Der Krieg begann im Kinderzimmer

Mitterteich. In dieser Ausstellung findet man Gegenstände und Dinge, die heute als Christbaumschmuck oder Geschenk undenkbar wären: Bomben, Zeppeline und Weihnachtskugeln mit dem Porträt des Kaisers.

Der 28-jährige Tobias Damberger aus Ebnath zeigt seine Sammelleidenschaft mit Kriegsspielzeug aus dem Ersten Weltkrieg im Mitterteicher Museum. Bild: Werner Männer
Spielzeug, das heute undenkbar wäre: Mit dieser Kanone kann man auf Pappsoldaten schießen. Bild: Werner Männer
Uniformen für Kinder in reicher Ausstattung und perfekt nachgebildet lagen damals unter dem Christbaum. Bild: Werner Männer
Bild: Werner Männer
Selbstverständlich durften Postkartengrüße an die lieben Verwandten mit Kindern in Uniform nicht fehlen. Bild: Werner Männer
Solche patriotisch verzierten Christbäume wurden den Soldaten an die Front geschickt. Bild: Werner Männer
Auch die
Christbaumkugeln mit dem Konterfei des Kaisers waren zur damaligen Zeit sehr gefragt. Bild: Werner Männer

Was Tobias Damberger aus Ebnath im Mitterteicher Museum unter dem Titel „Der Krieg begann im Kinderzimmer“ zeigt, ist nicht nur eine Ausstellung, sondern eine Dokumentation der besonderen Art. Ausgestellt sind Gegenstände und Dinge, die heute als Christbaumschmuck oder Geschenk undenkbar wären: Bomben, Zeppeline und Weihnachtskugeln mit dem Porträt des Kaisers. Der 28-jährige Sammler hat die Leidenschaft von seinem Vater Arno übernommen, der ihm den Grundstock für diese Schau geschaffen hat. Das Sammelthema ist weniger kriegerisch und lautet „Weinachten im Ersten Weltkrieg“.

Übertriebener Patriotismus und Militarismus

Die Ausstellung widmet sich hauptsächlich der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (1914-1918). Sie beschäftigt sich weniger mit dem Krieg, der übrigens neun Millionen Soldaten und sechs Millionen Zivilisten das Leben kostete, sondern vielmehr dem maßlos übertriebenen Patriotismus und Militarismus. Schließlich ist der Krieg in Deutschland in allen gesellschaftlichen Schichten mit patriotisch-religiöser Begeisterung aufgenommen worden.

Und wie der Themenbereich im Museum zeigt, begann der Krieg bereits im Kinderzimmer. Von frühester Kindheit hämmerte man den Kindern und Jugendlichen militärische Denk- und Verhaltensweisen ein. Die Stimmung im Volk war im August 1914 äußerst kriegsfreudig und selbst Kinder verbreiteten auf den Straßen Hetzparolen wie „Jeder Stoß ein Franzos – jeder Tritt ein Brit – jeder Schuss ein Ruß“.

Kriegsspielzeug zu Weihnachten

Und all diese Kriegsfreudigkeit drückte sich auch in den Weihnachtsgeschenken aus. So hatte man beispielsweise den Christbaum mit patriotischem Schmuck behängt: Bomben, Zeppeline oder Kugeln mit dem Porträt des Kaisers und vieles mehr. Auch die Kinder waren begeistert vom Angebot der Industrie und kein Wunder, dass auf dem Wunschzettel Kriegsspielzeug an erster Stelle stand. Die Industrie lieferte dazu speziell für Kinder Uniformen in allen Größen und in verschiedenen Ausführungen, Pickelhauben, Gewehre und Säbel.

Nicht fehlen durften unter dem Weihnachtsbaum patriotische Gesellschaftsspiele, Bilderbücher und Baukästen, mit denen Festungen gebaut werden konnten. Mit Kanonen aus Blech oder Holz konnten sie dann beschossen werden. Der Phantasie der Spielzeugindustrie waren keine Grenzen gesetzt. All diese unglaublichen und unmöglichen Dinge zeigt Dammberger in der Ausstellung im Museum. Viele der Stücke hat der junge Sammler von seinem Vater geerbt bekommen, der schon vor etwa 40 Jahren mit dieser Leidenschaft begonnen hat. Er selbst sei schon mit sechs Jahren von diesem „Virus“ infiziert worden, berichtet Damberger.

Geschichtlicher Einblick in die damalige Zeit

Er ist selbstverständlich weiter auf der Suche nach neuen Sammlerstücken. Aber es werde schon schwer, Neues zu finden. Seine Fundgruben sind, so erzählt er, das Internet, Flohmärkte und Antiquitätengeschäfte. Manchmal wird er auch auf Auktionen fündig. Der Sammler hat sich auch mit der Historie des Ersten Weltkrieges beschäftigt, sodass der Besucher auch einen kleinen geschichtlichen Einblick in die damalige Zeit bekommt. Aufgrund der derzeit herrschenden Virus-Pandemie ist die Ausstellung bis zum 6. Februar 2022 verlängert worden.

Die nachfolgende Ausstellung von Hans-Günther Pietschmann sagte man ab. Die nächste Ausstellung ist dann erst wieder ab 8. April 2022 zu sehen. Dann zeigt der gebürtige Mitterteicher Jeff Beer seine Werke. Derzeit ist ein Besuch im Museum möglich, wenn man zum dritten Mal geimpft ist, ansonsten ist ein aktueller Test notwendig. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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