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Windpark-Debatte (1): Erfüllen die Parksteiner Windräder alle Auflagen?

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Parkstein. Der Klimawandel ist in vollem Gang, die Energiewende aber hakt. In dieser Situation will die Bürger-Energie Parkstein eG einen Windpark mit drei Windrädern errichten. Die Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat Parkstein“ hält dagegen. Die Debatte in drei Teilen bei OberpfalzEcho vor dem Ratsbegehren (12. Dezember).

Unterschiedliche Darstellung: Projektion der Ansicht vonseiten der Bürger-Energie (links) und der Bürgerinitiative (rechts).

Zwei Männer im Rededuell bei OberpfalzEcho: Josef Langgärtner, Parksteins zweiter Bürgermeister und Vorstandsvorsitzender der Bürger Energie Genossenschaft und Reinhold Gerber, einer der Hauptinitiatoren der Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat Parkstein“ folgen der Einladung in den Konferenzraum. 

Die wichtigste Standortfrage ist, wie stark und wie viele Stunden im Jahr der Wind weht. Wie windhöffig ist denn der Standort in Parkstein?

Langgärtner: Die genaue Zahl kann nur eine Messung ergeben, die würden wir machen, sobald eine Bauleitplanung erfolgt ist. Wir brauchen ja einen Auftrag dafür, sonst würde uns keine Bank Geld geben. Man kann das aber wirklich gut aus dem neuen Energieatlas Bayern herauslesen. Alle Daten, es gibt ja die Güte, die Windgeschwindigkeit, sind wider Erwarten besser, als wir gedacht haben. In einer Höhe von 180 Metern oder von 200 Metern ist noch besser, wird das gemessen. Die Windhöffigkeit ist also gegeben.

Gerber: Die ist natürlich auch an anderen Stellen im Gemeindegebiet gegeben und auch im außenmärkischen Bereich, wo man auch ein Windrad aufstellen kann. Die Windhöffigkeit kann ich nicht beurteilen, das wird eine Messung ergeben, wenn man die Wirtschaftlichkeit dieser Windanlagen prüft.

Geschwindigkeit und Richtung der ankommenden Winde sind ebenfalls von Bedeutung bei der Standortauswahl. Eine leicht zurückgesetzte Lage des geplanten Windrades mit nur geringer Besiedlung ist ideal. Lokale Hindernisse wie Häuser, Bäume oder Brücken können die Geschwindigkeit und Richtung des Windes stark verändern. Gibt es da Einschränkungen?

Langgärtner: Die Richtung der Winde ist bei uns vorwiegend aus dem Westen, Nordwesten, Südwesten, da ist eigentlich freie Landströmung gegeben und in dieser Höhe sowieso. Das ist eine Schicht, die verwirblungsfrei ist. Die Rotoren sind beweglich, die können aus dem Wind drehen, wenn zu viel Wind kommt. 

Gerber: Man kann also, so wie ich das sehe, von etwa 2000 Volllaststunden ausgehen. Ich denke, mehr wird nicht drin sein – von 8670 Stunden im Jahr, dann weiß man, was das in etwa bringen kann. 

Würde die Parksteiner Anlage in Zone 1 (Windgeschwindigkeit an mindestens 50 Prozent aller Jahresstunden 5 m/sec und größer), Zone 2 (mittlere Windgeschwindigkeiten von 3,3 - 5,7 m/sec) oder Zone 3 (Windgeschwindigkeit durchschnittlich unter 3,3 m/sec und Zahl der Flautenstunden über 20 Prozent) liegen?

Langgärtner: Über die 5 Meter in der Sekunde wären wir schon längst drüber, das wäre die Zone 1, aber das gilt jetzt nicht mehr für diese Höhen.

Der Abstand der Windkraftanlage zu einem Hindernis sollte mindestens 15- bis 20-mal so groß sein wie seine Höhe. Alternativ muss die Windenergieanlage höher als das Hindernis sein. Zu Verkehrswegen muss der Abstand mindestens 100 Meter betragen oder so lang wie die Höhe vom Boden bis zur Spitze des Windrades sein. 

Langgärtner: In dieser Höhe gibt es kein Hindernis.

Gerber: Als Naturfreund, der sich oft draußen aufhält, geht es mir in erster Linie um die Heimat und um die Natur.

Neben der Windgeschwindigkeit hat bei Kleinwindanlagen auch die Luftdichte Auswirkungen auf die Effizienz. Die Luftdichte ist im Winter etwas höher als im Sommer, da kalte Luft dichter ist als warme Luft. Die Energieausbeute steigt proportional mit der Windgeschwindigkeit und der Luftdichte an. Gibt es dazu Messungen?

