Aus dem Leben eines Weidener Skaters

Weiden. Im Internet werden sie gut geklickt: Videos von spektakulären Tricks, außergewöhnlichen Sprüngen und erstaunlicher Balancearbeit auf dem Board. Skateboarder präsentieren ihr Können und begeistern mit ihrem Talent. Einen dieser Boardkünstler haben wir sogar direkt in unserer Mitte: Christian Neidhardt. Wir haben den 24-Jährigen zu Hause in Weiden besucht und mit ihm über das Skaten, seine Erfolge und seine Projekte gesprochen. 

Von Kristine Mann

https://www.youtube.com/watch?v=pXANWPSyzrk

Man betritt das Zimmer und erkennt es auf den ersten Blick: Hier wohnt ein Skater. Sein Name? Christian Neidhardt. Coole Caps und lässige Klamotten. Pässe von Skateveranstaltungen, die er besucht hat. Im Regal noch verpackte Wheels, ein Muss in der Skateausrüstung. Und natürlich: Skateboards. Nicht nur im Skatepark macht sich das Board gut, sondern auch als Zimmerdekoration. Sieben Skateboards zähle ich im Raum: Eins hängt über dem Bett. Fünf weitere an der Wand daneben. Eins lehnt an das Regal. An jedem einzelnen Stück hängen besondere Erinnerungen. Jedes einzelne von ihnen erzählt seine eigene kleine Geschichte. Christian greift nach dem Board, das an das Regal lehnt und erzählt:

Dieses Skateboard habe ich von Luan Oliviera geschenkt bekommen. Wir sind uns auf einer Meisterschaft in Berlin begegnet und ins Gespräch gekommen. Irgendwann hat er einfach gesagt, ich kann sein Board behalten.

Luan Oliviera. Den Namen kennt man in der Skaterszene. Er ist Profiskater und kommt aus Brasilien. Da wird selbst Christian, der selber viele Follower auf Twitter hat, zum Fan. Wenn Christian auf Meisterschaften oder andere Skateveranstaltungen fährt, kann man sich das so vorstellen, als würde man eine Gala-Veranstaltung mit Hollywood-Schauspielern besuchen. Dort treffen sich alle Skater, Fans und auch viele Prominente sind mit dabei. Man kennt sich unter einander: „Skater sind meistens alle sehr herzlich und man wird überall schnell aufgenommen“, so Christian.

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Christian Neidhardt

Instagram, Fans und Sponsoren

Ständig vibriert sein Handy und der Bildschirm leuchtet auf: „Auf Instagramm geht’s gut ab.“, sagt Christian und lacht. Inzwischen hat er eine stolze Fangemeinde von gut 35.000 Followern. Andere Skater, Fans und Leute aus aller Welt. Auf Instagram teilt er Bilder, Videos und seinen Alltag und kommt damit gut an. Aber nicht nur Freunde und Fans können auf diese Weise dem Skater folgen, auch neue Sponsoren können Kontakt zu dem 24-Jährigen aufnehmen.

Momentan wird Christian von Sponsoren wie iksdehStance, TXSports und SK8CTS von Oben bis Unten ausgestattet. Caps, Pullis, Schuhe, Klamotten – alles Markenstücke – Boards, Wheels, sogar Boxershorts und Socken:

Wenn ich ein Paket von einem Sponsor bekomme, ist das jedes Mal wie Weihnachten. Das ist schon ziemlich cool. Ich muss mir wirklich nichts mehr selber kaufen.

erzählt Christian mit einem breiten Lächeln, „Oft weiß ich schon gar nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug“. Die leeren Kartons stapeln sich schon im Büro. Am wichtigsten ist Christian aber sowieso, auch etwas zurückzugeben: Pullis oder Schuhe trägt er ein paar Mal und verschenkt sie dann an diejenigen, die ihn groß gemacht haben: Seine Kumpels.

Ich wäre nichts ohne meine Freunde.

so sagt er. Oft begleiten diese ihn auf seinen Touren zu Meisterschaften & Co. Von Anfang an geben sie ihm Rückhalt, unterstützen und motivieren Christian. Als Dank für die jahrelange Unterstützung gibt es dann Klamotten und Skateboards als Geschenk.

