Bürgerversammlung Vorbach: „Eine Gemeinde muss leben, wenn die Bürger leben wollen“

Vorbach. "Yes we can – ja, wir können Vorbach", sagt Bürgermeister Alexander Goller. In der Bürgerversammlung blickt er dankbar zurück und selbstbewusst vorwärts, um gleichzeitig auf das Wir zu setzen.

Gut besucht freute sich Bürgermeister Alexander Goller über eine lebendige Bürgerversammlung. Foto: Robert Dotzauer

Optimistisch sein, mitmachen, probieren und riskieren, um die Gemeinde voranzubringen war ein Appell, den der Gemeindechef in der gut besuchten Bürgerversammlung im Saal des Vorbacher Gemeindezentrums, unter ihnen Ehrenbürger Adolf Meier und Bürgermeister a.D. Anton Schecklmann, mehrmals bekräftigte. 1100 Einwohner mit einem starken Zuwachs von 50 Bürgern innerhalb von zwei Jahren sah der Bürgermeister einleitend als positives Zeichen für den Wohnwert der Gemeinde. „In Vorbach fühlen sich die Menschen gut aufgehoben“. Heimat eben, wie Alexander Goller das Wohlbefinden der Bürger interpretierte.

Insgesamt 20 Themenbereiche

Nach dem kurzen Blick auf die Einwohnerentwicklung waren die Betrachtungen über die Gemeindestatistik bereits abgeschlossen. Aufgeteilt in 20 Themenbereiche wandte sich der Bürgermeister vielen abgeschlossenen oder in Planung befindlichen Einzelmaßnahmen zu. Goller beleuchtete zum Beispiel die Planungsvergabe zum Neubau der Forststraße und Oberen Grundstraße in Oberbibrach, die Umsetzung des Soccerprojekts, die Errichtung des Spielplatzes in Oberbibrach und des Calisthenics-Parks in Vorbach, die nächsten Schritte zur Neubeschaffung eines TSF-L für die Feuerwehr Oberbibrach und verwies auf erste Planskizzen für den Feuerwehrhaus-Anbau in Oberbibrach.

Langer Atem bei Großprojekten

Der Hochwasserschutz in Oberbibrach, der Radwegbau in Richtung Schlammersdorf und der Glasfaservollausbau gehörten zu den weiteren Schwerpunktthemen „mit langem Atem“. Der Bürgermeister informierte über den Eingang eines staatlichen Zuwendungsbescheides in Höhe von 36.750 Euro bei 49.000 Euro Gesamtkosten zur Vergabe von Planungsleistungen für das integrierte Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept in Oberbibrach, erläuterte die ergänzend zur Radwegplanung notwendigen weiteren Gutachten und meldete Vollzug zum Antrag der Gemeinde zum Glasfaservollausbau.

Goller rechnet beim Anschluss aller Anwesen an die schnelle Datenautobahn mit Kosten von rund 1,6 Millionen Euro bei einer staatlichen Förderung von 90 Prozent. Vertragspartner sei die Deutsche Telekom. Mit einer Bauzeit von vier Jahren sei zu rechnen.

Im Zusammenhang mit dem „Gütesiegel Heimatdorf“ verwies Goller auf Verpflichtungen zum Handeln. Mindestens drei Projekte seien zu verwirklichen. Als Beispiele nannte er Naturstationen am künftigen interkommunalen Radweg, die Erweiterung des Dorfladens um einen kleinen Wintergarten und die Renovierung des Schlachthauses in Oberbibrach.

Großen Wert legt der Bürgermeister auf die Ausweisung weiterer Baugebiete. In diesem Zusammenhang hält Goller auch einen neuen Flächennutzungsplan und eine Ausweitung der Bauleitplanung in Oberbibrach-West für notwendig.

