Sanierung Steinhauerhaus: Schwere Geschütze auf beiden Seiten

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Flossenbürg. Zwei Stunden diskutiert der Gemeinderat über das Steinhauerhaus. SPD und FWG sind entschlossen, die Geologie-Infostelle zu verhindern. Bürgermeister und Geopark fahren schwere Geschütze auf. Und die Entscheidung wird noch einmal vertagt.

Von Gabi Eichl

Sanierung Steinhauerhaus

Diesen ersten Entwurf des Architekturbüros Schöberl hatte Bürgermeister Thomas Meiler den Gemeinderäten vor einem Jahr präsentiert, als die Mehrheit sich entschieden hatte, einen Förderantrag für das Projekt zu stellen. Eine detailliertere Planung gibt es laut Meiler derzeit noch nicht. Plan: Büro Schöberl

Bürgermeister Thomas Meiler hat neben sich den Geschäftsführer des Geoparks, Dr. Andreas Peterek, der das Vorhaben nicht nur als „Leuchtturmprojekt für die Region“ bewirbt, sondern auch mit sehr deutlichen Worten darauf hinweist, wie unmöglich sich die Gemeinde mache, wenn sie dieses Projekt zu Fall bringe, in das mehrere Behörden auf deutscher wie tschechischer Seite schon viel Arbeit und Geld investiert hätten.

„Fatale Folgen“ für Geopark-Verein

Peterek spricht von „fatalen Folgen“. Nicht nur, dass die Gemeinde sich so schnell nicht wieder um eine Förderung zu bemühen brauche, eine Entscheidung gegen das Projekt sei möglicherweise existenzbedrohend für den Geopark-Verein.

Man habe der Gemeinde mit diesem Projekt den Vorrang vor anderen Gemeinden gegeben und stehe nun möglicherweise vor einem Scherbenhaufen. Und da es sich um ein grenzübergreifendes Vorhaben handle, zerstöre man auch die Pläne der tschechischen Partner in Plana und Sokolov mit einer Rücknahme des Beschlusses vom August vergangenen Jahres.

Sanierung Steinhauerhaus

Die SPD- und FWG-Gemeinderäte sind gegen den Ausbau des Steinhauerhauses, sind aber durchaus für eine Geo-Infostelle anderswo in der Gemeinde: Roman Schell, Ulrich Krapf, Holger Bannert, Hans-Peter Gruber, Pamela Wünsche, Alexander Sailer, Birgit Neumann (von links). Foto: Eichl

Damals hatte der Gemeinderat nach ebenfalls hitziger Diskussion mit Mehrheit beschlossen, die Verwaltung möge einen entsprechenden Förderantrag stellen. Der damalige Zweite Bürgermeister Alexander Sailer (FWG) und Peter Gruber (SPD) hatten die Pläne abgelehnt. In der Zwischenzeit, vor allem auch im Wahlkampf, haben auch die anderen Gemeinderäte von SPD und FWG eigenem Bekunden zufolge zu der ablehnenden Haltung gefunden, die sie zuletzt bei einem Vor-Ort-Termin am Steinhauerhaus bekundet haben.

439 Unterschriften in einer Woche

In der Gemeinderatssitzung macht jeder einzelne SPD- und FWG-Gemeinderat noch einmal seine Haltung deutlich. Der SPD-Sprecher Roman Schell spricht von 439 Unterschriften gegen das Projekt, die man in nur einer Woche gesammelt habe. Das entspricht fast einem Drittel der Einwohnerschaft des 1.500-Seelen-Ortes.

Schell und nach ihm die FWG-Sprecherin Birgit Neumann listen auf, wie oft man versucht habe, dem Bürgermeister deutlich zu machen, dass die Pläne höchst umstritten seien. Peter Gruber (SPD) sagt: „Wir sagen seit einem Jahr Nein, werden aber nicht gehört.“

Pamela Wünsche (SPD) spricht von „einem der schönsten Fleckerl Erde“, das weiterhin schutzbedürftig sei, und sie warnt vor unabsehbaren Folgekosten. Ihr sei unverständlich, wie man so viel Geld und Arbeit investieren könne, wenn bekannt sei, dass die Pläne umstritten seien.

„Nicht über die Köpfe der Bürger hinweg“

Ulrich Krapf (SPD) sagt, das „Naturschutz-Idyll“ sei nicht geeignet für eine Infostelle. Er betont aber wie alle SPD- und FWG-Räte, dass er nicht grundsätzlich gegen eine solche Infostelle sei, nur nicht am Burgweiher. Eine Aussage, die Peterek wiederholt mit dem Hinweis kontert, dass ein anderer Standort als das Steinhauerhaus nicht gefördert werde.

Der Zweite Bürgermeister Holger Bannert (SPD) verweist auf die ablehnende Haltung eines Teils der Bevölkerung; dies sei für ihn ein schwerwiegendes Argument. Ähnlich äußert sich Alexander Sailer (FWG):

Ich werde nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden.“

Sanierung Steinhauerhaus

Das Steinhauerhaus (Pfeil) finden nur Einheimische; es ist vollkommen zugewachsen. Foto: Eichl

„Können wir uns nie wieder leisten“

Bürgermeister Thomas Meiler sagt, während des Corona-Shutdowns sei kein Kontakt zu den tschechischen Partnern möglich gewesen. Er habe das Thema daher auch nicht mehr in den Gemeinderat gebracht, da er selbst keine neuen Informationen gehabt habe. Von Vertuschung oder Verzögerung könne keine Rede sein.

