Alte Apfelsorten wiederentdecken und kennenlernen

Schwarzenbach. Welcher Sorte mag der biblische „Paradiesapfel“ angehört haben? Dieses Rätsel konnten auch die Obstkundler, die sich beim Pomologen Michael Altmann zu einem Fortbildungsseminar zusammengefunden hatten, nicht mehr lösen.

Bunt gemischt war der Kreis der Teilnehmer des von Friedrich Renner (Zweiter von links neben Gastgeber Michael Altmann) geleiteten Seminars zum Thema Sortenbestimmung bei Äpfeln. Foto: Bernhard Piegsa
Bunt gemischt war der Kreis der Teilnehmer des von Friedrich Renner (Zweiter von links neben Gastgeber Michael Altmann) geleiteten Seminars zum Thema Sortenbestimmung bei Äpfeln. Foto: Bernhard Piegsa
Boskop, Goldparmäne, Gravensteiner, Klarapfel: Zu Unrecht unterschätzt werden nach Friedrich Renners Überzeugung die teils mehrere hundert Jahre alten Traditions-Apfelsorten. Vor allem in puncto Robustheit seien viele von ihnen den modernen Neuzüchtungen überlegen und könnten ihnen unter Klimawandelbedingungen den Rang ablaufen. Foto: Bernhard Piegsa
Boskop, Goldparmäne, Gravensteiner, Klarapfel: Zu Unrecht unterschätzt werden nach Friedrich Renners Überzeugung die teils mehrere hundert Jahre alten Traditions-Apfelsorten. Vor allem in puncto Robustheit seien viele von ihnen den modernen Neuzüchtungen überlegen und könnten ihnen unter Klimawandelbedingungen den Rang ablaufen. Foto: Bernhard Piegsa
Foto: Bernhard Piegsa
Foto: Bernhard Piegsa

Weniger rätselhaft ist es, sich durch die heutzutage in Deutschland wachsenden Apfelsorten
hindurchzufinden: Etwa 2000 sollen es immerhin sein, von denen rund 70 im gewerblichen
Obstanbau kultiviert werden. Worauf bei der Sortenbestimmung zu achten ist, verriet der Vorsitzende der bayerischen Gesellschaft für Pomologie und Obstsortenerhaltung, Friedrich Renner, dem aus „alten Hasen“ und „Azubis“ bunt gemischten Teilnehmerkreis.

Wie kann man die Sorten unterscheiden?

Einen wertvollen Fingerzeig gebe bereits das Alter des Baumes, wusste Renner: „Daraus lässt sich oft schließen, ob wir es mit einer traditionsreichen alten Sorte oder einer jüngeren Züchtung zu tun haben.“ Wenn bekannt sei, ob es sich entsprechend der Zeit der Genussreife um einen Sommer-, Herbst oder Winterapfel handele, so grenze dies die Suche weiter ein. Elementare Bestimmungskriterien böten die Farbe und Beschaffenheit der Schale, die Form des Stiels und der Stiel- und Kelchgruben und vor allem die Fruchtform: „Ein Apfel kann groß oder klein, kugelig, hoch gebaut oder kantig und sogar sternförmig sein.“ Wer für eine Sortenbestimmung eine Fachperson aufsuche, sollte „vier oder fünf ausgereifte, schön gewachsene Früchte vorlegen“, erklärte der Apfelspezialist.

Ein Hoch auf alte Apfelsorten

Als signifikantes Erkennungszeichen sollte sich der Stiel unbedingt noch an der Frucht befinden. Um die inneren morphologischen Merkmale, namentlich das Kerngehäuse, untersuchen zu können, sei darauf zu achten, dass die Frucht madenfrei sei: „Die Made zerstört das Innenleben des Apfels und mit ihm spezifische Sortenmerkmale.“ Fast überschwänglich lobte Friedrich Renner die alten, teils vom Aussterben bedrohten Apfelsorten, deren Pflege sich „die bayerischen Pomologen ganz besonders verschrieben haben“. Kennzeichnend für die meisten von ihnen sei eine überdurchschnittliche Robustheit, deren Wert und Nutzen sich gerade jetzt offenbare. Eine Rückbesinnung auf diese Traditionssorten würde nach Renners Überzeugung in der Zeit eines fortschreitenden Klimawandels Apfelzucht und -anbau auf einen „Weg der Stärke“ führen.

“Ein Apfel ist nicht nur Apfel”

Demgegenüber sollte man die Hoffnungen auf die „viel gepriesene Schädlingsresistenz der modernen Kreuzungen“ nicht zu hoch schrauben: Diese werde immer wieder durchbrochen, zurückbleibe ein „unansehnlich verschorfter Apfel“. Im Namen aller aus ganz Nordbayern angereisten Kursteilnehmer, zu denen auch Christine Gleißner, Bearbeiterin des Forschungs- und Innovationsprojekts „Sortenerhaltungskonzept Streuobst Bayern“ beim Landesamt für Weinbau und Gartenbau zählte, dankte Michael Altmann dem Referenten für dessen Ausführungen. Dass das heute oft unterschätzte „Allerweltsobst“ Apfel reichlich Stoff für spannende Schulungen und Vorträge liefere, zeige anschaulich, „dass ein Apfel nicht nur Apfel ist“.

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