Starke Eindrücke in „Little Berlin“

„Mauern hatten noch nie Bestand“

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Mödlareuth/Tirschenreuth. „Der Blick auf dieses Schild reicht und sofort werden Erinnerungen an die deutsche Teilung und frühere Grenzen wach“, meinte ein Teilnehmer der Tagesfahrt nach Mödlareuth.  Direkt vor sich hatte er das Schild des Bundesgrenzschutzes „Achtung! Bachmitte Grenze“. Es stand vor dem Tannbach, der das Dorf in eine westdeutsche und eine ostdeutsche Hälfte teilte. Die Verweise auf die Lebensgefahr wegen „sowjetzonaler Minen“ taten ein Übriges.

Tagesfahrt der Demokratie-Werkstatt zum Thema 30Jahre Mauerfall nach Mödlareuth

Beim Rundgang durch das deutsch-deutsche Museum in Mödlareuth

Organisiert hatten die Fahrt für über 30 Interessierte Christina Ponader und Friedrich Wölfl von der Demokratie-Werkstatt im Netzwerk Inklusion in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und dem Kreisjugendring. Gefördert wurde die Aktion von „Demokratie leben“.

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Schon zu Zeiten des Kalten Kriegs galt das Dorf als „Little Berlin“, war es doch wie Berlin geteilt. Anfangs war da nur eine „grüne Grenze“, sogar mit gemeinsamer Dorfschule, später war das Dorf mit Bretterverschlägen und ab 1966 mit Betonmauer, Stacheldraht und Minenzonen durchtrennt. Der Film „Alltag an der Grenze“ im deutsch-deutschen Museum beleuchtete die Phasen der Trennung in dem kleinen Dorf am Tannbach.

„Mauern waren nie sinnvoll!“

Bei einer Führung durch das rekonstruierte Grenzgelände erfuhren die TeilnehmerInnen, wie Sperrzonen, Schutz-streifen, Hundestaffeln und Wachtürme zusammenwirkten. Die Schilderungen von auseinandergerissenen Familien im Dorf waren ebenso eindrucksvoll wie Erinnerungen an die jeweilige Dorfkultur. Das Grenzgelände bot schnell Anlässe, auf weltpolitische Ereignisse zu blicken. Auch bei unterschiedlichen Funktionen: Als dauerhaft hätten sich Mauern nie erwiesen. Dialog, Verständigung, Kompromissbereitschaft hätten immer größere Chancen gehabt und oft auch Leid vermieden.

Am Nachmittag moderierte Friedrich Wölfl das Gespräch zwischen den TeilnehmerInnen. Beeindruckend waren deren persönliche Erinnerungen an die Zeit der Teilung, zumal viele auch von verwandtschaftlichen Beziehungen, schlimmen Trennungserfahrungen oder unbändiger Wiedersehensfreude berichten, etwa wenn man nahe Verwandte 1989 wieder in die Armen nehmen konnte.

Grenzen in den Mauern abbauen

Kritik geübt wurde in dem Gespräch an aktuellen Darstellungen zu Ost- und Westdeutschland. Eine Teilnehmerin nannte Beispiele, wie Journalisten oder Politiker häufig voreilig die Bevölkerung in Schubladen steckten oder mit Etiketten versähen. Zur Frage, ob auch solche Mauern in den Köpfen irgendwann zerbröseln werden, konnte der Moderator Hoffnungen machen: Umfragen würden gut belegen, dass die jüngeren Altersgruppen in Ost wie West „ihr Deutschland“ schon jetzt deutlich vereinigter wahrnähmen als ältere.

Christina Ponader bedankte sich schließlich für Teilnahme und Engagement. Sie wies auf die nächste Aktion der Demokratie-Werkstatt hin und lud zu einer Tagesfahrt am 1. Juni ein. Man wolle an vier Orten im Landkreis „Heimat weiterdenken“. Mit Hilfe von Zeitzeugen werde man mehrere Bemühungen der Bevölkerung seit den 70ern ausleuchten, Heimat zu schützen oder zu gestalten. Einzelheiten und Anmeldungen über die Volkshochschule des Landkreises Tirschenreuth.

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