Zweiter Platz in Tschechien, Pokalgewinn in Nürnberg

Seit nun schon neun Jahren fährt Christian Skateboard. Durch Freunde ist er darauf gekommen, das Skaten auszuprobieren. Anfangs war es ein cooles Hobby und Spaß – was es natürlich auch heute noch immer ist – Christian zeigte aber ein gewisses Talent auf dem Board und inzwischen ist es eine große Leidenschaft. Für ihn vermittelt Skaten ein Lebensgefühl:

Beim Skaten hat man einfach eine gute Zeit. Es hält fit, ich komme dabei runter und ich fühle mich frei.

sagt Christian. Zwei bis drei Jahre hat es gedauert, bis er auch an Meisterschaften teilgenommen hat. Heute ist er so gut wie jedes Wochenende mit dem Skateboard unterwegs. Oft und gern fährt er nach Berlin, man kann sagen die „Skatemetropole“ in Deutschland. Er tourt inzwischen aber in ganz Deutschland und ist auch international auf Wettbewerben vertreten: Bei einem tschechischen Contest in Kynsperk belegte Christian den zweiten Platz. Bei einer Meisterschaft in Nürnberg holte er sogar den Titel. Der Pokal wird in einem blau beleuchteten Regal in seinem Zimmer in Szene gesetzt:

Zuerst habe ich mich erst gar nicht so fit gefühlt und war nicht so motiviert beim Practice – so nennt man das Einfahren beim Skaten. Aber dann hat es mich doch gepackt und am Ende habe ich sogar gewonnen. Es ist schon ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man dann seinen eigenen Namen bei der Siegerehrung hört.

erinnert sich der 24-Jährige und lächelt.

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Neues Projekt: Skatekurse für Anfänger

Christian hat sich damals das Skaten selbst beigebracht. Jetzt möchte er sein Talent aber mit anderen teilen: „Immer wieder kommen Kiddies auf mich zu und wollen, dass ich ihnen ein paar Tricks zeige.“ Und zukünftig können Kinder ab 5 Jahren sogar vom Profi lernen: An der KISS-Sportschule in Weiden soll es bald Skatekurse für Anfänger geben. Anfangs einmal in der Woche, später auch zwei- bis dreimal wöchentlich. Und die Resonanz ist groß: Bisher sind 200-400 Anfragen eingegangen, was Christian natürlich sehr freut: „Skaten ist auf jeden Fall eine sinnvolle Beschäftigung. Ich finde, Jugendliche heutzutage wissen oft gar nicht mehr, was sie anstellen sollen. Beim Skaten kommt man nicht auf dumme Gedanken.“

Eine guter Zeitpunkt und gute Gelegenheit, um den kaputten Skatepark beim Jugendzentrum aufzupolieren. Christian skatet in seiner Freizeit momentan lieber in Tirschenreuth oder in Waldsassen: „Der Skatepark in Weiden ist einfach schon zu heruntergekommen“, sagt er. Seit längerer Zeit setzt er sich schon dafür ein, dass der Park hergerichtet wird und endlich tut sich auch langsam etwas: Demnächst soll bei der Stadt eine Ratssitzung stattfinden, wo über Umbauarbeiten am Weidener Skatepark gesprochen werden soll. Christians Skatekurse sollen dann auch dort angeboten werden. Mit einem neuen Skatepark lebt sicher auch das skatebegeisterte Publikum weiter auf.

Ein Stück „Neidhardt“ am Ringfinger

Wenn man viel skatet ist natürlich auch der Verschleiß an Skateboards groß. Dank seiner Sponsoren muss sich Christian keine Sorgen um die Versorgung mit neuen Skateboards machen, aber was passiert mit abgenutzen Boards, wenn sie nicht gerade die Wand zieren? Christian schickt einige seiner Skateboards an eine Schweizer Firma.

Die haben sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Ein Board besteht aus mehreren Schichten – ein Stück vom Board wird herausgeschnitten und in einen Edelstahlring eingesetzt. Christians Name kann auch in die Innenseite graviert werden. Die fertigen Ringe werden dann verkauft. Das sieht nicht nur sehr stylisch aus, die Skateboards werden auf diese Weise wiederverwendet und man kann ein Stück von seinem Idol um den Finger tragen.

Und was plant Christian für 2016?

Neben den Skatekursen für Anfänger habe ich noch einige andere Projekte mit Sponsoren geplant, zum Beispiel einen Videodreh. Auf dem Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Grafenwöhr bin ich außerdem an einem Stand vertreten. Ich möchte dieses Jahr wieder viel Skaten, viel Reisen – vielleicht zu einen Contest in Spanien – die Welt erkunden und einfach das Leben genießen.

Früher mal ein Skateboard – heute Teil eines Rings: So sehen die fertigen Stücke aus. Coole Idee, oder?

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