Von Regensburg bis Marktredwitz: Ein Besuch bei Krippenschnitzer Gerhard Schinner

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Ebnath/Neusorg. Gerhard Schinners Krippen sind etwas ganz Besonderes. Auch der Künstler selbst, der vor zwölf Jahren einen Sohn verlor, ist ganz besonders.

Von Udo Fürst

Krippenschnitzer Gerhard Schinner

Ein beeindruckendes Künstlerpaar: Gerhard und Elisabeth Schinner.

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Fast zärtlich streicht er dem Jesuskind über das winzige Köpfchen, betrachtet sein Werk und legt es dann behutsam in die Krippe. Wenn Gerhard Schinner eine seiner Figuren in die Hand nimmt, spürt man die Liebe und die Leidenschaft, die ihn mit seiner Arbeit und den kleinen Kunstwerken verbindet. Diese Hingabe wird greifbar, wenn er ruhig und doch eindringlich von seiner Passion spricht.

Schinner ist ein begnadeter Schnitzer, der seine Leidenschaft vor 30 Jahren zum Beruf gemacht hat. Der Ebnather schnitzt Wegkreuze, Heiligenfiguren, Grabstelen und – vor allem – Krippen mit allem, was dazugehört. Von der winzigen Futterkrippe über Ochs und Esel bis zur Heiligen Familie.

Fasziniert vom Material Holz

Schon als Bub begeisterte sich der Ebnather für das Material Holz.

Ich habe alles geschnitzt, was mir in die Hand kam,

erinnert er sich schmunzelnd. Zunächst im Keller des Elternhauses, seit 1999 in der ehemaligen Schule in Weihermülle nahe Neusorg, die er als Werkstatt angemietet hat.

Krippen für Kirchen

Wie viele Krippen der 57-Jährige schon geschnitzt hat, weiß er nicht mehr so genau. Das ist ihm auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist ihm, dass seine Krippen in die richtigen Hände kommen. „Man muss sich darauf einlassen, sollte die Geschichte verstehen, die sich hinter dem Thema Christi Geburt verbirgt“, erklärt Schinner. Daher erscheint es fast logisch, dass viele seiner Krippen in Kirchen stehen. Von Regensburg bis Kirchenlaibach, von Nürnberg bis Marktredwitz: Schinner-Krippen kann man in vielen Gotteshäusern bewundern.

Krippenschnitzer Gerhard Schinner

Der Ebnather verkauft seine kleinen Kunstwerke nicht an jeden. „Man muss sich darauf einlassen, sollte die Geschichte verstehen, die sich hinter dem Thema Christi Geburt verbirgt“, so der Ebnather.

Ein unbeschreiblicher Schmerz

Der Holzschnitzer ist ein gläubiger Mensch. Gläubig in dem Sinn, dass er seinen eigenen Weg zu Gott gefunden hat und nicht unbedingt alles akzeptiert, was die Amtskirche vorgibt. Vor ziemlich genau zwölf Jahren, Anfang Dezember 2006, erlebte Gerhard Schinner etwas, das sein Leben und das seiner Frau Elisabeth (54) für immer verändern sollte.

Nachdem sein Sohn Michael am Abend nicht nach Hause gekommen war, fand ihn der Vater tot in einer unter der Schneelast zusammengebrochenen Scheune. Was für die meisten Menschen nicht zu verkraften wäre, verarbeitete der Ebnather in der ihm eigenen Art: „Man kann den Schmerz nicht beschreiben. Du musst das annehmen“, sagt Schinner stockend. Er habe in den Augen seines Sohnes einen glückseligen Ausdruck gesehen und dann die Dankbarkeit angenommen, sein Kind elf Jahre gehabt zu haben.

Es war ein Ereignis, das mich fürs Leben gebildet hat.

Wallfahrt prägt den Ebnather

Gelernt habe er auch sehr viel bei einer besonderen Wallfahrt, die ihn 2012 und 2013 in zwei Etappen von insgesamt 1450 Kilometern von Ebnath nach Rom führte. „Das Gefühl, zu Fuß mit der Muschel, dem Zeichen des Pilgers, nach Rom unterwegs zu sein, ist eigentlich nicht mit Worten zu beschreiben“, erzählt der Ebnather. „Nach Hunderten Kilometern das Ziel der Pilgerschaft, das Grab von Petrus im Petersdom zu erreichen, ist ein Erlebnis, das man seiner Lebtage nicht vergisst“, sagt Schinner, der auch schon den Jakobsweg absolviert hat. „Das ist nicht zu vergleichen. Während du dort ständig andere Pilger triffst, bist du auf dem Weg nach Rom allein unterwegs.“Krippenschnitzer Gerhard Schinner

Nicht für Jeden

Zurück in Schinners Werkstatt und den Hunderten Krippenfiguren, Grabstelen und Feldkreuzen. Vor wenigen Tagen hat ihn dort Bischof Rudolf Voderholzer besucht. Der Gast, mit dem er sich fast eine Stunde lang auch gut unterhalten habe, sei besonders von der Ebnather Krippe begeistert gewesen – ein Werk des Künstlers, auf das er ganz besonders stolz ist und in das er viel Herzblut investiert hat. „Wir machen aber auch ganz profane Arbeiten für Menschen, die etwas Beständiges wollen. Eine Krippe hat man schließlich in der Regel ein Leben lang.“ Schinner verkauft seine Schnitzereien nicht an Jeden. „Der Interessent muss schon einen Bezug zu den Arbeiten haben. So etwas spüre ich dann schon auch.“

Krippenschnitzer Gerhard Schinner

Filigrane Arbeiten wie diese Futterkrippe sind das Metier des Ebnather Schnitzers

Dankbar für die Hilfe seiner Frau

Gerhard Schinners Bezug zum Glauben zeigt sich in seinem Repertoire: Zu dem gehören Osterkrippen, Hausaltäre, Taufbecken, Tabernakel sowie Grab- und Feldkreuze. „Religiöse Symbole umzusetzen bedeutet für mich auch, den Glauben weiterzutragen.“ Sehr dankbar ist der Künstler für die Unterstützung seiner Frau Elisabeth. Nicht nur, dass sie ihm als Malerin zur Seite steht. „Sie hält mir auch den Rücken frei.“ So sei sein Pilgermarsch ohne die Hilfe seiner Frau niemals möglich gewesen.

Selbstverständlich wird auch im Hause Schinner in Ebnath eine Weihnachtskrippe stehen. Die hat er in eine Ecke seiner Küche eingebaut.

Fotos: Udo Fürst

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