Bergstüberl Parkstein schließt: Tränen zum Abschied

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Parkstein. „Die Gesundheit geht vor“, erklärt Stefan Bodenmeier bei der Verabschiedung seiner Mitarbeiter. Nach so vielen gemeinsamen Jahren fällt es keinem der Anwesenden leicht, Servus zu sagen.

Von Yvonne Fichtl

Bergstüberl Parkstein

Brigitte und Elisabeth kennen sich schon seit über 40 Jahren. Beide kämpfen mit den Tränen, als sie sich umarmen.

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Chefin Elisabeth Bodenmeier kämpft mit den Tränen, als sie die Blumensträuße an die langjährigen Mitarbeiter des Traditionslokals verteilt. 1969 übernahmen sie und Mann Anton den Familienbetrieb. Seitdem hilft sie im Service, während ihr Mann und Sohn Stefan in der Küche für das leibliche Wohl der Gäste sorgen. Seit 2004 führt Stefan Bodenmeier den Betrieb. „Die letzten fünf Jahre waren Bombenjahre – im positiven Sinne“, erzählt der 48-Jährige. Nur zwei Wochen Urlaub hatten Inhaber und Beschäftigte. Aber es sei auch schwieriger geworden, wegen der Bürokratie und bei der Suche nach Mitarbeitern.

Bergstüberl Parkstein

Zum Abschied gab es Blumen für die – jetzt ehemaligen – Angestellten (von links): Josef Silpoch, Monika Baumgardt, Nele Rebehn, Elisabeth Bodenmeier, Brigitte Sailer, Stefan Bodenmeier, Claudia König, Anton Bodenmeier und Silke Rebhan.

Treue Seele seit 45 Jahren

„Jetzt geht es für meine Eltern mit 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand!“, so der Sohn. Er selbst hat gesundheitliche Probleme und schließt deshalb erst einmal auf unbestimmte Zeit. Danach wieder mitzuhelfen – und sei es nur bei der „Gästeunterhaltung“ – können sich dabei nicht nur die Bodenmeiers vorstellen.

Brigitte Sailer arbeitet seit 45 Jahren im Bergstüberl: „Ich hab sogar hier bei der Hochzeit der beiden mitgeholfen“, berichtet sie. „Ich bin schon traurig. Das Kellnern hier war voll meins.“ Auch sie kämpft mit den Tränen. „Wir haben einiges zusammen erlebt“, ergänzt ihre Chefin. „Es ist ein ungewohntes Gefühl nicht mehr hierher zu kommen“, findet auch Silke Rebhan.

Bergstüberl Parkstein

Josef Siploch und Brigitte Sailer gehören schon am längsten zum Bergstüberl-Team. Beiden fällt der Abschied schwer.

140 Kilometer Arbeitsweg

„Ich würd‘ schon wiederkommen“, bekräftigt auch der einzige Mann im Service-Team. Genau wie das Bergstüberl selbst ist auch er eine lebende Legende in Parkstein. Seit 28 Jahren unterstützt er die Familie im Betrieb. Dabei war der Anfang gar nicht so leicht: Josef Silpoch kommt aus dem tschechischen Rokycany. „Er hat die weiteste Anreise von uns allen!“ 140 Kilometer Arbeitsweg sind schon eine Hausnummer. Mit 66 will er jetzt in Rente gehen. So ganz lassen ihn das Bergstüberl und die Parksteiner aber scheinbar nicht los.

Nach so langer Zeit sind die Gaststätte, ihre Gäste und Betreiber für ihn zu einer zweiten Heimat geworden. „Ich werde erstmal Zeit mit meinen Enkeln und meiner Familie verbringen“, erzählt er. Dafür war in den vergangenen Jahren nicht so viel Zeit. Eine Rückkehr sei aber nicht ausgeschlossen.

Bergstüberl Parkstein

140 Kilometer musste Josef Silpoch zum Bergstüberl fahren. Dafür gibts zum Abschied einen dicken Drücker von der Chefin.

Übernachtungen noch möglich

Aktuell gibt es im Bergstüberl noch Gästezimmer und auch Frühstück, das weiterhin Elisabeth Bodenmeier serviert. Wann die Gaststätte wieder aufmacht ist unklar. „Wir wollen uns aber bei unseren Gästen – vor allem bei den Stammgästen und den Vereinen, deren Stammlokal wir waren – für die letzten 50 Jahre bedanken“, schließt Stefan Bodenmeier.

Bergstüberl Parkstein

Stefan Bodenmeier und seine Eltern Elisabeth und Anton. Ale drei wollen sich jetzt erst einmal um ihre Gesundheit kümmern.

Bergstüberl Parkstein

Das Bergstüberl-Team

Fotos: Yvonne Fichtl/OberpfalzECHO

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