Adeliger, Reformist, Stifter: Lange Familienchronik von Dippel, Düppel und Dippl

Pressath. Die Familiengeschichte der Dippels und Dippl geht zurück bis in das 17. Jahrhundert. Die weit verzweigte Familie feiert das nun seit 15 Jahren.

In Pressath verwurzelt, in ganz Deutschland und der Welt zuhause: In Altendorf kamen viele Mitglieder der großen Familie Dippel/Dippl zum traditionellen Verwandtschaftstreffen zusammen. Bild: Bernhard Piegsa

Ein doppeltes „Dippel-Tag-Jubiläum“ feierte die seit 1680 mit Pressath verbundene, heute weit verzweigte Familie heuer im Altendorfer Gasthof Popp: Vor 15 Jahren traf man sich zu einem ersten „Vettern- und Cousinen-Treffen“, das ab 2012 zum Familientreffen im großen Rahmen avancierte.

Alles dies nahm Harald Dippel zum Anlass für einen Rückblick auf seine familiengeschichtliche Forschungsarbeit. Deren wohl aufsehenerregendstes Ergebnis sei der Nachweis gewesen, dass entgegen früheren Annahmen die Familien Dippel und Dippl doch verwandt seien: „Gemeinsamer Stammvater ist ein 1658 verstorbener Zimmermann Hanß Dippel aus Falkenberg im Stiftland.“

700-seitige Familienchronik

Dieses und weitere Rechercheergebnisse seien bereits in der gut 700-seitigen gedruckten Familienchronik verewigt, deren beide Bände der pensionierte Abteilungspräsident beim Bundesgrenzschutz (jetzt Bundespolizei) 2012 und 2021 präsentierte. Dort könne man auch Näheres über die Familienzweige „Düppel“ und „von Dippel“ nachlesen. Die Düppel-Linie gehe auf einen Major Josef Dippel der bayerischen Armee zurück, der 1809 nach einem der napoleonischen Feldzüge zum Oberst und Ritter der Ehrenlegion befördert worden sei: „Auf der von Napoleon ausgefertigten Urkunde war sein Name ‚Düppel‘ geschrieben, und dabei ist es geblieben“, wusste Harald Dippel.

Wegen Adelstitel ins Straflager

Bei der Pressather 1.000-Jahr-Feier 1955 habe man von der Existenz eines seit dem 19. Jahrhundert adeligen Familienzweigs erfahren. Der Adelstitel habe nach dem Zweiten Weltkrieg einem Familienangehörigen drei Jahre seiner Jugend gekostet: „Beim Aufstand in Ost-Berlin 1953 wurde der 16-jährige Lehrling auf dem Weg zu seiner Lehrstelle von einer sowjetischen Patrouille kontrolliert. Der Name Egon Edler und Ritter von Dippel genügte, ihn als Rädelsführer zu verdächtigen und auf ein erpresstes Geständnis hin zu drei Jahren Straflager in Russland zu verurteilen.“

Hoffnung auf Ignaz-Dippel-Straße in Pressath

Nicht erfüllt hätten sich bisher die Hoffnungen auf eine Ignaz-Dippel-Straße in Pressath, bedauerte der Familienforscher. In Parkstein trage bereits eine Straße den Namen eines dort geborenen Familienangehörigen, des Pfarrers Joseph Dippel (1832-1914). Nach ihm und seinem Bruder, dem Stifter Michael Dippel, sei auch ein Saal im Gemeindezentrum benannt.

Eine derartige Ehrung hätte auch der Pressather Kunstschreiner Ignaz Dippel (1874-1950) verdient, der in seiner Heimatstadt Initiator des vor dem Krieg bestehenden Gewerbevereins und der Berufsschule sowie darüber hinaus Mitbegründer der Handwerkskammer Oberpfalz gewesen sei: „Bisher ist es nur bei der Zusage der Stadt geblieben, man werde eine Straßenbenennung wohlwollend prüfen. Vielleicht kann der Heimatpflegebund ja nochmals nachhaken.“

Fortschrittlicher Denker unter Vorfahren

2018 und 2019 habe man schließlich zwei Zeugnisse aus dem Wirken des Theologen, Mediziners und Alchimisten Johann Conrad Dippel (1673-1734) aufgefunden: zunächst ein Apothekenfläschchen für ein von ihm erfundenes Elixier und im folgenden Jahr ein Exemplar seines „theologischen Gesamtwerks“, das den Erfinder des philosophisch-theologischen Begriffs „aufgeklärt“ als Vordenker eines „interkonfessionellen Dialogs“ ausweise.

Mit solch provokanten Ideen habe er die etablierten Kirchenfunktionäre in Deutschland gegen sich aufgebracht und mehrere Jahre im dänischen, niederländischen und schwedischen Exil gewirkt. „Es ist schön, dass ein so fortschrittlicher Denker, über den man heute noch diskutiert, zu unseren Vorfahren gehört“, resümierte Harald Dippel, dessen Sohn Hartmut eines der größten Archive mit Originalwerken des Gelehrten aufgebaut hat.

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