Die Schönheit am Wegrand

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Mitterteich/Tirschenreuth. Zwei Ausstellungen – aber ein Künstler: Das ist ein Novum für die Museumslandschaft im Landkreis Tirschenreuth. Der Künstler, um den es geht, hat beide Städte geprägt. 

Von Werner Männer 

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Vor der übergroß dargestellten Silberdistel stellen sich zur Eröffnung zusammen: Dr. Dietmar Borchert (von links), Historiker Manfred Knedlik, Bürgermeister Stefan Grillmeier, Beate Mundhenk, Nichte von Herbert Molwitz, Dr. Anja Mundhenk, Landrat Roland Grillmeier und Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl.

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Die Idee zwei Ausstellungen zu einem Thema in beiden Städten zu eröffnen, kommt daher, weil der Künstler sowohl in Mitterteich als auch später in Tirschenreuth gelebt und gearbeitet hat: Die Rede ist von Graphiker, Radierer und Kupferstecher Herbert Molwitz, der vor 50 Jahren gestorben ist. Diesem Anlass widmen das Museumsquartier Tirschenreuth und das Porzellanmuseum in Mitterteich eine noch nie gesehene Sonderausstellung.

Das Tirschenreuther Museum zeigt vor allem das Leben und die Arbeit des Künstlers – in Mitterteich geht es verstärkt um seine zahlreichen Werke und noch viele interessante kleine Begebenheiten aus seinem Schaffen. Die Vernissagen haben die Museen am selben Tag gefeiert – natürlich unter Einhaltung eines Hygienekonzepts.

Ausnahmekünstler mit Hut, Mantel und Künstlermappe

„Von der Schönheit der Silberdistel“ ist das Motto, das die Ausstellung in Mitterteich umschreibt. Das heißt aber nicht, dass sich die Ausstellung nur auf dieses Thema beschränkt: Besucher werden überrascht sein, was der Ausnahmekünstler in seinem Leben alles geleistet und geschaffen hat.

Bürgermeister Stefan Grillmeier hat im Museumscafé viele Gäste zur Vernissage begrüßt – darunter Landrat Roland Grillmeier, Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl mit seiner Frau Cornelia, Museumsleiterin Stephanie Süß und -mitarbeiterin Herta Sölch, Historiker Manfred Knedlik und eine Verwandte des verstorbenen Herbert Molwitz: Beate Mundhenk, eine geborene Molwitz. Auch Vertreter des Stadtrats und Museumsbeauftragte der Ikom Barbara Habel waren dabei.

Dass die „Hochschulstadt“ Tirschenreuth und „Industriestadt Mitterteich“, wie Grillmeier sagt, gleichzeitig die Ausstellung eröffnen, ist aus seiner Sicht eine gelungene Premiere. Laut Grillmeier war der Künstler Herbert Molwitz ein außergewöhnlicher Mensch. „Man kannte ihn mit Hut, Mantel über dem Arm und mit Künstlermappe“, wie er sagt.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Historiker Manfred Knedlik liefert bei seinem Vortrag viel Hintergrundwissen zu Graphiker, Radierer und Kupferstecher Herbert Molwitz. Rechts am Tischen hören Gäste wie Bürgermeister Stefan Grillmeier, Tirschenreuth Bürgermeister Franz Stahl und seine Frau Cornelia, außerdem Landrat Roland Grillmeier gespannt zu.

„Meister Mol“ erliegt Charme der oberpfälzer Landschaft

Das „Kleine, scheinbar Unbedeutende“ am Wegesrand hat ihn schon immer fasziniert und nicht losgelassen. Die Darstellung der Silberdistel hat ihn bekannt gemacht. Grillmeier hat sich auch bei allen Erben der Familie Molwitz, Leihgebern und dem Museumsförderverein bedankt, die die Ausstellung unterstützen.

Auch Landrat Roland Grillmeier sieht die Ausstellung als doppelten Gewinn: „Die Werke von Molwitz sind in Mitterteich fast in jedem Haushalt zu finden.“ Auch die Stadt besitze zahlreiche Bilder. Er wünscht sich und hofft, dass die Ausstellung auch viele „Auswärtige“ besuchen.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

In Mitterteich hat der Künstler Herbert Molwitz viele Motive gefunden: Wie hier der Blick zum Schulgelände und vom Kirchturm über die Stadt.

Historiker Manfred Knedlik, auch Mitglied des Arbeitskreises Heimatpflege, hat das Leben und Wirken von Künstler Molwitz Revue passieren lassen. Früh sei der gebürtige Thüringer dem Charme der oberpfälzischen Landschaft erlegen. Mit Skizzenbuch, Stift, Klappstuhl und Zeichenplatte sei er durchs Land gezogen. Für sein „heimatverbundenes Gesamtschaffen“ hat ihm der Oberpfälzer Kulturbund 1962 den Nordgaupreis für bildende Kunst verliehen. Erstaunlich und bemerkenswert seien Molwitz‘ Vielfalt an Bildtypen, Bildmotiven und Formen. Als Beispiel nennt der Historiker seine beliebten literarischen Neujahrsgrüße zum Jahreswechsel.

Herbert Molwitz neu entdecken

Herbert Molwitz, auch „Meister Mol“, wie er einmal genannt wurde, ist einer immer kleiner werdenden Öffentlichkeit als der Grafiker der Oberpfalz bekannt, als Schöpfer von Pflanzen- und Baumdarstellungen, von Orts- und Landschaftspanoramen – und dennoch gibt es bei den Ausstellungen den unbekannten Molwitz zu entdecken. Beide Gedächtnisausstellungen zeigen viele Beispiele: „Ich wünsche Ihnen viel Entdeckerfreude“, schließt Knedlik seinen Vortrag.

Auch Dr. Beate Mundhenk, eine der Erben des Verstorbenen, bedankt sich für alle Unterstützung, die sie in den vergangenen Wochen erfahren habe. Im Haus aufzuräumen sei für sie wie eine Zeitreise gewesen. Die Ausstellung im Porzellanmuseum Mitterteich ist bis zum 27. September 2020 zu sehen.

Herbert Molwitz: „Von der Schönheit der Silberdistel“

Ausstellung in Mitterteich – Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr und Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Der Graphiker Herbert Molwitz hatte auch Humor, der sich in diesem Bild eindrucksvoll zeigt.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Die Mitterteicher Ausstellung zeigt die Vielfalt der dargestellten Disteln und zahlreiche andere unbekannte Werke.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Herbert Molwitz hat sich selbst einmal als „Baumnarr“ bezeichnet. Zahlreiche Motive aus seinem Schaffen bestätigen das.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Einmalig ist es, dass Molwitz Kacheln für den Ofen einer befreundeten Familie gestaltet hat. 300 Mark hat der Künstler damals für seine Arbeit verlangt.

Herbert Molwitz Ausstellung Mitterteich Schönheit Silverdistel

Die sogenannten „Unkräuter“ hatten es dem Künstler angetan. Hier ein Motiv mit Hagebutten.

Bilder: Werner Männer 

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