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"Aufgeschobener" Kaffee: Solidarität mit Bedürftigen in Weidener Tassen

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Weiden. 'Suspended Coffee' (aufgeschobener Kaffee) heißt eine internationale Solidaritätsaktion. Das Prinzip dabei ist einfach: Ein Café-Gast bestellt sich zwei Kaffees, einen davon trinkt er selbst, den anderen 'schiebt' er als Gutschein für einen unbekannten Bedürftigen auf. Mit dem Café Parapluie feiert die Aktion nun auch in Weiden Premiere. Wir sprachen mit Inhaber Bernd Mende und seiner Lebensgefährtin Sabine König über die Idee. 

von Chris Sternitzke

Betritt man das Weidener Café Parapluie (Hinter der Bahn 9b), so fällt einem nur wenige Schritte nach der Eingangstür auf der rechten Seite eine Kreidetafel mit vielen kleinen orangen Zetteln ins Auge. Auf den Zetteln steht beispielsweise 'Gutschein für einen großen Kaffee', 'Gutschein für eine Tasse Tee' oder auch 'Gutschein für eine Breze'. So sieht der Weidener Beitrag zur Teilnahme an der weltweiten Aktion 'Suspended Coffee' aus.

Kaffee_Brett, Parapluie Gleich 13 'aufgeschobene' Getränke und Snacks warten im Café Parapluie auf die Abholung durch bedürftige Menschen. Bild: Chris Sternitzke

Internationale Solidaritätsaktion

Die Solidaritätsaktion ist schnell erklärt: Café- oder Restaurantgäste bestellen beim Kellner zwei Getränke. Ein Getränk für den eigenen Verzehr, das zweite bezahlen sie und 'schieben' es in Form eines Gutscheins auf. Empfänger der Gutscheine sind Menschen mit einem 'kleinen Geldbeutel', um auch mal in den Genuss eines Getränks in einem Café zu kommen. Das Prinzip gibt es schon sehr lange und entstand im süditalienischen Neapel unter dem Namen Caffè sospeso. International bekannt wurde die Aktion vor wenigen Jahren. Sie wurde 'befeuert', wie viele Trends heutzutage durch das Internet, als der Ire John M. Sweeney die Seite suspendedcoffees.com gründete. In Deutschland ging die Seite unter www.suspendedcoffee.de im November 2013 an den Start. Mittlerweile sind auf der Seite mehr als 200 Cafés und Restaurants gelistet. Auch die Facebook-Seite erfreut sich mit rund 8.500 Followern großer Beliebtheit.

Arbeitskollege der Lebensgefährtin mit Vorschlag

Mit dem Parapluie nimmt nun das erste Weidener Café an der Aktion teil. "Irgendwann musste ja mal jemand anfangen", merkt Inhaber Bernd Mende an. Neben dem Parapluie ist aus der Region noch der Fuchsmühler Gasthof Weißenstein (Landkreis Tirschenreuth) auf der 'Suspended-Coffee-Seite' gelistet. Mende und seine Lebensgefährtin Sabine König kamen über einen Arbeitskollegen Königs auf die Idee das Konzept im eigenen Café einzuführen. Der Kollege meinte, dass man den 'aufgeschobenen' Kaffee doch auch hier einführen könnte.

„Wir haben den Vorschlag dann spontan angenommen, da wir das für eine gute Idee halten"

blickt Mende zurück. Die Umsetzung ging schnell, nur eine Woche später hing die Tafel. Der Inhaber erklärte, dass die Gutscheine nicht nur auf Kaffee beschränkt sind. Genauso können Gäste Tees, Saftschorlen oder kleine Snacks wie Brezen 'aufschieben'. Nur alkoholische Getränke sind nachvollziehbarer Weise nicht möglich. Die Bedürftigen müssen nur einen Gutschein von der Tafel ziehen und ihn anstatt der Bezahlung beim Café-Personal einlösen.

