Lehrer dringend gesucht

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Tirschenreuth. Eltern aus dem ganzen Landkreis Tirschenreuth laufen Sturm gegen den Lehrermangel in der Nordoberpfalz und die daraus resultierenden Kombiklassen in vielen Grundschulen von Mähring bis Wiesau.

Von Udo Fürst

Lehrermangel Nordoberpfalz Landkreis Tirschenreuth Mähring Waldsassen Mitterteich Grundschule Unterstriftenaktion Protestaktion

Eltern und Kinder aus dem ganzen Landkreis protestieren gegen den Lehrermangel. Fotos: Udo Fürst

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Dass der ländliche Raum in manchen Bereichen benachteiligt ist, wird besonders beim Lehrermangel deutlich. Vor allem viele Grundschulen wissen nicht mehr, wie sie ihren Bedarf an Pädagogen decken sollen, müssen Unterricht ausfallen lassen oder Kombiklassen bilden. Auf 6,5 Millionen beziffert die Landtagsopposition die ausgefallenen Unterrichtsstunden im vergangenen Jahr.

Petition gegen Sparmaßnahmen

Manuela Preisinger-Leiß, die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Mähring hat die Nase voll. Sie startete eine Petition an den Landtag unter dem Motto „Stoppt den Lehrermangel in der Oberpfalz“, weil der Verteilungsschlüssel in Bayern für alle zwar gleich, aber nicht gerecht sei. „Das müsste flexibler auf die einzelnen Regionen und die jeweilige Anzahl der Schüler angepasst werden“, sagt die Mutter.

Es kann nicht sein, dass der akute Lehrermangel auf den Schultern unserer Kinder ausgetragen wird.

Alle Schüler haben das Recht, auf eine vernünftige Schulausbildung, diese ist aber mit solchen Sparmaßnahmen nicht gewährleistet“, heißt es in der Petition. Zahlreiche Eltern von Grundschülern aus dem Landkreis Tirschenreuth unterstützen die Initiatoren vom Mähringer Elternbeirat.

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Drei Lehrer – 66 Schüler in vier Jahrgängen

Deren Mitglieder Marina Weiß, Kathrin Schmeller, Franziska Schmid, Maria Venzl und Manuela Preisinger-Leiß laufen Sturm gegen die Tatsache, dass im kommenden Schuljahr drei Lehrer 66 Kinder in vier Jahrgängen unterrichten sollen. Das hat zur Folge, dass Kombiklassen gebildet werden müssen. Demnach sollen 15 Kinder aus der jetzigen zweiten Klasse auf zwei Kombiklassen 2/3 und 3/4 verteilt werden. Abgesehen davon, dass damit die Klassengemeinschaft brutal zerrissen werde, sei eine derartige Lösung mit Bildungsnachteilen für die Kinder verbunden, finden die Frauen.

„Das ist eine reine Sparmaßnahme“, schimpft Franziska Schmid, die drei Kinder in der Grundschule hat. Eine Lehramtsanwärterin aus der Region, die nach Oberbayern versetzt wurde, habe erzählt, dass sie jetzt auch Klassen betreuen müsse, während die Grundschullehrer Schulaufgaben korrigieren, berichtet Marina Weiß. „Bei uns ist das krasse Gegenteil der Fall. Hier gibt es keine Vertretung mehr. Die mobilen Reserven sind verschwunden.“

Das Problem der Kombiklassen haben aber auch weitere Schulen – unter anderem in Mitterteich, Waldsassen und Wiesau.

Unterschriftenaktion braucht 10.000 Unterstützer

In Landrat Wolfgang Lippert haben die Eltern einen Befürworter ihrer Sache gefunden. Der früher selbst als Lehrer tätige Freie Wähler-Politiker hat in einem Brief an Kultusminister Michael Piazzolo auf die „sehr prekäre Situation“ auf dem Lehrermarkt hingewiesen und angemahnt, dass nicht die Zahl der Schüler, sondern die der Klassen stärker berücksichtigt werden müsse. „Es gibt leider immer weniger Lehrer. Mittlerweile müssen sogar schon Studenten unterrichten“, sagt Lippert, der aber – ebenso wie die Eltern – das Tirschenreuther Schulamt ausdrücklich von der Kritik ausnimmt. Leitender Schulamtsdirektor Rudolf Kunz sieht die Zusammenlegung von Klassen als ganz normal: „Das ist bayernweit Praxis.“

Damit wollen sich die Eltern nicht abfinden. Neben der Petition haben sie einen E-Mail-Account angelegt (lehrermangel@gmx.de) und Unterschriftenlisten in Kindergärten, Schulen und öffentlichen Einrichtungen aufgelegt. Außerdem wollen sie die Elternbeiräte aller Oberpfälzer Schulen mobil machen. Zumindest im Landkreis Tirschenreuth ist ihnen das schon gelungen.

Die Petition haben bisher 2.334 Unterstützer unterschrieben. Es fehlen noch 7.666 Unterschriften, um die für eine Petition erforderliche 10.000er-Grenze zu erreichen.

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Ein Kommentar

  1. Horst Dippold schreibt:

    Es gibt einfach zu wenig Grundschullehrer. Alle Grundschullehrer, die mit ein paar Stunden an ein Gymnasium abgeordnet waren, wurden zurück beordert. Sie sollten dort den Übergang erleichtern. Vor etwa 10 Jahren gab es viel zu viele Grundschullehrer. Mir ist es ein Rätsel, wie man den Bedarf nicht besser planen kann. 6-7 Jahre Zeit (wg. Zahl der Geburten, 5-6 Jahre Ausbildung) Das sollte reichen. Man müsste halt rechnen können.

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