Auto auf der A93 gestoppt: Lauter als ein Presslufthammer

Neustadt/WN. Die Verkehrspolizeiinspektion Weiden konnte am Donnerstag auf der A 93 einen technisch manipulierten Wagen mit extremer Lautstärke und Flammenstößen aus der Auspuffanlage aus dem Verkehr ziehen.

Symbolbild: pixabay

Am Donnerstag vergangene Woche erhielt die Verkehrspolizeiinspektion Weiden gegen 17 Uhr die Mitteilung eines Verkehrsteilnehmers aus dem Raum Neustadt/WN. Der Fahrzeugführer war zu diesem Zeitpunkt auf der A93 in Richtung Hochfranken unterwegs und berichtete am Telefon, dass ihn soeben ein Wagen mit extremer Lautstärke und Fehlzündungen begleitet mit Flammenstößen aus dem Auspuff überholte.

Das Fahrzeug, ein Audi älteren Baujahres, konnte bereits kurz darauf durch die Streife der Verkehrspolizeiinspektion auf der Autobahn auf Höhe von Windischeschenbach zur Kontrolle angehalten werden. Die fachkundigen Beamten stellten sofort fest, dass die akustische Darbietung nicht auf einen Defekt, sondern auf eine bewusste Manipulation zurückzuführen war. Dem wenig einsichtigen Fahrzeugführer wurde deshalb die Weiterfahrt untersagt und das Fahrzeug zur Anfertigung eines Gutachtens sichergestellt.

Note für das Auto: absolut mangelhaft

Der Verdacht der Beamten wurde durch einen amtlichen Gutachter bestätigt. An der Auspuffanlage des Fahrzeuges wurden alle schalldämpfenden Einrichtungen entfernt und der eingebaute Katalysator durch ein einfaches Verbindungsrohr ersetzt. Bei der Schallpegelmessung wurden anstatt der ursprünglich für das Fahrzeug angegeben 73 Dezibel 103 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer erreicht in einer Entfernung von sieben Metern einen Wert von 100 Dezibel.

Neben diesem akustischen Höhepunkt fanden sich weitere gravierende Mängel am Fahrzeug. Defekte Bremsen, Scheinwerfer und ausgeschlagene Querlenker wurden durch den Sachverständigen attestiert.

Ein teures „Vergnügen“

Zu den erheblichen Kosten für Reparatur und Rückbau der Veränderungen kommt nun auch ein beträchtliches Bußgeld in Höhe eines dreistelligen Eurobetrages und das Punktekonto in Flensburg dürfte sich auch erhöhen. Die Manipulationen führen zudem zum Erlöschen der Betriebserlaubnis für das Fahrzeug.

Autoposing und -tuning

Gezielte Veränderungen an Fahrzeugen mit dem Zweck Aufsehen zu erregen gehört seit einigen Jahren zum Alltagsgeschäft der Verkehrspolizeidienststellen. Das sogenannte Autoposing und -tuning veranlasst meist junge Fahrerinnen und Fahrer, Autos sowohl optisch als auch technisch „aufzuwerten“. Dabei wird oft auch der Rahmen der legal zulässigen durch technische beziehungsweise elektronische Veränderungen überschritten und führt zu einem Erlöschen der Betriebserlaubnis.

Unerlaubte Manipulationen an Motoren, Abgaseinrichtungen und Fahrwerken zeigen sich nicht nur durch Belästigungen, wie im vorliegenden Fall, sondern bergen auch erhebliche Gefahren für die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer.

Eigene Kontrollgruppe eingerichtet

Das Polizeipräsidium Oberpfalz hat gerade zur Bekämpfung dieses Phänomens eine Kontrollgruppe Tuning/Posing eingerichtet. Fachlich versierte Beamte führen regelmäßig gezielte Kontrollaktionen, insbesondere an Treffpunkten oder bei Veranstaltungen der Poser- und Tuningszene durch, um drohenden Gefahrensituationen vorzubeugen und festgestellte Verstöße zu ahnden und manipulierte Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen.

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1 Kommentare

Beobachter - 18.11.2022

Interessant finde ich, dass z.B. in Griechenland dies – meine Vermutung – zum guten Ton gehört.
Je lauter dort Autos und Motorräder, desto sicherer anscheinend.
Und die sind dort wirklich LAUT!!

Obwohl diese „Sicherheit“ bei den extrem gut und mehrreihig ausgeleuchteten Autobahnen, Autobahnkreuzen und Küstenstraßen sicher nicht notwendig wäre.
😉

Oder aber auch einfach keinen TÜV oder irgendwelche „Aufseher…“

Naja – bin gespannt, wie der inflationsbedingte Zustand unserer Fahrzeuge in einigen Jahren sein wird.