Mysterium „Konnersreuther Resl“

Mutig, aber ohne Voyeurismus

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Weiden. Die Macher des Landestheaters Oberpfalz scheuen kein schwieriges Thema. Das beweisen sie einmal mehr mit dem Stück „Resl unser“. Gespielt wird eine Geschichte über das Mysterium „Konnersreuther Resl“, die so bisher nur wenige kannten. Am 14. März ist Premiere in der Regionalbibliothek Weiden.

Von Udo Fürst

Resl Unser LTO Landestheater Oberpfalz

Doris Hofmann (Vorne) gibt die Schauspielerin Lillian Gish. Zusammen mit Bernhard Setzwein, Regisseur Till Rickelt und Claudia Lohmann (von links) stellte sie das Stück „Resl unser“ vor.

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Ein Theaterstück über die Konnersreuther Resl ohne die Figur der Konnersreuther Resl – geht das? Es geht! Zumindest versucht sich das Landestheater Oberpfalz (LTO) an dieser brisanten Geschichte. Das Stück des Landestheaters Oberpfalz (LTO) „Resl unser“ hat das Zeug, mehr zu werden als normales Theater. „Es bietet dem Zuschauer die Chance, die Geschichte in Ruhe und mit Bedacht auszudiskutieren“, sagt Bernhard Setzwein.

Die Geschichte hinter der Geschichte

Der Autor des Stücks hat eine Geschichte aufgeschrieben, die sich 1927 tatsächlich ereignete. Der berühmte jüdische Regisseur Max Reinhardt wollte damals einen Film mit dem Stummfilmstar Lillian Gish über die Konnersreuther Ereignisse drehen und war deshalb eigens mit der Schauspielerin und seiner Sekretärin in die nördliche Oberpfalz gereist. Sowohl Bernhard Setzwein als auch Till Rickelt, der künstlerische Leiter des Landestheaters, sind „hin- und hergerissen“ von der Figur der Resl. Genauso wie Befürworter und Skeptiker, die sich seit Jahrzehnten darüber streiten, ob die Stigmatisierung der Bauernmagd stimmt. „Wir wollen jeglichen Voyeurismus vermeiden“, betonte Setzwein bei der Vorstellung des Stücks, das am Donnerstag, 14. März (20 Uhr) in der Regionalbibliothek Premiere feiert.

Rickelt erzählte, dass man lange nach der Geschichte hinter der Geschichte gesucht habe. Dramaturgin Tina Lorenz habe schließlich die damaligen Filmpläne entdeckt. „Das war der Knackpunkt für mich. Da wusste ich: Daran kann man das Ganze aufhängen“, so der Autor.

Resl Unser LTO Landestheater Oberpfalz

Doris Hofmann spielt den Stummfilmstar Lillian Gish. Foto: LTO

Heilige oder hysterische Schwindlerin?

Zum Inhalt: Im Jahr 1927 erweckt ein kleines Dorf in der Oberpfalz plötzlich überregionales Interesse. Auslöser ist die Bauernmagd Therese Neumann. Durch einen Unfall schwer erkrankt und mehrere Jahre ans Bett gefesselt, erlebt sie nach einer wundersamen Heilung beinahe wöchentlich in Visionen die Passion Christi, während sie aus Wundmalen am Kopf, Händen und Füßen blutet. Bald schon strömen Tausende von Pilgern in das abgeschiedene Konnersreuth. Der örtliche Pfarrer Joseph Naber, der Therese seit ihrer Kindheit kennt, ist überzeugt, dass es sich bei den Ereignissen um ein göttliches Wunder handelt. Für den Regensburger Bischof Franz Anton Henle hingegen ist das um sich greifende „Konnersreuth-Virus“ vor allem ein Ärgernis – noch dazu eines, das sich hartnäckig all seinen Versuchen widersetzt, es in geregelte Bahnen unter Aufsicht der Amtskirche zu lenken.

Auch in der Wirtsstube der Konnersreuther Gaststätte „Zum Kouh Lenzen“ wird heftig gestritten, ob es sich bei der „Resl“ um eine Heilige oder um eine hysterische Schwindlerin, wenn nicht gar um eine raffinierte Betrügerin handelt. Fast unbemerkt verläuft daher die Ankunft dreier prominenter Gäste, die ebenfalls wegen der wundersamen Ereignisse in die Oberpfalz gereist sind: Der berühmte jüdische Theaterregisseur Max Reinhardt, seine Sekretärin Gusti Adler und der amerikanische Stummfilmstar Lillian Gish. Von ihrer Reise versprechen sie sich wichtige Erkenntnisse für Reinhardts nächstes Projekt: Ein von Hollywood finanzierter Stummfilm über das Mirakel von Konnersreuth mit Lillian Gish in der Hauptrolle. Aber um zu Resl vorgelassen zu werden, gilt es zunächst einmal, Pfarrer Naber von der Unbedenklichkeit des Unternehmens zu überzeugen.

Auftritte in Konnersreuth?

Doris Hofmann spielt im LTO-Stück Lillian Gish, die laut ihrer Autobiografie eine von Resls Visionen erlebte. Der gebürtigen Nabburgerin ist der Name Resl seit ihrer Jugend bekannt. Doch näher befasst habe sie sich bisher nie damit. „Ich würde nie sagen, so ein Schmarrn. Das Stück macht was mit mir.“

Zwar gehen alle sechs Aufführungen in der Regionalbibliothek Weiden über die Bühne, das muss aber nicht dabei bleiben. Bernhard Setzwein versichert: „Wenn es gewünscht wird, kommen wir auch nach Konnersreuth. Wir betteln aber nicht darum.“

Fotos: Udo Fürst (2)/LTO

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