Weidehaltung, Bio-Mühle, Entwicklung in Land- und Forstwirtschaft

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Neustadt/WN. Auf großer Tour waren die SPD-Politiker Annette Karl und Florian von Brunn. Gemeinsam haben sie im Landkreis Neustadt und in der Stadt Weiden mehrere Orte besucht, die der örtlichen Landtagsabgeordneten aus Neustadt und ihrem Kollegen aus München, seines Zeichens umwelt- und verbraucherschutzpolitischer Sprecher der Landtags-SPD, interessante Einblicke boten.

Von Udo Fürst

Auftakt der kleinen Rundreise war das Projekt des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) an der Kronmühle in Püchersreuth. Der LBV-Referatsleiter und Diplom-Biologe Ralf Hotzky stellte das
Projekt vor, in dem Teresa und Joachim Meyer seit 2018 eine stark verbuschte Fläche mit Limousinrindern beweiden. Ziel ist, dass die fünf Rinder die circa sechs Hektar als abwechslungsreiche Weidelandschaft zurückerobern, zumal sie Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten ist. Die Rinder werden Ende Oktober von der örtlichen Metzgerei Mois zu verschiedenen Produkten verarbeitet, die dann durch die Familie Meyer regional vermarktet werden.

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Zweite Bürgermeisterin Maria Sauer stellte die Geschichte der Kronmühle vor, deren Gebäude verfallen waren und nun beseitigt wurden. SPD-Gemeinderätin Michaela Treml dankte der Familie Meyer und dem LBV für das tolle Projekt. Karl sagte zu, sich im Landtag für eine Förderung von extensiver Weidehaltung wie in Kronmühle einzusetzen.

Teresa Meyer, Michaela Treml, Ralf Hotzky, Maria Sauer, Florian von Brunn, Annette Karl und Joachim Meyer

In Püchersreuth informierten sich die Gäste über ein LBV-Projekt (von links): Teresa Meyer, Michaela Treml, Ralf Hotzky, Maria Sauer, Florian von Brunn, Annette Karl und Joachim Meyer.

Biobetrieb in der Mühle

Nächste Station war die Gailertsreuther Mühle in Floß. Inhaber Gerald Meierhöfer kann dort auf eine mehrere hundert Jahre alte Geschichte der Mühle im Familienbesitz zurückblicken. 2008 stellte der Müller komplett auf Biobetrieb um und vermarktet die Produkte heute regional und über einen Onlineshop. Beschäftigt sind derzeit zwölf Mitarbeiter. Das Getreide, das in der zu zwei Drittel mit Strom aus Wasserkraft angetriebenen Mühle gemahlen wird, kommt aus der Oberpfalz und Oberfranken. Bürgermeister Robert Lindner erinnerte sich, dass er als Bub noch mit seinem Getreide in der Mühle abgeliefert habe.

Josef Rampl vom Bayerischen Müllerbund gab den Abgeordneten zwei wichtige Themen für die parlamentarische Arbeit im Landtag mit: Zum einen soll durch eine EU-Richtlinie die Kennzeichnung von alten Getreidesorten geändert werden, um den Verbraucher auf Unverträglichkeiten hinzuweisen. Zum Beispiel soll aus Dinkel künftig Dinkel-Weizen werden, was der Verband als unnötig betrachte, zumal es die Verbraucher verunsichern würde. Als zweites dürfe die Wasserkraft, mit der die meisten Mühlen betrieben würden, nicht mit Auflagen oder gar Verboten versehen werden. „Das ist für die mittelständischen Mühlen enorm wichtig, weil sie so die Betriebskosten niedrig halten können“, sagte Rampl. Der Rückgang der Fischbestände in den Wasserläufen habe viele andere Ursachen.

Florian von Brunn, MdL Annette Karl, Gerald Meierhöfer und Bürgermeister Robert Lindner

Florian von Brunn, MdL Annette Karl, Gerald Meierhöfer und Bürgermeister Robert Lindner (von links).