Kaffeetablett parapluie Kaffee Das Hauptziel von Bernd Mende ist es, dass die Menschen einfach mal wieder einen Kaffee oder andere alkoholfreie Getränke 'unter Leuten' trinken. Bild: Chris Sternitzke

Bedürftige sollen in Gesellschaft kommen

Die Motivation zur Einführung ist für den Besitzer und seine Lebensgefährtin darin begründet, dass sie das Prinzip überzeugt: Somit können Menschen, die mit ihrem wenigen Geld kaum über die Runden kommen, auch mal ein Café besuchen. Das Wichtigste dabei ist für Mende jedoch:

„Die Menschen sollen dadurch rauskommen. Sie sollen wieder unter Leute kommen."

Er möchte, dass die Bedürftigen wieder etwas Abwechslung in ihrem gewiss nicht leichten Alltag bekommen. Eine spezielle Zielgruppe, die die Aktion ansprechen soll, gibt es für die beiden nicht. Wichtig ist nur, dass "die Leute wirklich bei knapper Kasse sind" erklären sie. Spezielle Kontrollkriterien, wann jemand 'bedürftig' ist, gibt es nicht. Das will Mende und Personal aus dem 'Bauch heraus' entscheiden. "Erst einmal muss man davon ausgehen, dass jemand der kommt, auch bedürftig ist", bekräftigt der Wirt. Auf der 'Geberseite' wird der 'aufgeschobene' Kaffee gut angenommen, das beweisen die insgesamt 13 Zettel an der Kreidetafel.

Gutscheine bislang wenig in Anspruch genommen

Jedoch wurde bislang erst ein Gutschein eingelöst, wie der Café-Besitzer berichtet. Ein Bekannter von Bernd Mende wusste von der Aktion. Nach einem schweren Unfall war das Getränk in der Gesellschaft eine willkommene Abwechslung für den Gast. Schade ist, dass noch nicht häufiger von den Gutscheinen Gebrauch gemacht wurde – besitzt doch Weiden eine bekanntlich hohe Quote an Menschen in Grundsicherung. Der Inhaber führt diesen Umstand auf zwei Faktoren zurück: "Zum einen ist die Aktion noch relativ unbekannt. Die Leute müssen erst einmal von der Möglichkeit Bescheid wissen. Zum anderen ist es die Hemmschwelle." Er vermutet, dass es hier den Menschen etwas schwerer fällt sich als bedürftig auszugeben als in Großstädten, da in der Region die Aktion noch nicht so gewachsen ist. In den großen Städten ist der 'aufgeschobene' Kaffee laut dem Gastwirt mit mehreren teilnehmenden Cafés eher verankert, weshalb auch mehr Menschen mitmachen.

Mende hofft auf größeren Bekanntheitsgrad und weitere Cafés

Um auf das Konzept aufmerksam zu machen, hat sich Mende bislang auf der Internetseite der Aktion eintragen lassen. Er hofft, dass sich die potenziellen Gutschein-Abnehmer dort am ehesten umschauen. Ansonsten hat der Inhaber noch keine Maßnahmen ergriffen. Der Gastwirt merkt jedoch an:"Wir wollen uns in Ruhe noch einmal Gedanken machen, wie man das mehr publik machen kann." Die zentrale Frage für ihn ist jedoch, wie man die bedürftige Personengruppe am besten erreicht. Um den 'aufgeschobenen' Kaffee weiter zu fördern, appelliert der Parapluie-Inhaber jedoch auch an weitere Gastronomen:

"Wir hoffen und wünschen uns unbedingt, dass mehrere Cafés und Bäckereien der Stadt mitmachen."

"Dann trauen sich die Leute auch eher", legt Lebensgefährtin Sabine König nach. So bleibt zu hoffen, dass einige Gastronomen Mendes Aufruf folgen und die Bedürftigen auch den Mut dazu besitzen, die Gutscheine einzulösen. Denn jeder sollte doch das Anrecht haben, ein paar schöne Momente in einem Café oder Restaurant zu verbringen. Wer weiß, vielleicht sind die Kreidetafeln mit den Gutscheinen ja bald ein gewohntes Bild in den Weidener Cafés und Restaurants.

Wirtsleute Parapluie Sabine König und Bernd Mende hoffen, dass auch andere Gastronomen in Weiden dem Parapluie folgen und die Aktion einfügen. Bild: Chris Sternitzke

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