Extremsportler lässt aufhorchen

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Grafenwöhr/Hütten. Manuel Palecki ist Ultra-Marathonläufer. Da in der Corona-Zeit keine Wettbewerbe stattfinden, ist er einfach sein eigenes Rennen gelaufen: zweimal um den Truppenübungsplatz. Bürgermeister Knobloch würdigt seine Leistung.

Von Stefan Neidl 

Manuel Palecki Ultramarathon Grafenwöhr Hütten

Manuel Palecki (Mitte) braucht immer eine Herausforderung: Nach seinem selbstkreierten Ultramarathon um den Truppenübungsplatz darf er sich ins Goldene Buch der Stadt Grafenwöhr eintragen. Seine Frau ist stolz, Bürgermeister Edgar Knobloch tief beeindruckt.

Zweimal um den Truppenübungsplatz laufen macht 166 Kilometer, das ganze auch noch in gerade einmal 18 Stunden und 42 Minuten – diese beeindruckende sportliche Leistung lässt Bürgermeister Edgar Knobloch aufhorchen, weshalb er Extremsportler Manuel Palecki ins Rathaus eingeladen hat. Der begeisterte Radfahrer ist die 83 kilometerlange Strecke rund um das Militärgelände selbst schon oft abgefahren: „Das ist auf dem Rad schon anstrengend und danach war ich immer platt“, sagt Knobloch. Auf die Idee einer zweiten Runde wäre er nie gekommen.

Palecki aber ist Ultra-Marathon-Distanzen gewöhnt und trainiert dafür das ganze Jahr. Im Frühjahr hätte er im Wettersteingebirge teilgenommen, bevor Corona alle Veranstaltungen verhindert hat. Im Oktober wollte der Hüttener am Ultrarace am Goldsteig antreten. Auch das fällt ins Wasser, weshalb Palecki sich seinen eigenen Ultra-Marathon kreiert hat.

Action auch nachts

Knobloch hatte viele Fragen. Zum Beispiel: Warum Palecki erst am Freitagabend um 18 Uhr gestartet ist, also schon in der Dämmerung? „Ich hab einen Tag Erholung eingeplant und wollte nicht extra Urlaub nehmen“, antwortet Palecki cool. Nachts war auf der Strecke trotzdem viel los: Eine Streife der Polizei ist bei Sorghof in der Dunkelheit an ihm vorbeigefahren, wie der Extremsportler erzählt. Mit seiner Helmtaschenlampe hätte er fast mit einer Kontrolle gerechnet. Nachts sind ihm auch viele Tiere im Wald begegnet, von Hasen, über Füchse bis hin zum Rotwild. „Leider kein Wolf dabei“, scherzt er.

Wie gings dem Sportler nach fast 19 Stunden Belastung? So einfach konnte er nicht auf „normal“ zurückschalten, wie er sagt, zu sehr war sein Organismus noch auf Leistung eingestellt: Ein Hefeweizen brachte er gar nicht hinunter. Gewichtsverlust habe Palecki keinen bemerkt, aber auch nicht kontrolliert, wie er Knobloch erklärt. Auch seine Arbeitskollegen bei Witron hätten nach Berichten in den Medien nicht schlecht gestaunt: „Warst denn du der Verrückte?“, wurde er gefragt. Seine Leidenschaft ist zwar bei einigen bekannt, die meisten waren aber überrascht.

Immer neue Herausforderungen

Besonders dankbar ist Palecki Freunden und Kollegen von der Feuerwehr. Sie haben ihm in regelmäßigen Abständen trotz später Stunde Verpflegungsstellen eingerichtet, ihn über die GPS-Funktion seines Handys begleitet und über einen Chat angefeuert. Die Versorgungsstellen in aller Herrgottsfrühe haben nur einen Bauern bei Nitzlbuch verwundert, der eine Panne vermutet hat. Zum Glück hat aber alles reibungslos geklappt. Hilfe von Paleckis Frau haben nur zwei Kumpels wegen eines Plattens gebraucht, die Ultramarathon-Läufer eigentlich mit dem Fahrrad begleiten wollten.

Im nächsten Jahr will Palecki wieder bei Wettbewerben antreten. Mit der erreichten Zeit seines Privat-Marathons wäre er im Taubertal auf dem Treppchen gelandet, berichtet er. Sollte Corona auch nächstes Jahr Events verhindern, will er sich wieder eine Alternative überlegen: Denn eine Herausforderung braucht Palecki in jedem Fall. Bürgermeister Knobloch würdigt die Leistung mit einem Eintrag in das Goldene Buch und Geschenken: ein Buch über den Truppenübungsplatz („Damit du weißt, wo du vorbeigelaufen bist“) und ein Paar Laufschuhen gefüllt mit kleinen Stärkungen.

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