AsF und SPD fordern eine Energiewende im Landkreis Tirschenreuth

Erbendorf. Den Sozialdemokraten ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien wichtig. Deshalb hatten der AsF- und der SPD-Kreisverband am Donnerstag ins Hotel Aribo zur Infoveranstaltung "Die Energiewende im Landkreis aktiv gestalten" eingeladen.

Bernhard Schmidt von NEW erläuterte den Besuchern die Notwendigkeit des Ausbaus der Erneuerbaren Energien auf regionaler Ebene. Foto: Udo Fürst
Bernhard Schmidt von NEW erläuterte den Besuchern die Notwendigkeit des Ausbaus der Erneuerbaren Energien auf regionaler Ebene. Foto: Udo Fürst
Die AsF-Kreisvorsitzende Petra Thomas bedankte sich bei den Referenten mit einem kleinen Geschenk. Foto: Udo Fürst
Die AsF-Kreisvorsitzende Petra Thomas bedankte sich bei den Referenten mit einem kleinen Geschenk. Foto: Udo Fürst
Birgit Grünbauer von der NES referierte über den geplanten Windpark Silberschlag im Hessenreuther Wald. Foto: Udo Fürst
Birgit Grünbauer von der NES referierte über den geplanten Windpark Silberschlag im Hessenreuther Wald. Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Birgit Grünbauer von der NES referierte über den geplanten Windpark Silberschlag im Hessenreuther Wald. Foto: Udo Fürst

Als fachkundige Referenten hatte die Organisatorin des Abends, die AsF-Kreisvorsitzende und Erbendorfer SPD-Chefin Petra Thomas, Bernhard Schmidt, Geschäftsführer der NEW (Neue Energien West), sowie Birgit Grünbauer und Albert Nikol vom Windparkprojektanden NES (Natural Energy Solutions) gewonnen. Unter den Gästen waren auch SPD-Kreisvorsitzender Uli Roth, Bezirksrätin Brigitte Scharf, Erbendorfs dritter Bürgermeister Reinhold Kastner, SPD-Landtagskandidat Karl-Georg Haubelt sowie Abordnungen von SPD-Ortsvereinen, Grünen und Freien Wählern.

Vernünftiger Mix

„Wir hatten heute 14 Grad. Am 10. November. Ist das normal?“, fragte Bernhard Schmidt eher rhetorisch in die Runde der zahlreichen Besucher. „Die Strom- und Energiepreise steigen um das Doppelte und Dreifache. Wo soll das hinführen? Wir brauchen eine durchgreifende Energiewende mit einem Mix aus Wind- und Sonnenkraft, unterstützt von Nahwärmenetzen, Biogas und Wasserkraft.“ Schmidt stellte die NEW mit ihren 20 Mitgliedskommunen, zwei Stadtwerken und der Bürgergenossenschaft vor. „Mit 1802 Mitgliedern sind wir die Nummer eins unter den Energiegenossenschaften in Bayern.“

Respektable Zahlen der NEW

Überaus respektabel sind die Zahlen der NEW, die Schmidt per Powerpoint präsentiert: 75 Millionen Euro Bilanzsumme, 24 Millionen Euro regionales Kapital, 42 Megawatt Peak (MWp) Leistung aus Sonnenenergie und 4,8 MWp aus Windkraft. Und die Ziele der NEW sind ambitioniert: Geplant sind weitere 130 MWp aus Sonnen- und 50 MWp aus Windenergie in den nächsten Jahren. „Es tut sich was auf diesem Sektor. Wir müssen aber weitermachen und zusammenarbeiten, um eine langfristige Energiewende zu schaffen“, betonte der NEW-Geschäftsführer. Als derzeit noch großes Problem sieht Schmidt die Speicherung des erzeugten Stroms. „Dafür planen wir Umspannwerke, mit denen wir unseren Strom ins Netz einspeisen können.“ Unabdingbar seien aber auch bessere Speichermöglichkeiten.