Dem Vorwurf eines mangelnden Informationsflusses begegnet Meiler, indem er das Protokoll der Sitzung vom August 2019 vorliest. Er habe damals alle vorliegenden Informationen weitergegeben. Ein Projekt wie dieses werde sich die Gemeinde zu einem späteren Zeitpunkt nie mehr leisten können.

Peterek rechnet den Gemeinderäten vor, was sie alles für 50.000 Euro bei einer Förderung von 90 Prozent bekämen. Über die Infostelle hinaus ein Buch zum Thema, einen Film, überregionale Werbung für den Ort und vieles mehr.

„Schäme mich für meinen Ort“

Der CSU-Sprecher Peter Schmidt bittet eindringlich, die Konsequenzen zu bedenken, die eine Ablehnung des Projektes haben könne. Man habe vor einem Jahr den Förderantrag auf den Weg gebracht, schon damals sei klar gewesen, dass es keinen alternativen Standort gebe. Schmidt sagt wörtlich: „Heute ist der erste Tag, an dem ich mich für meinen Ort schäme.“

Meiler hat die Rechtsaufsicht gebeten zu prüfen, ob der Gemeinderat überhaupt noch von dem Partnerschaftsvertrag mit der tschechischen Seite zurücktreten kann. Er schlägt daher vor, die Entscheidung zu vertagen, bis die Rechtsaufsicht sich geäußert hat. Dem stimmt der Gemeinderat mit einer Gegenstimme (Gruber) zu.

Die knapp 440 Unterschriften lagen dem Bürgermeister bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

Wackelt die Allianz der Gegner?

Ein Gemeinderat der Opposition, Alexander Sailer (FWG), wird eigenem Bekunden zufolge nachdenklich, als der Geopark-Geschäftsführer Dr. Andreas Peterek sagt, ein größeres Projekt zur Geschichte der Steinhauer zentral im Ort sei durchaus denkbar in der Folge der Sanierung des Steinhauerhauses. Das auf absehbare Zeit jedoch nicht, wenn die Infostelle am Burgweiher abgelehnt werde.

Sailer sagt, als Sohn eines Steinhauers sei ihm sehr daran gelegen, dass diese Geschichte auch mitten im Ort dargestellt und nicht oben am Burgweiher versteckt werde. Die von Peterek in Aussicht gestellte Möglichkeit eines größeren Projektes zu einem späteren Zeitpunkt im Ort „trifft mich jetzt im Herzen“, sagt Sailer. Das sei für ihn „schon ein wesentlicher Aspekt“.

Sollte Sailer sich entschließen, um eines größeren Nachfolgeprojektes willen für die Sanierung des Steinhauerhauses zu stimmen, wäre das die entscheidende eine Stimme, die den Ausschlag für die Infostelle am Burgweiher gäbe.

Zahlen und Fakten

Was: Das frühere Steinhauerhaus am Burgweiher, das vollkommen eingewachsen unmittelbar gegenüber dem Nationalen Geotop am Schlossberg liegt, soll zu einer Geo-Informationsstelle ausgebaut werden. Dazu würde auf das einsturzgefährdete Gebäude ein Kubus gepackt mit Panoramafenstern in Richtung Steinbruch und Naturschutzgebiet.

Wer: Hinter dem Projekt stehen Bürgermeister Thomas Meiler und die CSU-Fraktion im Gemeinderat, unterstützt werden sie von dem in Parkstein ansässigen gemeinnützigen Verein Geopark Bayern-Böhmen.

Wozu: Die Infostelle würde in erster Linie Studenten und Fachleuten der Geologie dienen, sie soll aber auch den Tourismus befördern.

Kosten: Das Projekt wird aus dem europäischen Fördertopf für Regionalentwicklung und europäische Zusammenarbeit (INTERREG A) bezuschusst. Es ist Teil eines länderübergreifenden 1,2-Millionen-Projektes in Zusammenarbeit mit den tschechischen Gemeinden Plana und Sokolov; der Anteil Flossenbürgs in Höhe von etwa 500.000 Euro würde voraussichtlich mit 85 bis maximal 90 Prozent gefördert.

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2 Kommentare

  1. Alfons Riedl schreibt:

    Schade das der Bericht nicht alle Informationen wieder gibt. Wie von Herr Dr. Peterek in seiner Präsentation dargestellt, wurde nicht wie behauptet nur oberflächlich in der beschließenden Sitzung das Thema diskutiert. Erste Gespräche gab es bereits 2014 und 2016 sowie im Februar und Juni 2020. Also kann hier nicht von fehlenden Informationen, wie behauptet, gesprochen werden. Von einem Gemeinderat sollte doch zu erwarten sein, dass Beschlüsse mit solcher tragweite auch nach einem Jahr noch Gültigkeit haben. Ich hoffe für das Ansehen und die Zukunft von Flossenbürg auf einen positiven Beschluß.
    Alfons Riedl

  2. Günther Meierhöfer schreibt:

    Ich verstehe nicht, was an den Wort Nein so schwierig ist..
    Wer sich über die Gegner des Projekts und deren Kommentare belächelt, und unkluge gegenkomentare los lässt, der soll sich doch bitte einmal die Zeit nehmen, mit Kind und kegel einen Sonntag Nachmittag Spaziergang dort hin bzw. Vorbei machen, und sich dann ein Bild von der Diskussion machen, ob es nötig ist dies so in die Länge zu ziehen.
    Ich hoffe trotz allem, dass trotzdem noch eine vernünftige Lösung gefunden werde, ohne auf Kosten der Natur.
    M.G.

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