Das Ringen um Industrieflächen in Weiden

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Weiden. Kommt das Gewerbegebiet Weiden West IV oder scheitert die Stadt mit ihrem Plan zur Erschließung? Der Bund Naturschutz hat jedenfalls seinen erbitterten Widerstand angekündigt. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß verweist darauf, dass die Stadt wegen einer großen Nachfrage von Firmen die Flächen braucht.

Von Udo Fürst

Gewerbegebiet Weiden West IV

Ist dieser Wald bald Geschichte?

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Zankapfel Gewerbegebiet Weiden West IV: Während die Stadt auf das neue Areal im Stadtwesten pocht und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betont, dass man das neue Areal unbedingt benötige, wollen der Bund Naturschutz (BN) und Greenpeace das Projekt unter allen Umständen verhindern. „Weiden ist das wirtschaftliche Zentrum der Region. Zwei Drittel der 28.000 Arbeitnehmer in der Stadt sind Pendler aus der näheren Umgebung. Deshalb brauchen wir Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Seggewiß.

Kritiker beanstanden Flächenfraß

Ali Zant, Weidener Greenpeacesprecher sagt: „Waldflächen zu roden und zu versiegeln, ist eine gewaltige Zerstörung der Umwelt, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Ein Verzicht auf dieses Gewerbegebiet muss kein Rückschritt sein.“ Auch BN-Chef Richard Mergner kritisiert das Vorhaben: „Die Planungen sind für eine Stadt dieser Größenordnung bayernweit einzigartig.“ Aus seiner Sicht zeigen die Pläne außerdem, dass der Freistaat dem Flächenfraß Vorschub leistet – allen gegenteiligen Versprechen zum Trotz.

Das Gelände, auf dem das 72 Hektar große Gewerbegebiet entstehen soll, ist nämlich Staatswald. Wenn daraus ein Gewerbegebiet werden soll, muss die Stadt den Wald vom Freistaat erwerben. Der Staatsforst würde das Areal am liebsten gegen einen anderen Wald in Bayern tauschen. Deshalb hat die Stadt andernorts bereits viel Wald erworben. „Das ist ein reiner Kuhhandel“, kritisiert Mergner. „Zwar würde sich der Freistaat schadlos halten. Aber die 72 Hektar Wald wären dennoch ein für allemal verloren.

Freistaat und Stadt machen es sich hier zu einfach.

Gewerbegebiet Weiden West IV

An der Straße nach Pressath plant die Stadt das 72 Hektar große Gewerbegebiet West IV.

Weidener wählten Pro Gewerbegebiet

Seggewiß weist das zurück: „Wir machen es uns überhaupt nicht einfach. Wir brauchen diese Entwicklungsmöglichkeiten.“ Zudem verweist er darauf, dass sich die Weidener in einem Bürgerentscheid knapp für das Gewerbegebiet ausgesprochen haben.

Der BN fühlt sich nicht an diese Abstimmung gebunden. Er kämpft weiter gegen das Projekt. Richard Mergner forderte unlängst Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) auf, dem geplanten Flächenhandel eine Absage zu erteilen. „Dann würde die Staatsregierung zeigen, dass es ihr ernst ist mit dem Flächensparen.“

Anfragen von Firmen

Den Weidener Plänen entgegenkommen könnte jetzt die Zusammensetzung der neuen Staatsregierung mit den Freien Wählern an der Seite der CSU statt der Grünen, die seit Jahren gegen den Flächenfraß in Bayern kämpfen. Stadtkämmerin Cornelia Taubmann bringt hier die guten Kontakte zu Freie- Wähler-Chef Hubert Aiwanger ins Spiel. Obwohl Taubmann SPD-Mitglied ist, habe sie keine Scheu, mit CSU und Freien Wählern gut zu verhandeln und positive Gespräche zu führen:

Es geht schließlich um Sachpolitik.

In der jüngsten Wirtschaftsbeiratssitzung der Stadt sprach Baudezernent Oliver Seidel von positiven Gesprächen mit dem staatlichen Straßenbauamt in Bezug auf die Herausnahme der Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet, für das bereits eine Planungsvereinbarung vorliege. Laut Seidel soll der Bebauungsplan am 23. November 2020 rechtskräftig werden. Ein Jahr später könne man mit dem Projekt starten. Seidel verwies zudem auf mehrere bereits vorliegende Anfragen von Firmen.

Fotos: Udo Fürst

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2 Kommentare

  1. Naturliebhabär schreibt:

    Machen wir es doch Wie im Hambacher Forst und demonstrieren gegen die Abholzung. Bauen Baumhäuser usw. Bei denen hat es auch geholfen, oder?

  2. Naturliebhabär schreibt:

    Soll die Stadt doch erst einmal ihre Brachflächen die es zu genüge gibt, an die Firmen verkaufen. Dann könnte man das Stadtbild etwas aufwerten und es bräuchte der Wald und das Naherholungsgebiet nicht geopfert werden. Ausserdem jammert man ständig, die Stadtkasse sei leer…. Aber für ein nicht zu Ende gedachtes Gewerbegebiet hat man plötzlich Geld??? Man sollte als Stadtrat mal über den Tellerrand hinaus sehen. Was kommen für Ausgaben zwecks Erschließung und Unterhalt auf die Stadt zu? Wie ist die Anbindung geregelt? Durchs Wohngebiet?? Neue Straßen durchs Naturschutzgebiet??
    Lieber Stadtrat, macht euch mal darüber Gedanken, bevor ihr nur übers Geld redet.

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