Schließlich präsentierte Schmidt noch einen interessanten Vergleich: Mit 32 Windrädern könnte man den kompletten jährlichen Stromverbrauch im Landkreis Tirschenreuth von circa 460 Millionen Kilowattstunden abdecken.

„Pioniere und Vordenker“

Karl-Georg Haubelt berichtete über seine Erfahrungen mit der Bürgerenergie Mittlere Oberpfalz, die er vor zwölf Jahren mitgegründet habe. Seither habe man immer zwischen vier bis sechs Prozent Rendite an die Mitglieder ausschütten können. Rein rechnerisch könnten die Anlagen der Bürgergenossenschaft den Strombedarf der Städte Nabburg und Pfreimd abdecken. „Wichtig dabei ist, wie überall, die Bürger mitzunehmen. Nur so ist die für eine Energiewende erforderliche Akzeptanz zu schaffen. Wir müssen Pioniere und Vordenker auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien im Landkreis Tirschenreuth sein.“

Erster Antrag 2016

Detailliert erläuterte Birgit Grünbauer das NES-Windparkprojekt im Hessenreuther Wald, dessen Ursprünge bis ins Jahr 2011 zurückreichten (siehe auch https://www.oberpfalzecho.de/beitrag/es-wird-konkret-mit-den-windraedern-im-hessenreuther-wald). 2016 habe man den ersten Antrag für sieben Windräder an das Landratsamt gestellt, ein Jahr später habe man von vorn beginnen müssen. „Nach umfangreichen Untersuchungen, neuen Gutachten und Analysen haben wir im Februar 2022 einen neuen Genehmigungsantrag gestellt. Wenn der im nächsten Jahr genehmigt wird, könnten wir 2023 mit dem Bau beginnen und die Anlage im Idealfall ab 2025 in Betrieb nehmen.“

„Die Energiewende im Landkreis aktiv gestalten“, hieß die Infoveranstaltung der SPD im Hotel Aribo. Foto: Udo Fürst

Wenig Fläche, großer Ertrag

Für die acht Windräder würden laut Grünbauer dauerhaft nur 1,9 Hektar Fläche benötigt. „Das ist verschwindend wenig angesichts der Gesamtgröße des Hessenreuther Waldes von 6200 Hektar.“ Und die NES-Geschäftsführerin hatte noch einen Vergleich parat: Der Ausbau der B 299 durch den Hessenreuther Wald hat 48 Hektar Wald verschlungen. Man halte auch die 10h-Regel ein, obwohl die mittlerweile hinfällig sei. Der Windpark hätte eine Leistung von 6,0 bis 6,2 Megawatt. Ein Windrad erzeugt zwischen 1,5 und 1,9 Millionen Kilowattstunden im Jahr Strom, insgesamt also circa 135 Millionen Kilowattstunden. „Das ist ein Viertel des rechnerischen Stromverbrauchs des gesamten Landkreises Tirschenreuth“, betonte die NES-Geschäftsführerin.

„Falsche Informationen“

„Das sind beeindruckende Zahlen und logisch-schlüssige Erklärungen. Ich frage mich, warum es dann noch immer Widerstand gegen die Windenergie gibt“, sagte Petra Thomas. „Aus Angst vor Veränderungen und weil bestimmte Leute ganz laut gegen das Projekt anschreien und mit falschen Informationen arbeiten“, bedauerte Grünbauer. Uli Roth erklärte, dass im Kreistag eine Allianz aus SPD, Grünen, Freien Wählern und ÖDP pro Windenergie sei. „Leider ist die Mehrheit von CSU und Zukunft bisher gegen alle Windkraftpläne.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag hielt ein Plädoyer für das Ende der fossilen Verbrennung und für den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Landkreis. Er wetterte gegen die sogenannte Sicherstellung im Windenergie-Antragsverfahren, mit dem Projekte bis zu vier Jahre verhindert werden können. „Die Vorhaben sind im Landkreis absichtlich ausgebremst, torpediert und behindert worden.“

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