Ex-Jahn-Sportchef Keller: Ausscheiden des 1. FC Köln bei Elfer-Krimi in jeder Hinsicht „Scheiße“

Regensburg. Eine Halbzeit dominiert Zweitliga-Spitzenreiter Jahn Regensburg, führt mit 2:0, kassiert das 2:1 durch einen Sonntagsschuss. In der zweiten Hälfte beherrscht Bundesligist 1. FC Köln die Arena, gleicht aus, verpasst die Entscheidung. Wieder einmal muss das Elfmeterschießen entscheiden.

Christian Kellers Minenspiel auf der Tribüne spricht Bände. Der sonst stets coole frühere Sportchef des SSV Jahn durchleidet mit seinem neuen Club, dem 1. FC Köln, während aufreibender 120 Minuten wahre Tantalos-Qualen. Nachdem Jahn-Keeper Dejan Stevanović den letzten Kölner Elfer von Kingsley Ehizibue zur Seite abwehrt, schlägt er die Hände vors Gesicht.

„Im Elfmeterschießen hatte Regensburg offenbar mehr Zutrauen“, sagt er resigniert. Zuvor hätten die Geißböcke, nach dem nicht unverdienten 0:2-Rückstand, dann aber die Spielkontrolle übernommen. „Und wir hatten Chancen, wo du das dritte Tor einfach machen musst.“

Das Erstrunden-Aus sei auch wirtschaftlich ein Schlag ins Kontor: „Wir sind auf jeden Euro angewiesen und heute haben wir viele liegen lassen – das war heute richtig scheiße, sportlich wie wirtschaftlich“, sagt Keller, der allerdings, wie in Regensburg gewohnt, vorsichtig kalkuliert und keine zusätzlichen Pokaleinnahmen eingeplant habe.

Ein Drittel Kölner machen Stimmung

In der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Favoriten aus Köln macht es der SSV Jahn Regensburg wieder bis zum Ende spannend. In einer emotionalen Achterbahnfahrt gelingt Jahn Regensburg wie im Jahr zuvor die Sensation gegen den 1. FC Köln im Elfmeter-Krimi. Die Fans sehen bei bestem Fußball-Wetter im Jahnstadion vier Tore, 120 Minuten Fußball und ein Elfmeterschießen, das dramatischer, mit dem besseren Ende für den Jahn, nicht enden könnte.

Das Duell in Regensburg heißt erneut Domstadt gegen Domstadt. Der Jahn empfängt den Bundesligisten aus Köln und mit im Gepäck der Kölner Mannschaft sind eine Menge reisefreudige Fans, die beinahe ein Drittel des Jahnstadions einnehmen. Das Duell zwischen den Fanblöcken ist schon lange vor Anpfiff eröffnet. Auf dem Platz soll es für die Kölner unter anderem der Ex-Regensburger Sargis Adamyan richten. Beim Jahn stehen sowohl Maxi Thalhammer als auch Nicklas Shipnoski auf dem Feld – der Einsatz beider war unter der Woche noch fraglich.

Jubel, Trubel, Heiterkeit auch bei Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic (links). Bild: Jürgen Herda

Jahn-Pressing läuft zunächst ins Leere

Das Spiel beginnt mit kleiner Verzögerung, dafür gibt es gleich zwei Gründe: Zum einen die Gedenkminute für Stürmer-Legende „Uns Uwe“ Seeler und zum anderen Lautsprecherdurchsagen aufgrund des Aktionstages Klimaschutz des DFB. Das der DFB die Nationalmannschafts-Fans bei der kommenden Winter-WM für jedes Spiel von Dubai nach Katar ein- und wieder zurückfliegen lässt, stört die Verantwortlichen dabei allem Anschein nach wohl wenig.

Sportlich beginnt die Begegnung mit hoher Intensität, jedoch ohne klare Torchancen. In der 6. Minute muss Jahn-Keeper Dejan Stojanovic zwar fast eingreifen, aber Jan Elvedi kann Adamyans Abschluss gerade noch klären. Ansonsten ist in den ersten 10 Minuten der Klassenunterschied schon ein wenig zu spüren. Dem gewohnten Regensburger Pressing können sich abgeklärte Kölner durch gutes Kombinationsspiel immer wieder entziehen.

