Erster Unverpackt-Laden für Weiden

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Weiden. Bekommt die Stadt Weiden ihren ersten Unverpackt-Laden? Diesen Traum wollen sich Anett Hartenstein und Sarah Bauer erfüllen – sie zieht dafür mit Sack, Pack und sogar Pferd in die Nordoberpfalz.

Von Kristine Mann

Unverpackt-Laden

Sarah Bauer (links) ist ein echtes Pferdemädchen, wie sie selbst sagt. Für den Traum vom Unverpackt-Laden in Weiden zieht sie nach Pressath – samt Pferd und Pony. Ihre Kollegin Anett Hartenstein (rechts) kommt aus Bayreuth und will mit der Geschäftseröffnung in Weiden mehr Menschen ZeroWaste-Möglichkeiten bieten. Bild: privat.

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Im Oktober 2019 startet Sarah Bauer (26) einen Selbstversuch: Sie will so wenig Müll wie möglich produzieren. Dabei stellt sie fest: “Das ist wirklich schwierig”, wie sie erzählt. Hygieneartikel, Lebensmittel im Supermarkt, selbst die frischen aus der Obst- und Gemüsetheke – meist steckt alles in Plastik. “Schluss damit”, sagt sie sich und begeistert auch ihre Freundin, Kollegin und zukünftige Geschäftspartnerin Anett Hartenstein (32) für einen nahezu „Zero-Waste-Lebensstil“. Sie feilen an ihrem Traum einen eigenen Unverpackt-Laden zu eröffnen. Aber wo?

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“Erst Idee, dann die Stadt”

Sarah und Anett kennen sich seit gut fünf Jahren, arbeiten aktuell gemeinsam in der Geschäftsführung einer Fitnessstudio-Kette im Raum Bayreuth. Dort wohnt und lebt Anett auch noch. Anfang des Jahres fällt der Entschluss, gemeinsam einen Unverpackt-Laden aufzubauen und sie starten die Suche nach dem richtigen Ort – und entscheiden sich für Weiden. Warum?

“Wir haben uns die Zahlen angeschaut, Weiden als Oberzentrum hat ein sehr großes Einzugsgebiet”, erzählt Sarah, die für die Standortanalyse verantwortlich war. Weil es in Weiden noch kein Unverpackt-Angebot gibt – aber sehr viele Bioläden und damit wohl auch große Nachfrage, wie Anett erzählt, halten sie und Sarah Weiden perfekt für ihr Vorhaben.

Unterstützung vom Stadtmarketing

Sie knüpfen Kontakte zu Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Weiden, die ohnehin in enger Kooperation zusammen arbeiten. Deren Geschäftsführerin Andrea Schild-Janker und ihr Team können die jungen Frauen bei der Vermittlung von Kontakten zu Vermietern und Ladenflächen unterstützen.

“Nachhaltigkeit liegt auch uns am Herzen”, sagt die Stadtmarketing-Chefin. Sie freue sich ohnehin über Unternehmer, die sich für Weiden entscheiden. Aus ihrer Sicht würde ein Unverpackt-Laden gut in die Innenstadt passen – unter anderem wegen der Nähe zum Weidener Wochenmarkt.

Unverpackt-Laden Weiden Symbol Symbolbild

Erster Unverpackt-Laden für Weiden? Sarah Bauer und Anett Hartenstein erzählen von sich, ihren Plänen und dem Stand der Dinge. Symbolbild: Archiv.

Wohin kommt der Unverpackt-Laden in Weiden?

In die Weidener Innenstadt verliebt, hat sich Sarah schon etwas, wie sie erzählt – und auch Anett schwärmt vom Unteren Markt, der „romantischen Altstadt“ und den „vielen kleinen Läden“ in ‚Weidens Wohnzimmer‘. Ob hier auch ihr Unverpackt-Laden eröffnen soll, das haben die beiden noch nicht endgültig entschieden. Lieb wär den beiden auch ein Laden an einer Straße – und vor allem eigene Parkplätze.

Ob Sarah und Anett eine passende Ladenfläche, egal ob in der Innenstadt oder außerhalb davon, finden, ist die eine Sache – der Erfolg der laufenden Crowdfunding-Aktion ist ein zweiter wichtiger Punkt, um den Unverpackt-Laden in Weiden zu realisieren. Denn “Status Quo”, wie Sarah erklärt: ohne Geld, kein Laden.

Was wenn Crowdfunding für Unverpackt-Laden scheitert?

Über die Plattform “startnext.com” sammeln Sarah und Anett Geld für ihren Unverpackt-Laden. Ihr Ziel: 35.000 Euro bis zum 1. Juni 2020 – diese Frist haben sich die Frauen gesetzt. Nach gut einer Woche haben sie immerhin 6.862 Euro zusammen. “Wir sind positiv überrascht, wie gut das läuft”, sagt Sarah, die jeden Tag viele Nachrichten per Mail, Facebook und Instagram beantwortet. Die enthalten Feedback, Kooperations-Vorschläge und aufbauende Worte von vielen Weidenern – aber auch Anfragen von Menschen, die das Projekt unterstützen wollen, wie beide erzählen.

Was passiert, wenn nicht genug Geld über das Crowdfunding für den Unverpackt-Laden zusammen kommt? “Aktuell hängt davon schon alles ab”, sagt Sarah. Selbst wenn das Crowdfunding scheitert, will sich das Duo aber neu aufstellen und an anderen Möglichkeiten arbeiten, das Projekt finanziell umzusetzen.

Schließlich zieht Sarah für ihren Traum vom Unverpackt-Laden in Weiden nach Pressath – samt Pferd und Pony, wie sie erzählt. Denn jede Minute, die das selbsternannte Pferdemädchen, nicht an ihrem Laden arbeitet, verbringt die 26-Jährige am liebsten mit ihrem Vollblut-Araber und ihrem Pony. Anett bleibt weiter in Bayreuth zu Hause, pendelt für den Laden „in spe“ aber gerne nach Weiden. Die naturverbundene 32-Jährige verbringt in ihrer Freizeit viel Zeit an der frischen Luft mit ihren beiden Hunden.

“Wir sind guter Dinge”, sagt Anett zuversichtlich. Neuester Förderer des Projekts ist “Krombacher Naturstarter”, wie sie erzählt: Für jede Crowdfunding-Spende legt der Partner ab sofort noch einmal 25 Prozent oben drauf.

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