Bärnau könnte schon bald Universitätsstadt sein!

Bärnau. Der Verein Via Carolina e. V. will sein zweites grenzüberschreitendes Großprojekt auf den Weg bringen: einen gemeinsamen Lehr-und Lernort für Studenten der Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag sowie für die breite Öffentlichkeit beiderseits der Grenze.

Nachdem alle genannten Universitäten ihren Wunsch nach einer langfristigen und nachhaltigen Zusammenarbeit geäußert und in einem gemeinsamen Memorandum festgehalten haben, wurde im Rahmen des EU-Programms zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit Freistaat Bayern – Tschechische Republik Ziel ETZ 2014-2020 ein gemeinsamer Förderantrag gestellt, über den Mitte Dezember im Lenkungsausschuss entschieden wird. Falls das Projekt bewilligt wird, wäre Bärnau ab dem nächsten Jahr Hochschulstandort.

Geschichtspark Bärnau-Tachov, Universitätsstandort
Bärnau könnte schon bald Universitätsstadt sein! Wenn das Projekt bewilligt wird, ist es schon 2017 soweit. Die Verantwortlichen haben den Antrag bereits gestellt.

Dazu will der Verein dem Geschichtspark Bärnau-Tachov, mittlerweile Deutschlands größtem Freilichtmuseum, das „Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen“ zur Seite stellen. Dieses wird aus einer Archäo-Werkstatt und einer mittelalterlichen Dauerbaustelle bestehen und nicht nur der Vernetzung deutscher und tschechischer Wissenschaftler und Studenten im Bereich Experimentelle Archäologie dienen, sondern möchte auch bei der breiten Öffentlichkeit das Bewusstsein für die gemeinsame regionale Identität wieder wecken.

Das Besondere an diesem Zentrum: Hier werden auch erfahrene Laien in den Lernprozess eingebunden, die zum Teil bereits langjährige Erfahrung im Bereich der experimentellen Archäologie haben. Damit entsteht ein binationaler Wissenspool für diese Sparte, der in dieser Art einmalig ist.

Vision einer bayerisch-böhmischen Universität

Die bayerische Staatsregierung wünscht sich seit langem eine bessere wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tschechien. In seinem Entwicklungsgutachten zum bayerisch-tschechischen Grenzraum, das Heimatminister Markus Söder im Februar 2016 in Weiden vorgestellt hat, entwarf er sogar die Vision einer bayerisch-böhmischen Universität. Deshalb begrüßt das Heimatministerium den Vorstoß des Vereins nicht nur ausdrücklich, sondern fördert im Rahmen der Innovations-und Netzwerkinitiative Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen auch zweisprachiges Personal, das den Förderantrag für das neue Großprojekt vorbereitet und fristgerecht eingereicht hat. Wenn das 3,3-Millionen-Euro-Projekt bewilligt wird, startet die Umsetzung im Januar 2017, die gesamte Projektlaufzeit beträgt 3 Jahre.

Auf einer Pressekonferenz stellte der Vereinsvorsitzende Alfred Wolf zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter des Geschichtsparks, Stefan Wolters, sowie den Projektmanagern Magdalena Becher und Václav Vrbík mit Vertretern der beteiligten Universitäten und des Landkreises das Vorhaben vor. Ziel ist es, den gemeinsamen Kulturraum zu bewahren, zu visualisieren und in Wert zu setzen. Die Archäo-Werkstatt steht den Studenten aller beteiligten Universitäten zur Verfügung, um Fundstücke zu analysieren, katalogisieren und zu diskutieren.

Dauerbaustelle mittelalterliche Reisestation

Auf der mittelalterlichen Dauerbaustelle soll auf einer Fläche von 30 mal 40 Metern mit Originalwerkzeugen unter fachkundiger Anleitung eine mittelalterliche Reisestation Karls IV. an der Goldenen Straße nachgebaut werden. Das Konzept dazu werden die bayerischen und tschechischen Wissenschaftler gemeinsam entwickeln.

Abgerundet wird das Konzept des Archäo-Zentrums Bayern-Böhmen durch ein vielfältiges Angebot von rund 200 Veranstaltungen, die in Bärnau, Tachov, Pilsen und anderen Orten im Fördergebiet stattfinden werden.

Grenzregion profitiert dreifach

So erfreulich dies für die Wissenschaft ist: Auch die Grenzregion am ehemaligen eisernen Vorhang profitiert davon, und das sogar dreifach. Denn alleine das Bauvorhaben in Bärnau hat ein Investitionsvolumen in Höhe von 2,5 Mio. Euro. Zudem werden Studenten während eines Praxissemesters in der Stadt wohnen und konsumieren. Und auch der Fremdenverkehr wird weiter angekurbelt, denn die archäologische Dauerbaustelle wird den bestehenden Geschichtspark um ein weiteres Zeitfenster bereichern, so dass dort dann neben deutsch-slawischen Siedlungen aus dem 9., 11. und 13. Jahrhundert mit der mittelalterlichen Reisestation auch das 14. Jahrhundert abgebildet sein wird.

Der Geschichtspark konnte seit seiner Eröffnung im Jahr 2010 bereits mehr als 90.000 Besucher verzeichnen und ist damit zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Jedes Jahr kommen rund 390 Gruppen zu Führungen. Sie können dort Bauten, die nach archäologischen Funden rekonstruiert wurden, nicht nur von außen besichtigen, sondern diese auch betreten. Bei vielen Veranstaltungen sind diese Häuser von Mittelalter-Darstellern bewohnt, so dass die Besucher „live“ den Alltag vor rund 1.000 Jahren erleben.

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