Büchersommer 2022: keine knuffige Klamotte – Weltliteratur vom Feinsten!

Zum Abschluss des Büchersommers möchte ich den Lesern mit dem braven Soldaten Schwejk noch eine ganz besondere Figur der Weltliteratur ans Herz legen.

Der Schwejk kann es auch mit den ganz dicken Schinken aufnehmen. Foto: Ann-Marie Zell

Als besondere Figur der Literatur hat man es oft nicht leicht. Was haben beispielsweise der Knabe Ludwig Thoma und Josef Schwejk gemeinsam? Ihre Geschichten wurden verfilmt und dem Zeitgeist entsprechend teilweise so flach und pappig-süßlich verwurschtet, dass einem schlecht werden könnte. Da blieb nicht mehr viel vom Original übrig.

Jaroslav Hasek erzählt mit entlarvendem Humor vom Horror des Krieges, der verstaubten Monarchie, dem Dünkel der Menschen, dem „alltäglichen Wahnsinn“ und einigem mehr.

Deutschlandfunk

Ein Ereignis wie den ersten Weltkrieg mit Mittel der Satire angehen? Das ist schon der sprichwörtliche Ritt auf der Rasierklinge. Denn auf der einen Seite muss man ihn einfach liebhaben, diesen einfachen und urkomischen Soldaten, der regelmäßig seinen k. und k.-Oberleutnant und mitunter den gesamten Militärapparat zur Verzweiflung treibt. Aber auf der anderen Seite steht der Wahnsinn des ersten industriellen Krieges, ein Abschlachten ohne Ende. Genau hier zeigt sich die große literarische Kunst.

Eine etwas steile These

Denn wer hätte nach Konsum der Heinz-Rühmann-Schmonzette gedacht, dass der brave Josef Schwejk durchaus auch mit Paul Baumer und dem jungen Leutnant Jünger im der Schützengräben des ersten Weltkriegs liegen könnte? Es ist vielleicht eine steile These, „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ in eine Reihe mit Remarques „Im Westen nichts Neues“ oder „In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger zu stellen, trotzdem möchte ich es versuchen.

Erich Maria Remarques Werk schildert den ersten Weltkrieg ebenso brillant wie gnadenlos. „In Stahlgewittern“ ist dann die Heldenstory Ernst Jüngers über sich selbst. Das Werk ist aber trotzdem, gerade wegen der exakten Schilderungen an vorderster Front, absolut lesenswert. Wenn man dabei die Person und Ansichten des Autors im Auge behält. Und dann könnt da dann dieser Anarchist aus Prag, der in seinem Werk derbe Volkssprache und Späße nutzt, wie unfein, ungehobelt und – genial. Welche „Bedrohung“ das für den Militarismus bedeutete, zeigt auch der Unstand, dass der Schwejk in der Zeit des Nationalsozialismus verbrannt wurde.

Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk, Jaroslav Hasek, Anakonda-Verlag


Der Prager Hundehändler Josef Schwejk, obwohl von einem Militärarzt „endgültig für blöd“ erklärt, gerät in die Mühlen des Militärbetriebs – ob nun im bürokratischen Irrsinn, beim Oberleutnant Lukasch oder an der Front. Mit kalkulierter und sympathischer Naivität setzt sich Schwejk gegen den Irrsinn des Krieges zu Wehr. Der Militärapparat wird in allen Einzelheiten par excellence vorgeführt. (Quelle: Anakonda-Verlag)

Die „Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ ist bis heute das meistübersetzte tschechische Buch. Der Deutschlandfunk bringt es süffisant auf den Punkt: „Mit seinem Roman verdiente Hasek erstmals mehr Geld, als er vertrinken konnte. Und wurde weltberühmt.“

Im „Büchersommer 2022“ sind als Buchtipp außerdem erschienen:

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