Langgärtner: Das ist die Luftgüte, kann man auch aus dem Atlas lesen, ist im mittleren Bereich, also auch das ist gegeben.

Gerber: Aber die ist eben auch an anderen Orten gegeben, sei es im Bereich Parkstein, sei es im Umland.

Beim Bau von Windparks und beim Aufbau von Windkraftanlagen (WKA) müssen umfassende baurechtliche Vorschriften eingehalten werden. So werden bereits in der Planungsphase die zu erwartenden Schallemissionen rechnerisch überprüft. Werden die Vorgaben für Geräuschpegel eingehalten, die in Wohn-, Misch- oder Gewerbegebieten nicht überschritten werden dürfen – welche Hürden müssen Sie noch nehmen? 

Langgärtner: Ich sehe nur dann eine Hürde, wenn wir irgendwo anders hingehen müssen. Dann sehe ich die Hürde, ob wir so etwas überhaupt realisieren können, etwas für die Energiewende machen können. Sobald wir irgendwo außermärkisch hingehen, haben wir alle Hürden, die es in Bayern sonst auch gibt. 

Halten Sie Bedenken bezüglich Gesundheitsbeeinträchtigung und Schallemissionen für berechtigt?

Gerber: Diese Bedenken bestehen immer, wenn man Windräder aufstellt – und Bedenken naturschutzrechtlicher Art. Deshalb gibt es entsprechende Fachgutachten, die erstellt werden, wenn das Ganze läuft. Wenn man an den Schall denkt, Westwinde ziehen nach Parkstein rein.

Auch Bedenken wegen Flora und Fauna wurden geäußert, seltene Tierarten sollen bedroht sein. Habt ihr euch damit auseinandergesetzt?

Langgärtner: Das ist ein festgelegtes Verfahren, das wird ja alles untersucht an 26 Tagen im Jahr. Da wird alles untersucht, Bodenleben, was in der Luft fliegt, das wird komplett kartiert, und dann kann man ein Ergebnis sehen. 

Gerber: Ich habe den Gemeinderat vor der entscheidenden Sitzung angeschrieben und darauf hingewiesen, dass sowohl der Seeadler als auch der Schwarzstorch hier in Parkstein heimisch sind. Ich habe die Fotos dabei, kann ich Ihnen also zeigen. Auch der Rotmilan. Mit Fledermäusen habe ich mich nicht befasst. Wenn man bedenkt, dass der Schwarzstorch gegen die Errichtung des Windrads in Flossenbürg, gegen die Errichtung der Windkraftanlage in Muglhof  gesprochen hat – und hier wird gesagt, „warten wir das artenschutzrechtliche Gutachten ab“, dann habe ich da ein Problem. Man blendet das aus.

Langgärtner: Sollen wir da nicht eine offizielle Untersuchung machen? Es werden überall Vögel gesehen – und das Foto ist fünf Jahre alt. Wegen einem fünf Jahre alten Foto macht man keinen Bürgerentscheid mehr? Das verstehe ich nicht mehr.

Gerber: Aber es ist doch bekannt, das der Seeadler hier ist …

Langgärtner: Das wird untersucht.

Gerber: „Wird untersucht“, sagt man dann. Wenn man schon im Vorfeld weiß, eigentlich sind hier geschützte Tiere da, und trotzdem ignoriert man es und sagt, „man wartet das Gutachten ab“, ist das nicht nachvollziehbar.

Sie gehen davon aus, dass die Vögel mit den Windrädern nicht umgehen können, dass sie nicht lernfähig sind?

Gerber: Kann ich mir nicht vorstellen. Wenn, dann muss man es technisch lösen. Es gibt ja dieses Monitoring, diese Rundumkameras, von denen die Vögel angeblich erkannt werden, das ist aber wissenschaftlich noch nicht erwiesen.

Langgärtner: Es gibt in Deutschland seit 2006 zwei Kollisionen mit Schwarzstörchen bei 30.000 Windrädern. Der Schwarzstorch schaut normalerweise nach vorne, nicht nach unten, der umfliegt diese Windparks. Es sind Studien über drei Jahre gemacht worden, bei denen das Verhalten der Schwarzstörche untersucht wurde. Die Population hat sich vermehrt trotz der Windparks. Es wird trotzdem untersucht, kann ja sein, dass er schon wieder weg ist, war ja in Muglhof auch so, dass er wieder weg war.

Gerber: Normalerweise sind Schwarzstörche standorttreu. Man kann ihn auch vertreiben.

Die nahe Infrastruktur mit festen breiten Straßen für den Transport des Materials ist für den Bau einer Windkraftanlage wichtig. Sind die Transportwege ausreichend?

Langgärtner: Ja, richtig, das ist ja auch einer der Gründe dafür. Wenn wir hinter Schwand gehen wollten, müssten wir Autobahnen raufbauen, um überhaupt was transportieren zu können im Wald. Wir wollen Waldrodung vermeiden. Es wird ja immer den Windradbauern vorgeworfen, ihr macht den Wald nieder, der CO2 speichern sollte. Mit diesem Standort vermeiden wir jede Waldrodung.

Es war mal von der Gefährdung eines Wasserschutzgebiets die Rede …

Langgärtner: Das ist kein Wasserschutzgebiet.

Gerber: In diesem Bereich nicht. 

Ist die Bodenbeschaffenheit des Grundstücks im Hinblick auf Stabilität und Erosionsanfälligkeit geeignet?

Langgärtner: Das ist landwirtschaftlicher Grund, Wiesen. Und es wird ja immer wieder behauptet, wenn das Ding wieder abgebaut wird, bleibt das Fundament im Boden. Das ist falsch. Wir müssen das komplett wieder rausmachen, müssen bei der Genehmigung Geld hinterlegen, eine Bürgschaft beim Landratsamt, damit das wieder rauskommt – restlos.

Gerber: Also, alles raus, nicht nur einen Meter abgetragen, dass dann wieder eine landwirtschaftliche Nutzung erfolgt? 

Langgärtner: Alles raus, ist so, definitiv.

Gerber: Ich hoffe, dass der Vertrag dann dementsprechend gestaltet ist.

Langgärtner: Natürlich, wir müssen ja das Geld hinterlegen. 

Gibt es Widersprüche der angrenzenden Landwirte?

Langgärtner: Nein.

Gerber: Ist mir nichts bekannt, im Gegenteil, üblicherweise ist es so, dass die Landwirte, auf deren Grundstücke Windräder errichtet werden, profitieren. Und zwar ganz erheblich.

Das heißt, sie beteiligen sich an der Bürgergenossenschaft?

Langgärtner: Auch.

Gerber: Das ist Sache der Bürgergenossenschaft, aber davon unabhängig, üblich sind 13 Prozent des Ertrags. Man kann das auch über Pauschalen gestalten, das entzieht sich meiner Kenntnis.

Sind Auftau- bzw. Abschaltvorrichtungen bei Vereisungen an den Rotoren geplant, und ist der Abstand zu Straßen und Gehwegen bei Eiswurf ausreichend?

Langgärtner: Abschaltvorrichtungen gibt es immer. Sobald sich Eis bildet und eine Unwucht entstehen würde, schalten die Räder ab, natürlich. Es wird ein Risikogutachten erstellt, wo errechnet wird, wie wahrscheinlich ist es, dass dort Eis entsteht, wo kann es hinfallen? Auch Abständen zu Wegen und Straßen ist da mit drin.

Ist die Anbindung an das Stromnetz, um die von der Windkraftanlage erzeugte Energie ins EVU-Netz einspeisen zu können, gewährleistet? 

Langgärtner: Das ist eine Frage ans Bayernwerk, wir können das nicht sagen. Es ist eventuell möglich – im Moment ist ja eine 110-kV-Mittelspannungsleitung geplant von Bayreuth nach Windischeschenbach – dass wir da an der B22 anschließen könnten. Wir müssen abwarten, was uns das Bayernwerk anbietet. Könnte auch Etzenricht oder direkt am Ostbayernring sein, die haben auch 110 kV.

Muss man das nicht im Vorfeld abklären, wie wirtschaftlich so ein Windrad ist?

Langgärtner: Das kann man nicht abklären. Das Bayernwerk ist da sehr restriktiv. Man müsste da komplett wissen, welche Anlagen bauen wir? Dazu brauche ich einen Auftrag, eine Bauleitplanung. Aber es bleibt wirtschaftlich, auch wenn man es bis Windischeschenbach bauen müsste.

Ratsbegehren am 12. Dezember

Der Marktrat hat beschlossen, ein Ratsbegehren durchzuführen und möchte mit einem Bürgerentscheid die Meinung der Parksteiner Bürgerinnen und Bürger bis zum 12.12.2021 abfragen.

Die Frage lautet:

  • „Sind sie dafür, dass eine Bauleitplanung „Sondergebiet Bürgerwindpark Eichentratt“ aufgestellt wird, die die Errichtung von maximal drei Windenergieanlagen ermöglicht und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der gemeindlichen Klimaschutzziele und zur Sicherung der ökologischen Stromerzeugung vor Ort leisten kann?“

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