„Corona wird bald wie eine Influenza-Grippe zu behandeln sein“

Tirschenreuth. Corona ist für viele weit weg. Andere wiederum warnen vor der nächsten Welle im Herbst/Winter. Was sagt Dr. Josef Scheiber, der mit seiner Firma BioVariance Tausende Coronatests ausgewertet hat und sich mit dem Thema bestens auskennt, zu den neuen Impfstoffen? Und wie sieht es aktuell bei den Coronatests aus?

Ob die Impfbereitschaft durch die neuen Vakzine steigt? Symbolbild: OberpfalzECHO/David Trott

Obwohl die Zahl der Coronatests in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen ist, hat man bei BioVariance noch genügend zu tun. „Wir sind nicht arbeitslos“, sagt Dr. Josef Scheiber schmunzelnd. „Nach wie vor gehen bei uns circa 200 Tests ein, die ausgewertet werden müssen. Ich gehe davon aus, dass das bis Frühjahr so bleiben wird.“ Allerdings können wir uns jetzt wieder mehr auf andere Aktivitäten im Bereich personalisierte Medizin und Studien fokussieren“. Erfreulich sei, dass die Überstundenkonten der Mitarbeiter jetzt wieder sehr viel normaler ausschauen als vor einigen Monaten. „Außerdem haben wir reichlich Erfahrung mit Technologien gesammelt, die wir jetzt in anderen Bereichen einsetzen können. Das ist sozusagen zur Routine gewordenes Tagesgeschäft.“

Bis zu 1000 Tests

In der Corona-Hochzeit Anfang des Jahres gingen bei BioVariance bis zu 1000 Tests täglich ein. Die Testabstriche, die das BRK im Keller des ehemaligen Krankenhauses Waldsassen machte, landeten anschließend im Labor des 2013 von Josef Scheiber gegründeten Unternehmens. Sechs bis sieben Mitarbeiter werteten die PCR-Tests bis zu zwölf Stunden am Tag aus. Auswertung und Registrierung erfolgte durch die Software, die BioVariance entwickelt hat. Nach drei Stunden lag das Ergebnis vor. „Dann wurden die Probanden und – bei positiven Ergebnissen – zudem das Gesundheitsamt informiert“, erklärt Scheiber.

Impfstoff sinnvoll

Was bringt der neue, an die Omikronvariante B.1 angepasste Impfstoff angesichts der bei uns fast nur noch vorkommenden Variante BA.5? Josef Scheiber: „BA.1 ist ja mit der aktuellen Variante deutlich näher verwandt als der Wildtyp. Von daher ist insbesondere für Risikogruppen der an BA.1 angepasste Impfstoff sehr sinnvoll, da das Immunsystem einfach näher dran ist. Nachdem in den USA aber der auf BA.5 angepasste Impfstoff schon verfügbar ist, wird es bei uns auch nicht mehr allzu lange dauern, bis der kommt“.

Laut Scheiber zeigten sich international auch schon „Nachfolgevarianten“ von BA.5, beispielsweise BA.2.75 und einige andere, die in Deutschland bereits vorkommen. „Hier ist zum Beispiel BA.1 wieder näher dran als BA.5. Man wird da immer etwas hinterherhinken.“ Wenn aber die Zulassungsvoraussetzungen weiterentwickelt seien, werde man erst die volle Power der mRNA-Technologien nutzen und dann viel schneller reagieren können. Das Immunsystem baue ohnehin eine „Grundvariabilität“ der Antikörper ein.

Bald verfügbar

Josef Scheiber hält es auch nicht für sinnvoll, auf den an die BA.5-Variante angepassten Impfstoff zu warten. „Das sollten insbesondere Risikogruppen nicht tun.“ Das neue Serum dürfte aber bald verfügbar sein. „Es helfen aber auch Kreuzimpfungen bei der Variabilität. Das heißt, man kann für die Auffrischungsimpfung auch die Produkte anderer Hersteller nutzen.“

