Corona-Krankenhaus-Alltag: Sie kämpfen an der Front!

Anzeige

Weiden. Krankenhauspersonal weltweit kämpft derzeit an vorderster Front gegen das Corona-Virus. Wie sieht der Arbeitsalltag in Zeiten von Corona aus? Zwei junge Fachpflegekräfte aus dem Klinikum in Weiden erzählen von Arbeit am Limit und unglaublichem Zusammenhalt unter Kollegen.

Von Kristine Mann

Bernadette S. Krankenschwester Klinikum Weiden Kliniken Nordoberpfalz AG 1

Bernadette (links) und ihre Kollegin Rebekka meistern den Krankenhaus-Alltag auch in Corona-Zeiten. Bild: privat.

[TIPP: Die OberpfalzECHO-App mit Benachrichtigung für deinen Ort!]

Besondere Hygiene ist im Krankenhaus-Alltag ohnehin Priorität – aktuell in Verbindung mit spezieller Schutzkleidung das A&O: Mundschutz, Handschuhe, Schutzbrille, Haarhaube und Isolationskittel gehören zur tagtäglichen „Ausrüstung“ von Bernadette S. (23) und Melissa Jäschke (27). Beide behandeln im Klinikum in Weiden Corona-Patienten in isolierten Stationen.

Bernadette versorgt Chirurgie-Patienten auf der Unfallstation, die gleichzeitig positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Melissa arbeitet als Fachpflegerin für Intensivmedizin und Anästhesie auf der Intensivstation – sie kennt auch die schweren Verläufe der Krankheit.

„Es ist schlimmer!“

Schon vor Corona-Zeiten ist das Arbeitsaufkommen auf der Intensivstation sehr hoch, dass jetzt viele Corona-Patienten auf einmal intensivmedizinische Versorgung benötigen sei eine zusätzliche Belastung, wie Melissa erzählt. Auf der Intensivstation zeigt sich, wie schwer die Krankheitsverläufe sein können: Patienten kämpfen teils gegen akutes Lungenversagen, werden beatmet oder ins künstliche Koma versetzt. Die Pfleger müssen die Monitore ständig im Blick halten: Wie steht es um Sauerstoff-Sättigung, Blutdruck, welche Medikamente werden verabreicht?

Die Intensivstation zeigt: Das Virus kann jeden treffen, egal wie jung oder alt, fit oder gesund. Egal ob Ende 20 oder 90:

Corona kann für jeden gefährlich werden“

sagt Melissa. Völlig unverständlich findet sie die Unvernunft und den Egoismus mancher Menschen, die sich nicht an Ausgangsbeschränkungen halten oder behaupten Covid19 sei nichts anderes als eine Grippe. „Es ist schlimmer!“, betont sie. Ein Tag Arbeit auf der Intensivstation würde vielen die Augen öffnen.

Kliniken Nordoberpfalz AG Klinikum Weiden Krankenhaus Weiden Corona Intensivstation

Melissa Jäschke (oben dritte von rechts) und ihre Kolleginnen aus der Intensivstation (Station 84) in Weiden kümmern sich um alle Corona-Patienten. Sie sind für uns da – was wir für sie tun können: zu Hause bleiben! Bild: Kliniken Nordoberpfalz AG.

12-Stunden-Dienste nicht machbar

Nur den Kopf schütteln kann sie über kursierende Gerüchte: Über 80 Jahre alte Patienten auf der Intensivstation würden nicht mehr beatmet werden. „So ein Schwachsinn“, kommentiert sie. Wer in Weiden intensivmedizinische Versorgung benötige, der bekomme sie auch. Nicht zu vergleichen mit der Situation in Italien.

Es gebe aktuell noch Kapazitäten weitere Patienten auf der Intensivstation aufzunehmen, “aber wer soll das betreuen?”, fragt sich Melissa. Der Mangel an Pflegepersonal herrsche schon die ganze Zeit: “Wir waren vorher selten richtig gut besetzt, hatten auch mal stressige Dienste – jetzt noch mehr”, erzählt die Pflegerin.

