Am Sonntag beginnt die Fußball-WM in Katar, aber die Begeisterung hält sich in Grenzen

Weiden. Die Fußball-WM in Katar ist die bisher wohl umstrittenste Sportveranstaltung der Welt. Wie stehen Funktionäre, Sportler und Wirte dazu?

Public Viewing EM 2016
Fan-Jubel beim Public-Viewing im Hemmingway. Allerdings ist das schon einige Jahre her. Ob es diesmal auch wieder solche Szenen gibt, ist zumindest fraglich. Foto: Sascha Riedel

Am Sonntag startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. In einem Land, das bisher mit dem Volkssport Nummer 1 so viel zu tun hatte wie ein Grizzly mit Ballett tanzen. Auch jubelnde Fans, Autokorsos und volle Kneipen wird es diesmal wohl nicht geben. Und selbst bei Fußballern und Vereinsfunktionären hält sich die Begeisterung für die Winter-Titelkämpfe in engen Grenzen, wie eine Umfrage von OberpfalzEcho ergeben hat. Dabei spielt für die Befragten weniger die Menschenrechtslage im Wüstenstaat eine Rolle, sondern vielmehr die ungewohnte Jahreszeit.

„Komische Geschichte“

Für Albert Kellner, den Vorsitzenden des Fußballkreises Amberg-Weiden, ist vor allem die Jahreszeit kritikwürdig. „Das ist schon eine sehr komische Geschichte, eine WM im Winter.“ Über die Situation der Menschenrechte in Katar könne er nicht viel sagen. „Da könnte ich nur nachplappern, was andere sagen und das will ich nicht. Dafür kenne ich mich zu wenig aus dort.“ Die Spiele werde er am Fernsehen schon anschauen.

Ähnlich sieht es Michael Kurz, der Vorsitzende des Bayernligisten SpVgg SV Weiden. „Punktuell werde ich die Spiele schon verfolgen, auf jeden Fall die mit deutscher Beteiligung.“ Der allgemeine Aufschrei wegen der WM in der Wüste komme seiner Meinung nach viel zu spät. „Das ist für mich lächerlich. Da hätte man schon vor zehn Jahren laut protestieren müssen.“ Allgemein sei die Weltmeisterschaft sicher nicht ein solches Gesprächsthema wie sonst. Daran sei auch die Jahreszeit schuld.

„Kein WM-Flow“

Auch zwei Aktive sehen eine WM im Winter kritisch. „Man kann es sich gar nicht vorstellen, dass jetzt eine Fußball-Weltmeisterschaft beginnt. Die Leute denken jetzt eher an Weihnachten als an Fußball“, sagt Nico Argauer, Torjäger beim Bezirksligisten SC Luhe-Wildenau. Er werde zwar die deutschen Spiele anschauen, aber so richtig im WM-Flow sei er nicht. Sven Kopp, Kapitän der SpVgg SV Weiden, ist laut eigener Aussage kein Fan dieser Weltmeisterschaft. „Es ist die Jahreszeit, die keine Stimmung aufkommen lässt. Man denkt an alles andere jetzt, nur nicht an Fußball.“ Bisher sei auch kein gemeinsames Fernsehschauen mit der Mannschaft geplant. Kopp ist gegen einen TV-Boykott der Spiele. „Das bringt jetzt nichts mehr. Die Proteste gegen die WM kamen viel zu spät.“

Lieber Hochzeiten

Viele Kneippen und Sportheime üben sich diesmal auch beim Public Viewing mit Enthaltsamkeit. Bei Jürgen Füssl, dem Wirt der d’Wirtschaft in Altenstadt, hat das aber weniger mit Menschenrechten in Katar zu tun. „Wir machen das prinzipiell nicht mehr, aber aus Gründen der Planbarkeit. Da ziehe ich Familienfeiern vor. Da weiß ich, was ich planen muss.“ Immerhin läuft während der WM im Gastraum ein Fernseher – „aber ohne Ton“, sagt der Wirt. Andere Lokalitäten wie das Weidener Hemingway werden die Spiele schon übertragen – zum Teil sogar auf Großleinwand.

Dennoch: auf eine ähnliche Begeisterung wie während vieler vorheriger Meisterschaften wird man diesmal wohl vergeblich warten. Es sei denn, die deutsche Nationalelf holt den Titel. Aber wer glaubt schon an Märchen…

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