Jahn und Köln in Torlaune

Viel länger als 10 Minuten dauert die Abtastphase dann aber nicht. Prince Osei Owusu legt im Strafraum vor FC-Keeper Horn quer auf Joshua Mees, der das Kunststück fertigbringt, das leere Tor zu verfehlen (15.). Gleich darauf klingelt es dann aber doch im Kölner Kasten. Über links spielt Mees überlegt auf Leon Guwara, dessen butterweiche Flanke in der Mitte den sträflich frei stehenden Andreas Albers findet. Dieser lässt sich nicht zweimal bitten und köpft via Aufsetzer gegen die Laufrichtung von Timo Horn ein (18.).

Regensburg bestimmt in der Folge das Spiel und kann diese Überzahl dann auch in zählbares ummünzen. Albers erkämpft sich im Mittelfeld den Ball, treibt ihn bis zum Sechzehner und steckt im richtigen Moment auf Owusu. Dessen Schuss schlägt oben im kurzen Eck ein (27.). Aber die Kölner stecken nicht auf, im Gegenteil. Direkt im Gegenzug der traumhafte Anschlusstreffer durch Mark Uth, dessen Dropkick das linke Kreuzeck findet (28.). Bis zur Pause ist das Tempo durchgehend hoch, weitere Tore bekommen die Fans einstweilen aber nicht zu sehen.

Die Kölner Fans bleiben lange optimistisch. Bild: Jürgen Herda
Die Kölner Fans bleiben lange optimistisch. Bild: Jürgen Herda
Konzentriert geht's in die Verlängerung. Bild: Jürgen Herda
Konzentriert geht’s in die Verlängerung. Bild: Jürgen Herda
Es darf gejubelt werden in der Oberpfalz. Bild: Jürgen Herda
Es darf gejubelt werden in der Oberpfalz. Bild: Jürgen Herda
„Sooo nämlich“, geht das, sagt der Jahn-Coach seinen Jungs. Bild: Jürgen Herda
Steffen Baumgart will den lädierten Marc Uth nicht aus der Pflicht entlassen. Bild: Jürgen Herda
Steffen Baumgart will den lädierten Marc Uth nicht aus der Pflicht entlassen. Bild: Jürgen Herda
Der Torwarttrainer stellt den Jahn-Keeper bestens auf die Kölner Schützen ein. Bild: Jürgen Herda
Der Torwarttrainer stellt den Jahn-Keeper bestens auf die Kölner Schützen ein. Bild: Jürgen Herda
Da sieht FC-Coach Steffen Baumgart noch Licht am Ende des Tunnels. Bild: Jürgen Herda
Da sieht FC-Coach Steffen Baumgart noch Licht am Ende des Tunnels. Bild: Jürgen Herda
Der stärkste Kölner arbeitet sich auf, trifft aber nur einmal. Bild: Jürgen Herda
Der stärkste Kölner arbeitet sich auf, trifft aber nur einmal. Bild: Jürgen Herda
Ex-Jahn-Sportchef Christian Keller hat schon mal glücklicher ausgesehen.  Bild: Jürgen Herda
Ex-Jahn-Sportchef Christian Keller hat schon mal glücklicher ausgesehen. Bild: Jürgen Herda
Noch sind die Mienen der Jahn-Fans skeptisch. Bild: Jürgen Herda
Noch sind die Mienen der Jahn-Fans skeptisch. Bild: Jürgen Herda
Es ist vollbracht: Weiß auf Grün das Ergebnis in Regensburg. Bild: Stefan Schmid
Es ist vollbracht: Weiß auf Grün das Ergebnis in Regensburg. Bild: Stefan Schmid
Jahn-Keeper Dejan Stojanovic hält den Pokal-Sieg fest. Bild: Jürgen Herda
Jahn-Keeper Dejan Stojanovic hält den Pokal-Sieg fest. Bild: Jürgen Herda
FC-Trainer Steffen Baumgart ist nicht amused. Bild: Jürgen Herda
FC-Trainer Steffen Baumgart ist nicht amused. Bild: Jürgen Herda
Die Kölner Fans bleiben lange optimistisch. Bild: Jürgen Herda
Konzentriert geht's in die Verlängerung. Bild: Jürgen Herda
Es darf gejubelt werden in der Oberpfalz. Bild: Jürgen Herda
Steffen Baumgart will den lädierten Marc Uth nicht aus der Pflicht entlassen. Bild: Jürgen Herda
Der Torwarttrainer stellt den Jahn-Keeper bestens auf die Kölner Schützen ein. Bild: Jürgen Herda
Da sieht FC-Coach Steffen Baumgart noch Licht am Ende des Tunnels. Bild: Jürgen Herda
Der stärkste Kölner arbeitet sich auf, trifft aber nur einmal. Bild: Jürgen Herda
Ex-Jahn-Sportchef Christian Keller hat schon mal glücklicher ausgesehen.  Bild: Jürgen Herda
Noch sind die Mienen der Jahn-Fans skeptisch. Bild: Jürgen Herda
Es ist vollbracht: Weiß auf Grün das Ergebnis in Regensburg. Bild: Stefan Schmid
Jahn-Keeper Dejan Stojanovic hält den Pokal-Sieg fest. Bild: Jürgen Herda
FC-Trainer Steffen Baumgart ist nicht amused. Bild: Jürgen Herda