Die Windenergie bewegt die Gemüter

Um den Klimaschutz ging es bei zwei Großprojekten. Mitten im Bauleitverfahren befindet sich das Vorhaben zur Errichtung einer PV-Freiflächenanlage in Grün bei Oberbibrach. Größeren Aufklärungsbedarf sah Alexander Goller zu den Windkraftplanungen im benachbarten Speinsharter Forst, ganz überwiegend im Eigentum der Bayerischen Staatsforsten. Das gemeindefreie Gebiet betrachte Projektentwickler „OstWind“ als große Potenzialfläche für Windräder und damit verbunden als finanziell lukrative Einnahmequelle mit bis zu 4,8 Millionen Euro für die beteiligten Kommunen innerhalb von 20 Jahren bei angedachten zehn Windrädern. Goller bedauerte die bisher ergebnislosen Gespräche zur Aufteilung des Speinsharter Forstes.

Zukunftsprojekte

Der Bericht des Bürgermeisters endete mit Überlegungen und Anregungen zu Zukunftsplanungen und Kleinprojekten. Goller appellierte an die Vereine, Anträge zur Nutzung des Regionalbudgets zu stellen und warf einen Blick auf die schleppende Entwicklung der Kernwegenetzplanung. Mittelfristig denkt der Bürgermeister an das Projekt Aussegnungshalle in Vorbach, an die energetische Sanierung des Alten Schulhauses in Oberbibrach und des großen Saales des Vorbacher Gemeindezentrums. Schließlich forderte Alexander Goller mehr Entscheidungsfreiheiten für die Kommunen, mehr Mitspracherecht der Gemeinden und eine Entzerrung der staatlichen Förderprogramme.

Bürger melden sich zu Wort

Können wir uns das alles leisten? Mit dieser Frage kam nach dem Bericht des Bürgermeisters eine rege Diskussion in Gang. Goller verwies auf ein starkes Rücklagenpolster „mit Einschränkungen“. Mit dieser Feststellung bezog er sich auf die nicht kalkulierbaren Gewerbesteuerzahlungen eines Großunternehmens. Sie seien die Haupteinnahmequelle der Gemeinde, aber mit vielen Konjunkturrisiken behaftet.

Unbekannt seien zudem die Kosten für den künftigen Hochwasserschutz in Oberbibrach. Weiteres Diskussionsthema war der Sanierungsstau bei der Deutschen Bahn, zum Beispiel bei der Bahnbrücke. Mit Blick auf das Bahngelände kündigte Goller eine Satzung zur Regelung von Vorkaufsrechten an. Der Bürgermeister wusste von einer Versteigerung des zirka 4000 Quadratmeter großen Areals im kommenden Jahr. Unverständnis herrschte in der Versammlung über die schleppende Planung beim Hochwasserschutz. Die Rede war von einer gewissen Trägheit und Langsamkeit der Fachbehörde.

Dorferneuerung in Oberbibrach

Wenig rosig sind die Aussichten für eine Dorferneuerung in Oberbibrach. Auf Nachfrage berichtete der Bürgermeister über negative Aussagen des Amtes für Ländliche Entwicklung wegen der starken Finanzkraft der Gemeinde. „Wir hoffen weiter, dass wenigstens ein Verfahren eingeleitet wird, um der Förderung privater Investitionen eine Chance zu geben“, so Goller.

Am Dorfladen darf nicht gerüttelt werden. Ein Ort für die Seele, wie es in der Versammlung hieß. Foto: Robert Dotzauer

Sorge bereitete einem Versammlungsteilnehmer das steigende Defizit des Dorfladens. Der Bürgermeister begründete die Entwicklung mit den Lohnsteigerungen in jüngster Zeit. Eine Personaleinsparung löse einen Umsatzrückgang aus und sei deshalb kontraproduktiv, argumentierte Goller. Schützenhilfe kam aus der Versammlung. „Unser Dorfladen ist ein Ort für die Seele und Symbol der Dorfgemeinschaft“. Eine Schlussbemerkung, die viel Beifall fand.

* Diese Felder sind erforderlich.