Bürgerinitiative macht gegen Windräder mobil

Parkstein. Die "Windparkfreie Heimat Parkstein" informierte bei einer Ortsbesichtigung über die Folgen der Energieanlagen. 70 Bürger trafen sich mit den Vertretern der Bürgerinitiative auf einem abgeernteten Maisfeld.

70 Parksteiner Bürger ließen sich von der Bürgerinitiative über die Folgen des geplanten Windanlagenbaus informieren. Foto: Walter Beyerlein

„Keine Spaltung der Gemeinschaft Parkstein – sondern gemeinsame Wege gehen“. Dieses Motto schreibt sich die am 1. November gegründete Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat Parkstein“ auf ihren Banner. Rund 70 Bürgerinnen und Bürger trafen sich mit den Hauptorganisatoren der Bürgerinitiative auf einem abgeernteten Maisfeld, unmittelbar angrenzend an einem der drei Grundstücke, auf denen die Windräder aufgestellt werden sollen.

Markus Scheidler-Diertl, Sprecher der Bürgerinitiative, erläuterte in seiner Grundsatzerklärung deren Beweggründe, gegen die Aufstellung der Windkrafträder vorzugehen. Seine Kritik bezog sich im Wesentlichen auf den geplanten Standort zwischen Hammerles, Schwand und Parkstein. Ziel der Bürgerinitiative sei, das einzigartige Landschaftsbild um den schönsten Basaltkegel Europas zu erhalten.

Die höchsten Bauwerke in der Oberpfalz

„Diese Anlagen wären die höchsten Bauwerke in der Oberpfalz und würden zum neuen, unschönen Wahrzeichen Parksteins werden“, machte der Sprecher deutlich. Doch neben der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes weist die Bürgerinitiative auch auf die vorhandene Flora und Fauna hin.

Im nahen und mittleren Umfeld der Standorte für die Windindustrieanlagen gebe es Fledermäuse, den Rotmilan, den Seeadler und den Schwarzstorch. Ausdrücklich hob Markus Scheidler-Diertl die negativen Auswirkungen der Windkraftanlagen auf den Lebensraum dieser Tierarten und deren Brut- und Nahrungsverhalten hervor.

Der Erholungs- und Freizeitwert sinkt

Vor allem aber werde das größte zusammenhängende Biotop der Gemeinde durch die Windkraftindustrieanlagen mittel- bis langfristig beeinträchtigt. Neben den gesundheitlichen Auswirkungen zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger werden diese Windkraftindustrieanlagen jeden Erholungs- und Freizeitwert im Bereich „Eichentratt“ erheblich einschränken.

Manfred Wilhelm (83), seit 46 Jahren Bürger Parksteins, nennt diesen Ort seinen „Lebensinhalt“. Manfred Wilhelm nennt es „unverschämt“, hier wahllos einen Standort auszuwählen, dessen Auswirkungen Richtung Parkstein gehen. Niemand sei gegen Windkraft, wenn Windräder dort aufgestellt werden, wo es sinnvoll und auch die Windausbeute entsprechend ist, erklärte er. Seinem Wissen nach sei die Windausbeute an den geplanten Standorten an der untersten Grenze.

Altbürgermeister warnt vor der Zerstörung der Heimat

Altbürgermeister Hans Schäfer erklärte, dass es sich bei den Standorten um ein Stück Heimat handle, das zerstört werde. „Es ist für mich ein Humbug, wenn wahllos Windräder aufgestellt werden, nur um überhaupt Windräder aufzustellen, dafür Standorte gesucht werden, die von der Qualität her Flora und Fauna kaputtmachen. Hier sei ein Waldgebiet vorhanden, das einem Biotop gleich aufgebaut worden ist“, betonte er.

Hier haben laut dem Altbürgermeister vor 30 Jahren die Schulkinder das Schulbiotop aufgebaut, das die Höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz für Baumaßnahmen an der Burganlage als Ausgleich gefordert habe. Dieses Biotop sei sogar vom Landschaftspflegeverband unter seine Fittiche genommen worden. „Dieses Biotop würde restlos zerstört werden“, machte der Altbürgermeister den Zuhörern deutlich. „Da müssen wir einfach dagegen sein“, beendete Hans Schäfer seine Erklärung.

Bürger sollen am 12. Dezember per Briefwahl entscheiden

„Wenn unser Altbürgermeister das sagt, kommt es von Herzen“, meinte Reinhold Gerber, ebenfalls einer der Hauptinitiatoren der Bürgerinitiative. Bereits vor Beginn seiner Erläuterungen zum Ablauf des Bauleitverfahrens er noch weitere Informationsversammlungen und die Herausgabe von Flyern an. Aktuell seien die Bürger gefordert, per Briefwahl am 12. Dezember darüber zu entscheiden, ob die Bauleitplanung „Sondergebiet Bürgerwindpark Eichentratt“ aufgestellt werden soll.

Von vornherein erklärte Reinhold Gerber, dass in den Reihen der Bürgerinitiative niemand sei, der sich als „Windkraftleugner“ zeige. Wir haben den Klimawandel erkannt, aber auch, dass die Energiewende nur mit einem „Energiemix“ unter Einbeziehung aller erneuerbaren Energien zu schaffen sein wird. „Wir in Parkstein fangen mit dem Windrad, dem absolut größten Einschnitt in die Natur an“, betonte Reinhold Gerber.

Marktgemeinde muss die Bauleitplanung finanzieren

Die Aufforderung zur Abstimmung werde vom Markt Parkstein veranlasst, ohne dass die Bürgerenergiegenossenschaft Parkstein einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Mit dieser Aussage verband Reinhold Gerber auch den klaren Hinweis, dass das zur Folge hat, dass auch der Markt Parkstein die Kosten der Bauleitplanung zu tragen hat, die sich nach Ansicht des Altbürgermeisters auf 500.000 Euro belaufen könnten.

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