Wie Graffiti – nur gestrickt: Alles wird bunt

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Eschenbach/Grafenwöhr. Die Grafenwöhrerin Susanne Preißinger bringt mit Häkelnadel und Garn überall Farbe ins Spiel! 

Von Doris Mayer-Englhart 

Markus Gottwalt Schule Eschenbach Susanne Preisinger Grafenwöhr

Die Corona-Auszeit hat Susanne Preissinger für kreative Betätigung genutzt: Vor der Markus-Gottwalt-Schule in Eschenbach ziert jetzt eine bunte Häkelarbeit das Schild.

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Nicht schlecht haben wohl die Schüler der Eschenbacher Grund- und Mittelschule gestaunt, als sie nach der Corona-Zwangspause ihr Schild „ Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ mit buntem Garn umhäkelt vorfanden. Lehrerin Susanne Preißinger hat die Anfangszeit der Ausgangsbeschränkung ihrem Hobby gewidmet: dem „Urban Knitting“.

Bekommt Schulgelände mehr bunte Strickkunst?

Dazu animiert hat sie auch Anja Bräu, die Konrektorin der Markus-Gottwalt-Schule in Eschenbach: Sie hat Preißinger dazu ermutigt das Schild zu verzieren. So unterstreicht die künstlerische Arbeit die Prägung der Schule, die sich für eine bunte Gesellschaft einsetzt. Vielleicht ist das der Anfang weiterer bunter „Objekte“ auf dem Schulgelände.

Ursprünglich hatte Preißiger zu Beginn der Ausgangsbeschränkung Bäume in ihrer Heimatstadt Grafenwöhr verziert, um der Tristesse etwas entgegen zu wirken. Die Bäume auf städtischem Grund waren Bürgermeister Edgar Knobloch – sprichwörtlich wie im wahrsten Sinne – aber offenbar zu bunt: Er wies Preißinger an, die Arbeiten abzunehmen, da er befürchtete, dass letztendlich die ganze Straße eingestrickt sei. Gut für Künstlerin Sabine Kirsch: Denn sie freut sich jetzt darüber, dass eines der Werke einen Baum vor ihrem Haus ziert.

Baum vor Haus von Sabine Kirsch

Von öffentlichem Grund mussten die Strickwerke von Susanne Preißinger entfernt werden: Vor dem Haus von Sabine Kirsch darf sich ein Baum aber im bunten Kleid zeigen.

Gestricktes Graffiti

Das Urban Knitting, das auch als „Guerilla Knitting“ oder „Yarn Bombing“ bezeichnet wird, lässt sich vermutlich am besten als gestricktes Graffiti beschreiben. Ähnlich wie bei herkömmlichen Graffiti werden auch die gestrickten Kunstwerke im öffentlichen Raum präsentiert und können auf nahezu allen Flächen angebracht werden.

Als Erfinderin dieser Form der Straßenkunst gilt die Texanerin Magda Sayeg, die 2005 zusammen mit ein paar Freundinnen damit begann Türklinken, Parkuhren, Pfosten und Straßenschilder mit bunten Strickarbeiten zu verschönern. Ihre Absicht bestand darin ein paar freundliche, warme Farbtupfer in dem tristen Betongrau der Großstadt zu setzen.

Mittlerweile hat das Urban Knitting seinen Weg aus den USA auch nach Europa gefunden: In immer mehr Städten sind die farbenfrohen Strickkunstwerke zu sehen. Dabei dienen den strickenden Aktivisten die unterschiedlichsten Gegenstände im öffentlichen Raum als Flächen, angefangen bei Treppengeländern, Ampeln, Regenrinnen und Zäunen über Laternen, Straßenschilder und Bäume bis hin zu Strommasten, Skulpturen, Telefonhäuschen und ganzen Bauwerken wie etwa Brücken.

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3 Kommentare

  1. Renate Lippoldrs schreibt:

    Der Bürgermeister hat richtig gehandelt. Das ist zwar eine putzige Idee, wirkt aber kitschig. Natürlich gewachsen, natürlich aussehen! So ist unsere Natur am schönsten und so soll sie bleiben.
    .

  2. Anja Bräu schreibt:

    … und um so besser für uns! Du hast das toll gemacht! Gerne mehr!

  3. Renate Siegel schreibt:

    Schade um die Wolle, die kõnnte man anderweitig besser verarbeiten. Zum Beispiel für Pullover oder dgl. für arme Kinder. Ich bin bei einer Strickrunde und stricke schon Jahre ehrenamtlich für Waisenkinder in Rumänien.

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