Fachmarktzentrum Grafenwöhr: Fluch oder Segen?

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Grafenwöhr. Die Entscheidung ist durch: Grafenwöhr bekommt ein Fachmarktzentrum. Ist das jetzt ein Fluch oder ein Segen?

Das Fachmarktzentrum auf dem Areal des Deyerling-Sägewerks ist beschlossene Sache: 13 Stadträte haben für das Projekt gestimmt, sechs dagegen. Die Entscheidung diskutieren Befürworter und Gegner aber heiß. Was bedeutet der Bau für Grafenwöhr? Fluch oder Segen?

Zum Bauvorhaben: Investor des Bauprojekts ist die Gamma Grundbesitzgesellschaft. Nach Plänen der Verantwortlichen soll auf dem ehemaligen Deyerling-Gelände ein neuer Supermarkt – ein Rewe – einziehen und gut 1.400 Quadratmeter in Anspruch nehmen, außerdem soll sich ein Getränkemarkt und ein Bäcker ansiedeln. Im Nebengebäude war auf gut 800 Quadratmetern ein Textilhandel vorgesehen, ein Interessent ist nach ersten Verhandlungen aber abgesprungen. Möglich wäre noch den Laden in zwei kleinere Flächen zu unterteilen. Nicht vorgesehen sind Baumarkt oder Schuhzentrum, wie viele Grafenwöhrer den Begriff „Fachzentrum“ interpretiert hätten.

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Plus für Einkaufsstadt Grafenwöhr oder Aus für Einzelhandel?

Aus Sicht des Investors liegen die Vorteile auf der Hand: Die alte Sägewerk-Halle weicht, der Neubau wertet Grafenwöhr auf, außerdem wächst die Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten im Ort und es entstehen neue Arbeitsplätze.

Anders sehen das die Einzelhändler und Gewerbetreibende im Ort: Sie befürchten Einbußen bei Umsätzen und machen Zweifel laut, ob Grafenwöhr neben den bestehenden Einkaufsmöglichkeiten – Netto, Aldi, Edeka, Lidl, Norma, Nahkauf – noch einen 7. Lebensmittelversorger braucht. Denn inzwischen ist der ursprüngliche Plan vom Tisch, dass einer dieser Märkte ins Fachmarktzentrum umzieht. Ein Grund, warum Stadtrat Thomas Weiß (SPD) das Projekt anfangs gut geheißen habe, wie er sagt.

Fachmarktzentrum Grafenwöhr Entscheidung Stadtrat

Rund 25 Zuhörer – zu großen Teilen Einzelhändler und Gewerbetreiber – haben die Entscheidung zum Fachmarktzentrum bei der Stadtratssitzung verfolgt. Die Redebeiträge wurden per Lautsprecher in den Vorraum übertragen.

Kritik äußert auch SPD-Fraktionssprecher Timo Schön. Sein Argument: Die Kaufkraft in Grafenwöhr werde nicht mehr, sondern die Erträge der Händler kleiner. Außerdem: Ist Grafenwöhr mit sechs Supermärkten nicht mehr als gut versorgt? Mit einer Unterschriftenaktion und über 1.000 Stimmen haben sich auch Grafenwöhrs Einzelhändler gegen die Pläne gewehrt. Auch stellt Schön infrage, ob der neue Fachmarkt tatsächlich 25 neue Arbeitsplätze schaffe – oder ob sie an anderer Stelle verloren gehen.

Stadtrat steht zu Neubau-Plänen

Letztendlich hat der Stadtrat mehrheitlich (13:6 Stimmen) für das Fachmarktzentrum gestimmt. Nicht abgestimmt haben Lukas Braun (entschuldigt) und Anita Heßler (Elektro Heßler; wegen Befangenheit ausgeschlossen).

Für viele Einzelhändler, die an der Stadtratssitzung teilgenommen haben, ein Schock: „Ich bin fassungslos. Da haben jetzt Stadträte für den Markt gestimmt, die mir noch persönlich sagten, dass sie hinter dem Einzelhandel stehen“, „Eigentlich wollten wir unseren Laden umbauen, aber ob wir das jetzt noch verwirklichen ist fraglich“, „Da sieht man mal, dass wir Einzelhändler in der Wahrnehmung der Stadt nichts wert sind“ – machen sie ihrem Ärger Luft.

Deyerling Gelände Grafenwöhr Fachmarktzentrum Symbol Symbolbild

Auf dem Deyerling-Gelände in Grafenwöhr soll das neue Fachmarktzentrum samt Lebensmittelmarkt, Getränkemarkt und Textilgeschäft entstehen. Bild: Neidl.

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6 Kommentare

  1. Bernhard schreibt:

    Gab es eine namentliche Abstimmung?
    Wenn ja, wer von den Stadträten stimmte für und wer gegen den Fachmarkt?

  2. Dirk Schultze schreibt:

    Bullshit Entscheidung…zumindest was die Läden betrifft.

  3. Sabine Westermann schreibt:

    Ich finde das super

  4. Doris Mayer-Englhart schreibt:

    Die Abstimmung war öffenltlich, einigen Stadträten war es aber unangenehm, als Fotos der Abstimmung im Facebook veröffentlicht wurden.

    • Doris Mayer-Englhart schreibt:

      Die Abstimmung hier auf der Seite würde sicher anders ausgehen, wenn die Fragestellung so gewählt würde: Grafenwöhr bekommt den 7. Supermarkt – Fluch oder Segen?

  5. Roman Latka schreibt:

    Die Stadt sollte ihr Vorkaufsrecht, Abtretung Grund für einen Kreisverkehr beanspruchen. Der schon an der Kreuzung lange überfällig ist.

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