St. Michaels-Werk holt sich Landespreis!

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Grafenwöhr. Schüler der Privaten Berufsschule des St. Michaels-Werk e.V. in Grafenwöhr gewinnen einen der Landespreise des Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Doch die Reise ist damit noch nicht vorbei. 

Berufsschule Grafenwöhr St. Michaelswerk Landespreis

Die Landessieger mit ihrem Projekt „Handicap-Back to the past“: Marcel Miles, Domenic Richter, Lehrerin Johanna Rosner, Schulbegleiterin Doreen Selleng, Julian Schultheiß, Schulleiter Peter Fleischmann, Lukas Janisch, Tobias Winkler (v.l.n.r). Nicht im Bild: Lehrerin Miriam Sperber.

„So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch“ – so lautete das Motto des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, gefördert durch die Körber-Stiftung. Der Geschichtswettbewerb findet alle zwei Jahre statt und hat das Ziel, Jugendliche zu motivieren, sich mit geschichtlichen Themen auseinanderzusetzen. Solches Interesse zeigte die Berufsvorbereitungsklasse im Fachbereich Elektrotechnik der Berufsschule Grafenwöhr mit den Schülern: Genti Isa, Marcel Miles, Domenic Richter, Julian Schultheiß, Lukas Janisch und Tobias Winkler. In Zusammenarbeit mit dem Museums-Café in Flossenbürg erzielten sie mit ihrem Projekt „Handicap – back to the past.“ einen Landespreis.

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Die Schüler setzten sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema „Euthanasie“ auseinander: Wie lebten Menschen mit Behinderung während der NS-Zeit? Der Besuch in der Gedenkstätte in Flossenbürg und Interviews mit Experten vertieften die Einblicke in die damalige Zeit. Menschen mit Behinderung wurden in Flossenbürg zwar nicht ermordet, da dieser Ort ein reines Arbeitslager war. Dennoch arbeiten im ehemaligen SS-Casinos Menschen mit Behinderung. Dies stellte den 2. Teil des Forschungsprojekts der Schüler dar: Wie geht es Menschen mit Behinderung heute? Dazu lernten sie Mitarbeiter des Museums-Cafés in Flossenbürg kennen und befragten diese.

Mit den Mitarbeiterinnen gestalteten die Schüler im Anschluss an ihre Erkenntnisse ein großes Brettspiel, das die NS-Zeit, aber auch die Zeit nach der Befreiung der KZs für Menschen mit Behinderung beschreibt. Die Schüler gestalteten Rollenkarten, die man zu Spielbeginn zieht. In diese Rolle schlüpft man während des Spiels: Bürger, SS-Offizier oder ein Mensch mit Handicap. Auf Ereignisfeldern wird eine Karte – je nach Rolle – gezogen.

Ein Spiel – viele Rollen – unterschiedliche Schicksale

Der SS-Offizier hat es innerhalb der NS-Zeit gut: Er darf noch einmal würfeln, oder die Figur eines Menschen mit Handicap zurückstellen. Nach 1945 wird diesem jedoch der Prozess gemacht. Er muss aussetzen und in die Arrestzelle. Für die Menschen mit Behinderung ist die Zeit bis 1945 beschwerlich, sie müssen aussetzen oder Felder zurück. Nach 1945 erlangen jedoch beispielsweise alle Bürger das Recht, dass ihre Würde unantastbar ist (Art. 1 GG). Das erfreut die jeweiligen Rollen und sie dürfen Felder vorrücken.

Sowohl das Spielfeld, die Ereigniskarten, die Rollenkarten und die Spezialfelder wurden von den Schülern und den Angestellten im Café kreativ erstellt. Ebenso wurden die Spielfiguren individuell gestaltet: Die Figur des blinden Menschen gestalteten die Schüler gelb mit Blindenstock und drei schwarzen Punkten. Der SS-Offizier bekam einen schwarzen Helm und ein Gewehr. Ein Bürger bekam einen Hammer. Bereits bei der optischen Gestaltung dieser Figuren lassen sich die unterschiedlichen Rollen und deren Befugnisse erkennen.

Während des Spielverlaufs können die Spieler innerhalb der ihnen zugewiesenen Rollen selbst miterleben, wie unterschiedlich verschiedene Gesellschaftsgruppen in der NS-Zeit behandelt wurden. Darüber hinaus spüren die Spieler selbst, wie es sich anfühlt, aus fadenscheinigen Gründen einfach so benachteiligt zu werden.

Arbeit, Zeit und Ideen belohnt – Chance auf Bundespreis

Die Lehrkräfte Johanna Rosner und Miriam Sperber von der Berufsschule Grafenwöhr betreuten das Projekt. Sie sind stolz auf ihre Schüler und auf den erreichten Landessieg. Auch Schulleiter Peter Fleischmann ist stolz und lobte die Arbeit der Schüler: „Es stecken viele Ideen, Arbeit und Zeit in diesem Projekt. Es ist schön, dass dies nun mit einem Landespreis belohnt wird!“

Neben einem Preisgeld dürfen die Schüler nun ihre Urkunde im Rathaus in München entgegennehmen. Dennoch ist der Weg noch nicht zu Ende: Die Schüler haben mit ihrem Projekt nun auch die Chance, einen der 50 Bundespreise zu gewinnen. Die Ergebnisse der Bundesjury werden jedoch erst im Herbst feststehen – es bleibt spannend für die Schüler des St. Michaels-Werk in Grafenwöhr.

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