Klassenunterschied macht sich bemerkbar

Die zweite Halbzeit beginnt wie der erste Durchgang, da beide Teams sich nun taktisch etwas zurückziehen. In dem zunehmend ausgeglichenen Spiel haben die Kölner die etwas besseren Chancen (53./56.). Aber auch die Jahn-Elf hätte zu größeren Chancen kommen können, hätte es im Offensivbereich nicht immer wieder an der richtigen Kommunikation gehapert.

So kommt dann auch der Ausgleichstreffer der Gäste nicht vollkommen aus dem Nichts. Nachdem die Jahn-Defensive den Angriff schon fast abgewürgt hat, als Elvedi den Ball vor Uth weggrätscht. Dabei verlängert er die Kugel jedoch unglücklich auf Florian Kainz, der links im Strafraum durchstartet und mit Übersicht auf den in der Mitte frei stehenden Dejan Ljubicic spielt. Der braucht nur noch den Fuß hinhalten, 2:2 (63.).

Jahn Regensburg rettet sich in Verlängerung

Es hat bis dahin etwas gedauert, aber nun macht sich der Klassenunterschied doch bemerkbar. Der Jahn wird zunehmend vom 1. FC Köln in der Defensive gefesselt. Trotz der immer stärker agierenden Kölner kann der Jahn, der weiter ohne klare Chancen bleibt, das Remis über die reguläre Spielzeit retten.

Besonders die letzten 10 Minuten haben es dabei in sich. Erst unterläuft Stojanovic eine Flanke (85.) – schon in der 59. Minute agiert er ungeschickt, als er einen Ball wieder auslässt, nachdem er den Pfosten touchiert. Dann lassen die Gäste drei gute Chancen zur Führung liegen (86./88./90.+4). Kampf und eine Portion Glück verhindern das frühzeitige Ende des Pokaltraumes der Regensburger.

Regensburgs zweite Luft gegen Ende der Verlängerung

In den ersten 15 Minuten der Verlängerung scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Gäste aus Köln den Lucky-Punch setzen. Die Jahn-Elf wirkt stehend K.o. und schaut oftmals nur noch hinterher. Besonders der eingewechselte Linton Maina ist für die Jahn-Abwehr gar nicht in den Griff zu bekommen. Ihm ist auch die dickste Kölner Chance bis zur 105. Minute zuzuschreiben. Seinen Schuss aus 11 Metern kann Stojanovic aber mit einem guten Reflex entschärfen.

Die zweite Halbzeit der Verlängerung gestaltet sich dann ausgeglichener. Hat aber zwei Aufreger auf Lager, bei denen beide Male der Jahn das Glück gepachtet hat. In der 114. Minute ist Thielmann der Jahn-Abwehr enteilt und Saller greift zum Foul. Nicht zwingend Rot, aber Saller – schon gelbverwarnt – hätte sich nicht beschweren dürfen. Drei Minuten später schiebt Aygün Yildirim FC-Verteidiger Timo Hübers im vollen Lauf in den hochspringenden Horn und nimmt dabei eine Verletzung des Verteidigers in Kauf. Glück, dass es in der ersten Runde des DFB-Pokals keinen VAR gibt. Sportlich passiert dann nichts mehr. Es geht ins Elfmeterschießen.

Bis zum letzten Schuss Spannung

Erst der allerletzte Schuss der regulären 10 Schützen bringt die Entscheidung im Elfmeterschießen. Vor dem letzten Schützen haben beide Teams bereits einmal vergeben – Chabot bei Köln, Saller für den Jahn. Beim letzten Jahn-Elfer übernimmt Kapitän Bene Gimber die Verantwortung und verwandelt mit etwas Glück – Horn ist mit dem Fuß noch dran.

Anders als sein Kölner Pendant Kingsley Ehizibue: Dessen Schuss ins untere linke Eck antizipiert Stojanovic – und pariert. „Unser Torwarttrainer hat eine super Arbeit geleistet und die Vorlieben der Schützen auf meine Trinkflasche geschrieben“, lobt der kommende Regensburger Torwart-Titan die Hintergrundrecherche. