Das Lemberger Bandura-Quartett glänzte beim Benefizkonzert

Pressath. Das Bandura-Quartett aus Lwiw gastierte beim Pressather Kulturkreis und begeisterte die 70 Zuhörer. Und die spendeten fleißig zugunsten der Ukraine-Hilfe. 800 Euro kamen zusammen.

Das ukrainische Bandura-Quartett „Goldkehlchen“ bei seinem Konzert im Pressather Pfarrsaal. Foto: Heiner Brückner

Ihre fulminante, exakt ausgewogene Stimmlagenharmonie und voluminöse, glockenreine Gesangskultur erklärte den ursprünglichen Namen der vier Musikdozentinnen aus der Ukraine von selbst: „Goldkehlchen“. Bereits mit dem Auftakt des „Ave Marija“ von Giulio Caccini und einem ukrainischen Friedensgebet unterstrichen Oksana Kolomiets, Lesya Stefanko, Iryna Plakhtiy und Olena Nikolenko, Solisten der Lemberger Philharmonie, Preisträger vieler internationaler und nationaler Wettbewerbe, ihre hervorragende Musikalität an.

17 Jahre spielt das Quartett bereits

Doch die seit 17 Jahren gemeinsam auftretenden Sängerinnen bewiesen auch auf den 65 Saiten des ukrainischen Nationalinstruments Bandura eine immense Vielfalt an Stimmungsvarianten sowie die Variabilität und Klangnuancierungen des Instruments, das wie Harfe und Cembalo zusammen klingt. Die Zuhörer gewannen den Eindruck, dass vier Bandura-Könnerinnen die Bandbreite eines ganzen Orchesters aufzubieten imstande sind.

Das Highlight dieses Phänomens stellten sie mit „Der Frühling“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi heraus und unterstrichen es bei den ukrainischen Barockkompositionen Larghetto und Sonate in B-Dur von Dimitrij Bortnianskyj oder auch dem Menuetto von Luigi Boccerini. 

Allerdings regt unsere aktuelle Gegenwart nicht unbedingt zum Jubilieren an, insbesondere nicht wegen des „russischen Krebsgeschwürs“ in ihrem Heimatland, wie Olena Nikolenko bedauerte, die sich zugleich auch für die große europäische Solidarität mit ihrem Volk bedankte und sich stolz zeigte, dass es mit Entschlossenheit dafür kämpfe, ein Teil der europäisch-demokratischen Völkergemeinschaft zu werden.

Ukrainisches Volkslied für die Soldaten an der Front

Dementsprechend widmete das Quartett aus leidvoller Seele mit vollem Herzen im zweiten Teil einen Block den Müttern, die darauf warten, dass ihre Söhne unversehrt aus dem Krieg zurückkehren. Ein ukrainisches Volkslied galt den Soldaten, die an der Front ihre Heimat verteidigen. Sie steigerten ihre Friedenshoffnung, indem sie das Publikum erfolgreich aufriefen, beim Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ einzustimmen.

Dass der Herr ihr Land beschützen und den Krieg schnellstmöglich beenden möge, erbaten sie mit dem Friedenssong von Leonard Cohen „Halleluja“, dem wiederum ein Großteil der Besucher gesanglich einstimmte. Das Lemberger Bandura-Ensemble bedankte sich für die bisherige Hilfe der Weltgemeinschaft und für die Pressather Spende von 800 Euro, die notleidenden Kindern in der Ukraine zugutekommt.

Zuhörer erhoben sich bei der Nationalhymne

Die Zuhörer erhoben bei der ergreifend gesungenen Nationalhymne. Die Botschafterinnen für den Willen des ukrainischen Volkes in die Europäische Union aufgenommen zu werden und den Wunsch auf baldige friedliche Beendigung des russischen Angriffskrieges beendeten somit ihr vorläufig letztes Konzert in Deutschland, um für eine ungewisse Zeit zu ihren Familien in und um Lwiw zurückzukehren. 

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