Pragmatisch handeln

Wie sieht die Corona-Prognose des Biologen für Herbst/Winter aus? „Das Ende der Schulferien und viele Feste werden natürlich dazu führen, dass die Zahl Infizierter wieder ansteigt. Wenn man beispielsweise die aktuellen Inzidenzspitzenreiter in Bayern anschaut, sind es genau die, wo größere Feste waren“. Er sei aber für eine maximal-pragmatische Herangehensweise, die zu möglichst wenigen Einschränkungen führe. „Mit der Zulassung weiterer Medikamente in den kommenden Monaten gehe ich als Optimist davon aus, dass wir keine schärferen Maßnahmen mehr brauchen.“

Sollten sich allerdings im Krankenhausbereich oder bei den Erkrankungsfällen massive Verschlechterungen zeigen, müsste man über möglichst niedrigschwellige Sachen nachdenken. Dazu gehören, die Impfmotivation zu erhöhen, Maskenpflicht in Geschäften oder die Belüftung in Schulen. Das sollten die maßgeblichen Werte sein, nicht die reinen Inzidenzen. Also, im Endeffekt Sinn und Verstand benutzen, weil es ja mittlerweile viel mehr Erfahrungswerte gebe als früher.

Wie Influenza

Viele Mediziner und Wissenschaftler fordern, mit Corona zu leben wie mit der jährlichen Grippewelle. Was sagt der Biologe dazu? „In Teilbereichen hat Corona die Influenza ja ersetzt und irgendwelche Viren sind immer unterwegs. Das ist Fakt.“ Beruhigend dabei sei, dass man ein super Arsenal zur Bekämpfung habe und dieses immer besser werde. „Die Kombination von immer mehr verfügbaren Medikamenten mit schnell anpassbaren Auffrischungsimpfungen erlaubt uns, mit Corona dann ganz normal zu leben. Bei der Grippe ist’s ja ähnlich. Es gibt genügend Menschen, die schon über 30 Auffrischungsimpfungen bekommen haben. Genauso normal wie da wird es auch mit Corona sein. Nur, dass wir das bald besser behandeln können.“

Ab Dienstag neue Impfstoffe

Das Impfzentrum Tirschenreuth teilt mit, dass ab kommenden Dienstag die neuen beziehungsweise angepassten Impfstoffe da sind und für empfohlene Personengruppen geimpft werden können. Einerseits der Impfstoff von BionTech zur Auffrischimpfung für die Omikron-Untervarianten BA.1 und BA.2. Der Impfstoff ist für Personen ab zwölf Jahren nur für die Auffrischungsimpfungen vorgesehen, nicht zur Grundimmunisierung. Diese erfolgt mit den bisherigen Impfstoffen.
Andererseits steht der erste zugelassene Totimpfstoff der Firma Valneva ab Dienstag zur Verfügung. Dieser Impfstoff ist zugelassen für Personen zwischen 18 und 50 Jahren.

Das Impfzentrum Tirschenreuth hat geöffnet am Dienstag, Donnerstag und Samstag
jeweils von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 13 Uhr bis 17 Uhr sowie am Mittwoch und Freitag von 12 Uhr bis 15.30 Uhr und von 16.30 Uhr bis 20 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Zudem sind auch wieder Impfaktionen im gesamten Landkreis geplant. Vorgesehen sind Impfungen mit dem Vakzin von BionTech sowie für Auffrischimpfungen wahlweise mit dem angepassten Impfstoff von BionTech.
Mitzubringen sind ein Lichtbildausweis, Impfausweis und gegebenenfalls die
Unterlagen der letzten Corona-Impfung.
Informationen unter www.zusammengegencorona.de.

Zum aktuellen Zeitpunkt wird eine zweite Auffrischungsimpfung (vierte Impfung) für
folgende Personengruppen empfohlen:
• Menschen ab 60 Jahren
• Menschen ab fünf Jahren mit bestimmten Grunderkrankungen und erhöhtem Risiko für
schwere COVID-19-Verläufe oder mit Immunschwäche
• Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen
• Tätige in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen

Nähere Informationen auch unter
https://www.stmgp.bayern.de/coronavirus/impfen#auffrischung

In diesen Orten gibt es im September Impfangebote. Grafik: Landratsamt Tirschenreuth

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