Schleusermafia auf den Fersen

Anzeige

Waidhaus. Fahnder des Bundespolizei kümmerten sich um 14 Menschen, die auf engstem Raum hinter eingebauten Sprinter-Zwischenwänden bis zu zwölf Stunden ausharrten. Einen Schleuser konnten die Ermittler schnappen – ein zweiter machte sich zuvor aus dem Staub. 

Zwei Schleuser-Fällen innerhalb kurzer Zeit kam die Bundespolizei auf die Schliche. Die Beamten entdeckten auf dem Autobahnparkplatz Ulrichsberg Nord der A 6 bei Waidhaus einen britischen Mercedes Sprinter, in dem Migranten versteckt waren. Der Verdacht bestätigte sich auch tags darauf bei einem baugleichen Sprinter – diesmal ein Mietwagen.

Schleuser bei Waidhaus geschnappt, Bundespolizei Migraten Schleusermafia 1

Die „Schleusermafia“ arbeitet handwerklich professionell: In zwei baugleichen Sprintern hat die Polizei eingebaute Zwischenwände entdeckt, hinter denen die Schleuser Menschen versteckten.

[Aufgepasst: Die OberpfalzECHO-App mit Push für deinen Ort!]

Die Bayerische Grenzpolizei verhinderte in Zusammenarbeit mit Fahndern der Bundespolizeiinspektion Waidhaus die sehr professionell durchgeführte Einschleusung von neun Menschen.

Hier zeigte sich, wie menschenverachtend die Schleusermafia arbeitet“

so ein Sprecher der Polizei. Ein Litauer (38) mit Wohnsitz in Großbritannien hatte in seinem Mercedes Sprinter insgesamt neun Personen in eingebauten Zwischenwänden – mit Unter- und Oberabteil, die jeweils knapp 60 Zentimeter Tiefe hatten – transportiert. Die drei Iraner im Alter von 24 bis 35 Jahren, drei Iraker (28 bis 37 Jahre) und eine irakische Familie (35-jähriger Mann,
seine 33-jährige irakische Frau mit ihrem achtjährigen Sohn) mussten ihre unmenschlich engen Verstecke durch eine Klappe mit 40 Zentimeter Durchmesser erreichen.

In das obere Abteil gelangten sie durch eine weitere Klappe im Innenraum der doppelten Wand. Das Versteck hinter der doppelten Wand war so präpariert, dass es nur sehr schwer über den Laderaum entdeckt werden konnte. „Es zeugte von einer guten, handwerklich professionalen Arbeit“, so ein Polizeisprecher.

Schleuser bei Waidhaus geschnappt, Bundespolizei Migraten Schleusermafia 1

Kaum zu erkennen – und schwer hineinzukommen: Hinter der Klappe versteckten die Schleuser ganze Gruppen von Menschen.

10 Stunden ohne Verpflegung und Pause

„Sechs Personen konnten sich nicht ausweisen, drei Iraner legten totalgefälschte griechische Identitätskarten vor“, heißt es seitens der Polizei. Ein Iraner (35) musste wegen gesundheitlicher Probleme in das Klinikum Weiden gebracht werden. Der litauische Schleuser (38) hatte die Gruppe im rumänischen Timisoara in das Fahrzeug geladen und war für einen Schleuserlohn von 1.000 Euro insgesamt zehn Stunden ohne Verpflegung und Pause Richtung Deutschland gefahren und wollte sie am ersten Autobahnparkplatz auf deutschem Gebiet „aussetzen“.

Die Polizei stellte außerdem fest, dass der Lkw keinen aktuellen Versicherungsschutz hat. Die irakische Familie wurde an die Erstaufnahmeeinrichtung nach Regensburg geleitet, die restlichen sechs Männer nach Tschechien zurückgeschoben. Der Schleuser aus Litauen, der bisher Pizzafahrer in Großbritannien war, wurde am Montag dem Haftrichter beim Amtsgericht Weiden vorgeführt, der Untersuchungshaftbefehl erließ.

Schleuser bei Waidhaus geschnappt, Bundespolizei Migraten Schleusermafia 1

Auf engstem Raum harrten die Migranten bis zu zwölf Stunden aus – ohne Verpflegung oder Pausen. Ihre Notdurft erledigten sie in Getränkeflaschen. Die Schleuser bekamen dafür bis zu 2.000 Euro.

Zweiter Sprinter entdeckt

Tags darauf, am Montagmittag gegen 13.45 Uhr, stand der gleiche Typ Fahrzeug wiederum auf dem Autobahnparkplatz Ulrichsberg – Nord auf der A 6. Das Fahrzeug war versperrt und vom Fahrzeugführer war weit und breit nichts zu sehen. Fünf junge Männer aus Syrien waren aus ihrer engen Versteck aus einem wiederum britischen Mercedes Sprinter (Mietfahrzeug) aus
einer Einstiegsklappe an der Unterseite des Fahrzeugs entstiegen. Auch sie waren von Rumänien aus nach Deutschland gebracht worden und mussten für die letzte Etappe der Schleusung 2.000 Euro bezahlen.

Notdurft in Flaschen

„Bis zu 12 Stunden waren sie in ihrem engen Versteck und konnten ihre Notdurft lediglich in Getränkeflaschen entrichten“, teilt die Polizei mit. Ein Minderjähriger wurde einer Jugendeinrichtung zugeführt, die anderen vier Syrer leiteten die Beamten an die Ersthilfeeinrichtung nach Regensburg weiter. Vom bisher unbekannten Fahrer des britischen Fahrzeugs fehlt jede Spur. Die Ermittler der Waidhauser Bundespolizei haben die Recherchen aufgenommen.

Mehr Schleuserfälle registriert

Seit Beginn des Jahres haben die Fahnder der Bundespolizeiinspektion Waidhaus insgesamt neun Schleusungen mit 34 Migranten registriert. Die Ermittler der Inspektion konnten dabei insgesamt 14 Ermittlungsverfahren gegen 13 Schleuser und Beihelfer auch im Rahmen der Nachermittlungen einleiten. „Gerade in den letzten Wochen stellen die Ermittler fest, dass die Schleusungsfälle sich wieder häufen“, berichtet der Polizeisprecher. Die Bevölkerung wird gebeten, eventuelle Feststellungen zu melden.

Im vergangenen Jahr 2018 waren 28 Schleusungsfälle, 53 Ermittlungsverfahren gegen 74 Schleuser und Beihelfer eingeleitet werden. Die Gesamtzahl der festgestellten eingeschleusten Personen betrug 2018 insgesamt 186 Personen.

Schlagworte: ,

Ein Kommentar

  1. Oli Bürkle schreibt:

    Sobald es allen etwas besser geht zurück nach Rumänien , es ist ein Fehler Sie hier zulassen . Das spricht sich rum in Rumänien und die Menschenschleuser werden mehr als weniger .

    Das ist der falsche Weg Asyl suchende zu helfen.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.