High-Tech-Büros in der 130 Jahre alten Fabrikantenvilla des Kommerzienrats

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Windischeschenbach. „Das wird der schönste Standort unseres Amtes in Bayern“, sagt Wolfgang Bauer, Präsident des Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV). Aus der 133 Jahre alten Stützelvilla wird im Zuge der Behördenverlagerung aus der Landeshauptstadt in die Provinz das bayerische „Zentrum der Karthographie“. Mitte 2024 sollen Sanierung und Neubau fertiggestellt sein. Beginn der Bauarbeiten ist im kommenden Jahr.

Von Gabi Eichl

In freudiger Erwartung der schönsten Büros Bayerns (von rechts): Elisabeth Bücherl-Beer (Bauamt), Landrat Andreas Meier, Bürgermeister Karlheinz Budnik, MdL Tobias Reiß, Roman Beer (Bauamt), LDBV-Standortleiter Oliver Schrempel, LDBV-Präsident Wolfgang Bauer, Klaus Koch (Bauamt).

Nicht nur Wolfgang Bauer gerät ins Schwärmen, als er im Beisein von Landrat und Bürgermeister, MdL Tobias Reiß und Vertretern des Staatlichen Bauamtes die Pläne vorstellt.

Historischer Charme trifft auf eine High-Tech-Verwaltung“

sagt der LDBV-Präsident. Mit dem Umzug des Landesamtes ist aber nicht nur die Zukunft der denkmalgeschützten Fabrikantenvilla Kommerzienrat Ludwig Winklers gesichert, die Stadt bekommt bis 2025 auch 60 Arbeitsplätze, die fast ausschließlich über Neueinstellungen aus der Region besetzt werden.

Aktuell arbeiten schon 35 Beschäftigte des Landesamtes in der Stadt, untergebracht im ehemaligen Fernmeldeamt und in der Porzellanfabrik. Weitere 46 Mitarbeiter haben in Waldsassen ihre Arbeit aufgenommen, dem anderen Arm des Doppelstandortes. Dort entstehen insgesamt 70 neue Behördenarbeitsplätze.

Eigener OTH-Studiengang Geoinformatik

Damit der Nachwuchs für die höheren Qualifikationsebenen an beiden Standorten, aber auch darüber hinaus sichergestellt ist, wurde an der Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) der Bachelor-Studiengang Geoinformatik und Landmanagement eingerichtet.

Aus- und Fortbildungszentrum im Neubau

In Windischeschenbach wird der Teilbereich „Digitale Landkarten Bayern“ angesiedelt. Aufgabenfelder sind unter anderem die Erstellung und Aktualisierung der digitalen topographischen Karten, die Web-Kartographie einschließlich 3D-Versionen und Geo-Visualisierungen; darüber hinaus wird hier die Organisation der Ausbildung für die Standorte Waldsassen, Windischeschenbach und Hof mit einem eigenen Aus- und Fortbildungszentrum angesiedelt.

Planer verneigen sich vor der „für uns heiligen Villa“

Nicht weniger als der LDBV-Präsident schwärmt die zuständige Abteilungsleiterin des Staatlichen Bauamtes, Elisabeth Bücherl-Beer, von dem, was in und um die Villa geplant ist. Wie Bücherl-Beer betont, solle die „für uns so heilige Villa“ durch den Neubau entlang der nordwestlichen Grundstücksgrenze „ja nicht in den Schatten gestellt werden“.

Um die Sichtachsen vom Eingangstor des Parks auf die Villa freizuhalten und auch mit Rücksicht auf den unbedingt zu erhaltenden Baumbestand ist der Neubau nur zweigeschossig, dafür entsprechend langgezogen geplant. Ein schlichter Zweckbau, mit dem die Planer sich „vor der Villa verneigen“, so Bücherl-Beer.

Alte Malereien werden teilweise wieder aufgebracht

Eine Besonderheit der Sanierung der Villa ist das Wiederaufbringen eines Teils von Malereien aus der Neu-Renaissance und des Jugendstils, die bei einer früheren Sanierung in den 1980er Jahren abgenommen und eingelagert wurden. Dafür sind nicht ganz 1,5 Millionen der insgesamt über 19 Millionen Euro reserviert, die der Landtag dieser Tage für das gesamte Projekt bewilligt hat.

Laut Bücherl-Beer seien die Putze mit den Malereien darauf damals außerordentlich fachgerecht unter der Regie des Landesamtes für Denkmalpflege abgenommen worden. Das Bauamt hat den Worten der Abteilungsleiterin zufolge sehr darum gekämpft, wenigstens einen Teil der insgesamt 850 Bilder auf mehr als 200 Fragmenten wieder applizieren zu dürfen. Eine Kostenfrage.

Das wird schon was zum Vorzeigen werden.“

Zum Tragen komme nun eine kleine Lösung, sagt Bücherl-Beer, über die man aber mehr als glücklich sei. Denn es „wäre ansonsten eine Chance verloren“ gegangen. „Der Raumeindruck der Villa wird ein ganz anderer sein.“ Und durch das Wiederaufbringen der Bilder „wird das schon was zum Vorzeigen werden“. Gleichzeitig werde das eine höchst anspruchsvolle Aufgabe für die mit dem Wiederaufbringen betrauten Fachfirmen, von denen es auch in der Region durchaus einige mit der notwendigen Qualifikation gebe.

Grundsätzlich hat das Bauamt Wert darauf gelegt, mit Partnern aus der Region zusammenzuarbeiten. Das für die Gesamtplanung zuständige Architekturbüro ist das Büro bh Architekten in Regensburg, um den Umgriff der Gebäude kümmern sich die Fetsch-Landschaftsarchitekten in Amberg.

Der Präsident des Landesamtes, Wolfgang Bauer (2.v.l.), lobt die Unterstützung von seiten der Politik, vertreten durch Landrat Andreas Meier, MdL Tobias Reiß und Bürgermeister Karlheinz Budnik (von links).

MdL Tobias Reiß spricht von einem „Geo-Dreieck Waldsassen-Windischeschenbach-Weiden als Kompetenzzentrum für Karthographie, Geodaten und digitale Landkarten für ganz Bayern“. Landrat Andreas Meier sagt:

„Die Zukunft findet hier schon heute statt.“

Und Bürgermeister Karlheinz Budnik zeigt sich froh über die neuen Arbeitsplätze, über das neue Leben im Wahrzeichen der Stadt und darüber, dass der Park erhalten bleibe und von der Stadt weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden könne.

Fotos: Gabi Eichl

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