Berufsschule der Zukunft: Wird aus der Stoa- vielleicht noch eine Holzpfalz?

Neustadt/WN: Zwei Tage lang hatten sich die CSU- und die JU-Kreistagsfraktionen zur Klausursitzung in den Landgasthof Goldenes Kreuz in Saubersrieth zurückgezogen. Neben dem geplanten Berufsschulzentrum stand die Energieversorgung des Landkreises im Mittelpunkt des Treffens.

Stellten jetzt die Ergebnisse der CSU-Klausurtagung vor (von links): Severin Hirmer, Gerald Morgenstern, Edgar Knobloch, Dr. Stephan Oetzinger und Andreas Meier. Foto: Theo Kurtz

Die Ergebnisse der Tagung stellte jetzt der Fraktionsvorsitzende und Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch in einem Pressegespräch vor. Mit am Gesprächstisch saßen Landrat Andreas Meier, der Landtagsabgeordnete Dr. Stephan Oetzinger, JU-Fraktionschef Severin Hirmer und Knoblochs Stellvertreter Gerald Morgenstern.

Erst Ende Januar hatten der Landrat und der Weidener Oberbürgermeister Jens Meyer eine Absichtserklärung unterzeichnet und damit den Willen für das gemeinsame millionenschwere Schulprojekt zum Ausdruck gebracht.

„Wir wollten jetzt unsere Kreisräte darüber umfassend informieren und alle Aspekte beleuchten“, erläuterte Knobloch. Dazu hatte die CSU Referenten eingeladen, die aus ihrer Sicht das Vorhaben bewerteten. Darunter war mit Marco Renner ein Vertreter der Regierung der Oberpfalz. Und der signalisierte schon mal die Unterstützung aus Regensburg. „Uns wurde ein zügiger Bescheid zugesichert“, berichtet Knobloch.

Fantasie ist gefragt

Das geplante Großprojekt jedenfalls lässt jede Menge Platz für Fantasien. Ähnlich wie die OTH Amberg-Weiden, könnte die Bildungsstätte Vorbildfunktion für nichtakademische Berufe haben, und, wie die Hochschule auch, Erfolgsgeschichte schreiben. Heute drücken an der OTH mehr als viermal so viele Studenten die Hochschulbank wie beim Start im Jahr 1995.

Diskutiert wurde in Saubersrieht, wohin die Baureise gehen könnte. Muss es ein großes Zentrum geben, oder kann man bereits vorhandene Infrastruktur nutzen? „Vielleicht muss man die Form der Beschulung ja grundsätzlich überdenken“, meinte Meier. Und auch das Ausbildungsangebot muss ein anderes sein, neue Berufe sollen in der „Schule der Zukunft“ in den Fokus rücken. Denn gerade im Handwerk schreitet die Digitalisierung und Automatisierung rasant voran. Das unterstrich Adrian Blödt. Er ist Obermeister der Zimmerer in der Bauinnung und war zur Klausursitzung eingeladen worden.

Welche Berufe braucht die Region?

Welche Berufe braucht aber die Region? Auch dieser Frage ging man in Saubersrieth nach und stellte fest, dass der Rohstoff Holz eine tragende wirtschaftliche Rolle spielt. So könnte die Berufsschule etwa zum Holz-Cluster werden. „Vielleicht wird ja aus der Stoa- noch eine Holzpfalz“, merkte Landrat Meier beim Pressegespräch augenzwinkernd an. Im Landratsamt wird bereits fleißig an einer Machbarkeitsstudie für das auf 100 Millionen Euro geschätzte Vorhaben gearbeitet. Bis zum Ende des Jahres könnte sie vorliegen.

Windenergie ist nicht grundlastfähig

Zweites Schwerpunktthema der Klausurtagung war die Energieversorgung im Landkreis. Professor Markus Brautsch, Leiter des Instituts für Energietechnik an der OTH in Amberg, referierte über die Vor- und Nachteile der Windenergie. Sie ist im Gegensatz zu Photovoltaik-Anlagen auf der grünen Wiese zwar flächeneffizent und für den Betreiber höchst rentabel. Das Problem: Diese Energie ist aufgrund der Windflauten nicht grundlastfähig, Stromspitzen können aber auch nicht gespeichert werden, sondern müssen für teures Geld an den Mann gebracht werden.

Der Landkreis selbst ist mit Blick auf die Windhäufigkeit und -intensität allerdings ein ganz schlechtes Pflaster. Nur an einzelnen Stellen, direkt an der Landkreisgrenze, etwa bei Eslarn und im Hessenreuther Wald, könnte sich das Aufstellen lohnen. Brautsch hatte bei der Gelegenheit auch mit der Mär von der Energieautarkie aufgeräumt. „Dazu müssten wir alle bestehenden Kabel und Leitungen an der Landkreisgrenze kappen“, erzählt Knobloch.

Landrat Meier kündigt eigene Energiestrategie an

„Wir werden eine eigene NEW-Energiestrategie 2030 starten“, kündigte Landrat Meier an. Man werde einen digitalen Energienutzungsplan erstellen und den Kontakt zu regionalen Genossenschaften suchen. Außerdem werde man noch einen Energie- und Nachhaltigkeitsmanager einstellen. Meier will den Landkreis, der erst im vergangenen Jahr zur HyStarter Wasserstroffregion gekürt worden war, weiterentwickeln. Sein Ziel: „Wir wollen HyExpert werden.“

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1 Kommentare

Siegfried Götz - 02.05.2022

Lieber Herr Herda,

gerne lese ich Ihr „Oberpfalz-Echo“!
Im Artikel, wo Prof. Brautsch zitiert wird, bin ich mit seiner Aussage: „Stromspitzen können aber auch nicht gespeichert werden, sondern müssen für teures Geld an den Mann gebracht werden.“ , nicht einverstanden und habe ihm per email das Windstrom-Speicherprojekt in Wunsiedel genannt.
Beispiel: https://press.siemens.com/global/de/pressemitteilung/siemens-realisiert-wunsiedel-eine-der-groessten-co2-freien-wasserstoffproduktionen
Wäre ggf. mal einen Artikel aus Ihrer Feder wert, mit herzlichen Grüßen: Siegfried Götz