Kunstrasen: Naturkork statt Mikroplastik

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Steinmühle/Tirschenreuth. Der Kunstrasen, ohnehin nicht der allerbeliebteste Untergrund bei Fußballern, ist jetzt auch von umwelttechnischer Seite in Verruf geraten. Die Europäische Union (EU) will 2022 das Mikrogranulat in Kunstrasenplätzen verbieten – weil es die Umwelt belastet. Beim erst vor einem Jahr eingeweihten Gelände beim SV Steinmühle ist das kein Problem.

Von Udo Fürst

Kunstrasen Mikroplastik Region

Auf den Kunstrasenplatz in Steinmühle kommt nur Naturkork zum Einsatz. Zweiter SV-Vorsitzender Franz Faltenbacher investierte in den Bau des Platzes viele Stunden Freizeit. Foto: Fürst

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Das Mikrogranulat, das auf den Rasen gestreut wird, soll beim Sport auf dem Kunstrasen dämpfen und vor Verletzungen schützen – ähnlich wie Erde bei natürlichem Rasen. Die Plastikteilchen werden aber bei Regen vom Platz geschwemmt, gelangen über die Kanalisation in den Wasserkreislauf und über Fische und anderes Meeresgetier in den Nahrungskreislauf des Menschen.

Den Plätzen könnte ab 2022 die Schließung drohen. Die beiden Sportpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Diana Stachowitz und Harald Güller, haben sich die Studie näher angeschaut und sich bei der Firma Polytan in Burgheim kundig gemacht.

Mikroplastik im Granulat

„Die Studie beruht leider nicht auf den deutschen Normen für die Verwendung von Kunstrasen, sondern ist nur eine grobe Zusammenfassung und Hochrechnung von Studien aus mehreren Ländern, die unterschiedliche, zum Teil deutlich lockerere, Standards haben und wohl auch andere Materialien verwenden als Deutschland“, erklärt Güller. Auf dieser Basis keine neuen Sportplätze mehr mit Kunstrasen zu bauen und die bestehenden nicht zu sanieren, wäre laut Harald Güller der Wahnsinn.

Kunstrasen wird dort eingesetzt, wo so viel Spielbetrieb stattfindet, dass ein Naturrasenbelag dem nicht standhalten würde, also vorrangig auf Trainingsplätzen. Das Material habe eine Lebensdauer von zehn bis 20 Jahren und das aktuelle Material könne anschließend recycelt werden. „Es gibt keinerlei Hinweise, dass es während der Nutzung irgendwelche negativen gesundheitlichen Auswirkungen gibt“, so der SPD-Politiker. In der Kritik steht vor allem Granulat aus Mikroplastik.

Beim bisher einzigen Kunstrasenplatz in der Region beim SV Steinmühle (Landkreis Tirschenreuth) sieht man die Diskussion gelassen: „Wir verwenden Naturkork, der erwiesenermaßen umweltfreundlicher ist und derzeit auch nicht zur Diskussion steht“, sagt SV-Vorsitzender Stephan Andörfer. Alle Nutzer des vor gut einem Jahr eingeweihten Kunstrasenplatzes seien super zufrieden.

Widerstand in Weiden

„Probleme gibt es lediglich im Winter, wenn Wasser auf dem Platz nachts gefriert. „Dann ist der Rasen sehr glatt und kaum bespielbar“, sagt Andörfer. Deshalb plane man den Einsatz von Auftausalz. Neben dem SV nutzen vor allem die Nachbarvereine ASV Waldsassen, SF Kondrau, SV Mitterteich und ATS Mitterteich sowie Fußballklubs aus der näheren Umgebung den Kunstrasenplatz.

Auch bei der SpVgg SV Weiden ist der Bau zweier Kunstrasenplätze geplant. Und obwohl sich Anfang des Jahres von Seiten der Grünen-Stadtratsfraktion Widerstand wegen der Mikroplastikproblematik regte, bleibt der Stadtrat bei seinem Beschluss.

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