerk Inklusion Landkreis Tirschenreuth

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