“Zwölf Stunden Dienste sind nicht machbar”, sagt sie und ist froh, dass davon auf der Intensivstation in Weiden noch keine Rede ist. Das Personal sei aufgestockt worden. “Wir haben wirklich einen tollen Chef”, lobt sie seinen Einsatz, außerdem die Arbeit der Stationsleitungen bis Chefetagen. Alle würden sich sehr bemühen und hätten ein offenes Ohr für Anliegen und Sorgen der Mitarbeiter.

Was wenn sich Personal ansteckt?

“Was wenn ich mich selbst infiziere? Meine Familie anstecke?”, sind Gedanken, die sich auch Melissa macht. Das Corona-Virus überträgt sich durch Tröpfcheninfektion, da die meisten Patienten auf der Intensivstation beatmet werden, hätten sich bis jetzt weniger Kollegen selbst angesteckt. Aber das Virus macht vor Krankenhauspersonal keinen Halt.

“Viele in der Belegschaft sind positiv getestet”, erzählt Bernadette von der Unfallstation – auch sie selbst. Nach ihrer Quarantänezeit gilt sie inzwischen als immun, die Krankheit hat sich bei ihr zum Glück nur mit leichten Symptomen bemerkbar gemacht. “Ich hatte Fieber und konnte nichts schmecken”, erzählt sie am Telefon. In Absprache mit dem Gesundheitsamt darf sie jetzt wieder arbeiten.

Ansteckungsrisiko hoch

Die Corona-Fälle auf der Unfallstation zeigen meist keine bis leichte Symptome, trotz Schutzkleidung ist die Ansteckungsgefahr aber sehr hoch, wie Bernadette erzählt. Deshalb sei es wichtig Gespräche zu Patienten aufs Minimum zu reduzieren, was vielen ihrer Kollegen sehr schwer falle, weil es für sie zur Fürsorge gehört.

Isoliert auf der Unfallstation zu arbeiten, ist für Bernadette Neuland. Die Kittel werden nach jedem Raum und jedem Patientenkontakt gewechselt. Dass Kollegen trotzdem ausfallen – wegen Corona-Infektionen oder Erkältungen – lässt sich nicht komplett vermeiden, erschwere aber Arbeitsabläufe in einem sonst eingespielten Team. Aushilfen aus anderen Stationen müssten sich erst einfinden.

Geregelte Schichten laufen wie gewohnt, aber Dienstpläne ändern sich spontaner. “Aufarbeiten soll sich natürlich keiner”, so Bernadette, sie stoße aktuell dennoch an ihre Grenzen. Aber: “Wir machen das Beste draus”, sagt Bernadette.

“Wir stehen erst am Anfang”

In welcher “Corona-Phase” befinden wir uns? Das schätzen beide Frauen ähnlich ein: “Wir stehen erst am Anfang”, schätzt Melissa. “Wir haben noch ein Eck vor uns. Da kommt noch mehr”, so Bernadette. Sie und ihre Kollegen seien mit Schulungen auf das Corona-Virus vorbereitet worden. Regelmäßig gibt es Rundschreiben von den Chefs der Kliniken Nordoberpfalz, wie Bernadette erzählt.

Aber und das macht Hoffnung: “Es gibt auch eine Zeit nach Corona.“ Halt geben sich in der schweren Zeit vor allem die Kollegen untereinander: “Die Laune ist super, jeder unterstützt sich”, erzählt sie. Auch “von Oben” – der Klinikleitung wie Vorgesetzten – gebe es viel Unterstützung: “Man spürt den Zusammenhalt im Klinikpersonal”, beschreibt sie.

Auch wenn die Zeiten aktuell schwierig seien: “Wir machen es trotzdem gerne”, sagt Bernadette. Viele Menschen und Institutionen zeigen in diesen Tagen besondere Solidarität mit dem Klinikpersonal, liefern Geschenke wie frisches Essen, Obstkörbe oder Kino-Freikarten ins Krankenhaus, was Melissa und alle anderen Mitarbeiter von Herzen rührt und freut. „Das macht’s natürlich erträglich“, sagt Melissa und lacht.

Anzeige

Deine Meinung dazu!