„Bildung ist Schwerpunkt der Arbeit“

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit Landwirtschaftsschule in Weiden stand danach auf dem Besuchsprogramm der Abgeordneten. Behördenleiter Reinhold Witt und sein Stellvertreter Gerhard Hösl berichteten über die Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft. Während der Klimawandel und der Befall durch Käfer den Waldumbau vorantreiben, geschehe dies in der Landwirtschaft durch die Aufgabe von kleineren Betrieben. Auch wenn die Zahl der Absolventen leicht zurück gehe, sei eine fundierte Aus- und Fortbildung weiterhin gefragt. „Bildung ist ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit“, sagte Witt.

An der Landwirtschaftsschule wird im Rahmen eines Pilotprojektes derzeit die Fortbildung zukunftsfest gestaltet. Schwerpunkte sind die nachhaltige und umweltgerechte Erzeugung von Lebensmitteln, Analyse und Verbesserung betriebswirtschaftlicher Kennwerte sowie Persönlichkeitsbildung und Kommunikation. Die Meisterprüfung oder der Abschluss als Agrarbetriebswirt an der HLS seien die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Betriebsleitung.

Hösl ging auf den notwendigen Waldumbau ein. Hier würde er sich einen stärkeren Schwerpunkt auf natürlichen Umbau wünschen, so dass teure Aufforstungen und Umzäunungen vermieden werden könnten. Dies würde sich auch betriebswirtschaftlich für den Waldbesitzer rechnen, da durch den Preisdruck beim Holz die Einnahmen aktuell niedrig seien. Von Brunn und Karl befürworteten den Gedanken, dass man eine solche Waldverjüngung auch mit einer Förderung im Rahmen einer PiK-Förderung voranbringen könnte und so auch Äcker nicht unbedingt als Ausgleichsfläche stilllegen müsse. Es bestehe ein enormer Druck auf die Bodenbesitzer durch den anhaltend zu hohen Flächenverbrauch in Bayern, wie auch Karl deutlich machte.

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit Landwirtschaftsschule in Weiden, Florian von Brunn, Behördenleiter Reinhold Witt, MdL Annette Karl, Stellvertreter Gerhard Hösl

Im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit Landwirtschaftsschule in Weiden berichteten Behördenleiter Reinhold Witt und sein Stellvertreter Gerhard Hösl über die Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft.

Nachfrage nach Energieeffizienz und – einsparungen hoch

Abschluss der Tour von Annette Karl und Florian von Brunn war das etz Nordoberpfalz in Weiden. Geschäftsführer Matthias Rösch berichtete über eine steigende Nachfrage bei Beratungen zur Energieeffizienz und zum -einsparen. Auch wenn die Gründung des etz im Jahr 2012 nicht ganz einfach gewesen sei, so zeigte sich Stadträtin Sabine Zeidler erfreut über die wegweisende Entscheidung. Klimaschutz stehe immer mehr im Blickpunkt und es sei notwendig, dass die Privathaushalte ihr Potential noch stärker nutzten, sagte Rösch.

ETZ Nordoberpfalz Weiden Annette Karl, Florian Brunn, Matthias Rösch, Sabine Zeidler

Einen Besuch statteten Annette Karl und Florian von Brunn auch dem etz in Weiden ab. Dort unterrichtete Geschäftsführer Matthias Rösch (links) den Abgeordneten über die Arbeit des Insituts. Mit auf dem Foto die SPD-Stadträtin Sabine Zeidler (rechts).

Hauptberatungsbereich seien derzeit Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern. Die durch die Bundesregierung erhöhten Förderquoten für die Heizungssanierung hätten die Beratungsnachfrage belebt. Allerdings müsste überlegt werden, ob in die Förderquote eine soziale Komponente für einkommensschwächere Haushalte integriert werden sollte. Rösch betonte, dass das etz gut mit dem Netzwerk der Verbraucherzentralen zusammenarbeite.

Große Versprechen, keine Taten

Unterstützung wünschte er sich durch Förderungen aus Landesmitteln für den Betrieb der Energieagentur, da die kommunalen Fördermittel begrenzt seien. Karl und von Brunn waren enttäuscht darüber, dass die im Dezember 2019 angekündigte Landesenergieagentur immer noch nicht ihre Arbeit aufgenommen hat. Dies sei leider ein weiteres Beispiel für die Ankündigungspolitik der Staatsregierung, ohne dann konkrete Taten folgen zu lassen.

Fotos: Udo Fürst

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