Alterspsychotherapie – Es ist nie zu spät!

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Wöllershof. „Das Altern ist eine individuelle Angelegenheit“ – wie man so sagt. Und es stimmt: viele Faktoren bestimmen darüber, wie gesund oder vital wir im Alter sind oder uns fühlen. Nicht nur körperliche, auch seelische Erkrankungen führen im Alter zu reduzierter Lebensqualität und Lebensfreude. Vor allem depressive Syndrome treten auch in höherem Lebensalter auf.

Bezirkskrankenhaus Wöllershof

Das Bezirkskrankenhaus Wöllershof ist auch auf die Betreuung von älteren Patienten spezialisiert.

Aber was ist eigentlich das „Alter“? Der bedeutende deutsche Altersforscher Paul Baltes (1939 – 2006) war entscheidend an der Unterscheidung zwischen dem so genannten dritten und vierten Lebensalter beteiligt. Während das dritte Lebensalter in etwa mit dem 60. Lebensjahr beginnt und bei den meisten Menschen noch mit hoher körperlicher und geistiger Aktivität verbunden ist, beginnt das vierte Lebensalter mit dem Lebensjahr, in dem die Hälfte des ursprünglichen Geburtsjahrganges nicht mehr lebt – in Deutschland ist dies mit dem Eintritt des 80. Lebensjahres der Fall.

Das vierte Lebensalter ist zumeist geprägt von zunehmendem Abbau, spürbarem Verlust körperlicher und geistiger Fähigkeiten, was bei Vielen auch mit einem Verlust an Lebensqualität und -freude einhergeht. Andererseits weiß man, dass auch bei den älter als 70-Jährigen das Potential für eine hohe Lebensqualität ausgeprägt ist.

Möglichkeiten oft nicht ausgenutzt

Nur etwa ein Viertel der Betreffenden leidet an psychischen Beschwerden. Leider werden die psychotherapeutischen Möglichkeiten bei Älteren nur selten ausgeschöpft. „Unter den Patienten in ambulanter Psychotherapie machen die über 60-jährigen nur rund sechs Prozent aller Patientinnen und Patienten aus – obwohl ein Viertel aller gesetzlich Versicherten in Deutschland in diese Altersgruppe fallen“, erklärt Dr. med. Markus Wittmann, MHBA, Ärztlicher Direktor am Bezirksklinikum Wöllershof.

Wittmann Bezirkskrankenhaus Wöllershof

Dr. med. Markus Wittmann, MHBA, Ärztlicher Direktor am Bezirksklinikum Wöllershof, ist unter anderem Psychiater und Psychotherapeut, Altersmediziner, Alterspsychotherapeut und psychotherapeutischer Supervisor.

Während Sigmund Freud noch davon ausging, dass sich Psychotherapie bei Älteren ohnehin nicht mehr „rentieren“ würde und man in den Anfängen der Psychotherapie die Bedürfnisse und seelischen Nöte Älterer kaum wahrnahm, wurde den therapeutischen Möglichkeiten der Behandlung Älterer in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt.

Auf den Patienten abgestimmte Behandlung

Vorteilhaft ist, dass für die psychotherapeutische Behandlung Älterer grundsätzlich keine anderen therapeutischen Techniken zum Einsatz kommen als bei Jüngeren. Allerdings werden die individuellen Behandlungsmöglichkeiten auf beispielsweise eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne, spezielle das Alter betreffende Sorgen und Probleme ausgerichtet.

Dabei käme eine kürzere Therapiedauer, die Benutzung von Hilfmitteln wie Skizzen oder die Mitgabe von kurzen schriftlichen Informationen zum Einsatz. „Eine höhere Scham die eigenen Beschwerden betreffend, Hör- und Sehprobleme, körperliche Einschränkungen und vor allem verminderte soziale Beziehungen und Einsamkeit werden genauso berücksichtigt wie intellektueller Abbau und biographische Besonderheiten“, weiß Wittmann.

Bezirkskrankenhaus Wöllershof

In Wöllershof werden ältere Patienten – auch mit Demenz – individuell behandelt.

Vor allem in der Psychotherapie von seelischen Beschwerden im dritten und beginnenden vierten Lebensalter soll erreicht werden, dass sich langsam verringernde Handlungsspielräume durch die Ausrichtung auf neue Lebensziele und -inhalte oder durch Neuanpassung kompensiert werden könne. Und auch bei Demenzerkrankungen, vor allem in Stadien mit noch leichterer Ausprägung kann die auf den Patienten abgestimmte Psychotherapie in der Krankheitsbewältigung helfen.

Erinnerungstherapie für Demenzkranke

Durch Techniken wie die „Erinnerungstherapie“, Betrachtung des bisherige Lebens („Lebensrückblicksinterventionen“) oder die so genannte „Validation“, in der nicht die Realität, sondern das individuelle Erleben des Patienten zum Maßstab der gemeinsamen Betrachtung erhoben wird, können zu spürbaren Verbesserungen typischer die Demenz betreffende Beschwerden wie Reizbarkeit, Frustration oder Depression führen und dabei nicht selten den nötigen Einsatz begleitender medikamentöser Therapie verringern.

Auch am Bezirksklinikum Wöllershof werden aktuell neben den schon bestehenden spezifischen altersmedizinischen und psychiatrischen Behandlungsangeboten alterspsychotherapeutische Angebote etabliert, um einem mehrgliedrigen Behandlungsansatz und steigenden Bedarf alterspsychotherapeutischer Angebote gerecht zu werden. Es ist somit nie zu spät für eine Psychotherapie.

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