Kolumne „Ruhe“: Eric Frenzel beendet Saison

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Flossenbürg. Eric Frenzel beendet die gegenwärtige Saison leider krankheitsbedingt – in seiner Kolumne erzählt er, was ihn bewegt und wie er Kraft tankt. 

Von Eric Frenzel

Eric Frenzel Kolumne 2018 Weltcup Nordische Kombinierer

Wintersport gibt’s für Eric Frenzel ab jetzt nur noch von der Couch aus. Krankheitsbedingt muss er die Saison beendet – was ihn zum Nachdenken bringt.

„Vor der Weltmeisterschaft hatte mich ein Infekt fest im Griff und ich konnte gerade noch so vor dem Start der Wettkämpfe die Viren besiegen. Nach dem Weltmeistertitel bin ich nun schon wieder oder vielleicht immer noch im Bann der Erreger: „Influenza A“ sagt der Mannschaftsarzt und wir alle wissen, dass diese Entwicklung nun wohl schon das Saisonende einläutet. Die letzten Weltcuprennen werden ohne mich stattfinden. Der oberste ärztliche Rat heißt Auskurieren und keine Risiken eingehen, zumal die Saison und die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaften in Seefeld genug kräftezehrend waren.

Wintersport ab jetzt von der Couch

Ich liege also auf dem Sofa in Flossenbürg und schaue mir fortan den Wintersport im Fernsehen an, bin bei meiner Familie und genieße es, die Kinder beim Spielen um mich zu haben. Es kehrt Ruhe ein, von der ich meine, dass ich sie mir auch verdient habe. Wenn die Kinder am Vormittag in der Schule und im Kindergarten sind und Laura beim Einkaufen, lasse ich mir die letzten zwei Jahre durch den Kopf gehen, die mit ungewöhnlichen Saisonverläufen einhergingen.

Verlass auf Nerven und Laufleistung

Immer bedingt durch das Springen waren es durchwachsene Saisonleistungen bis die Großereignisse kamen, bei denen mir immer der große Wurf gelang: Olympiasieg in Pyeon Chang und Weltmeistertitel in Seefeld. Nicht nur auf meine Laufleistung, sondern auch auf meine Nerven konnte ich mich immer verlassen und es hat sich ausgezahlt, keine Energie mit Hadern und Jammern zu verschwenden , sondern jeweils bis zur letzten Minute an den Dingen zu arbeiten.

Trotzdem mache ich mir in aller Ruhe Gedanken um die Zukunft und um die zukünftige Herangehensweise bei der Saisonvorbereitung, wenn es um das Springen geht. Die Sprungleistung basiert auf mehreren Aspekten, die sich auf Körper und Material, sprich Skischuhe, Bindung und Ski beziehen. In jeder Saison aufs Neue sind Abstimmungsfragen zu lösen. Die Schuhhärte im Zusammenspiel mit der Bindung sind die Komponenten, mit denen der Flug sozusagen gelenkt wird: durch diese beeinflusst der Sportler den gesamten Flug vom Absprung bis zur Landung. Fehlt der innere Zugang zu diesen Dingen, fehlt das Gefühl für auch nur eine der Komponenten, geht der Sprung nicht weit. Dass dies zweimal in den Saisons der Fall war, bringt mich zum Nachdenken.

In der Ruhe liegt die Kraft

Ich werde mit meinen Trainern sprechen, wir müssen unser System zur Fehlererkennung und Fehlerbehebung optimieren. Dass ich trotzdem Olympiagold und Weltmeisterlorbeer gewinnen konnte, verstellt nicht den Blick dafür, dass gehandelt werden muss.

Wir werden das nun in Ruhe angehen, denn in ihr liegt bekanntlich auch die Kraft.

Herzlichst

Eric“

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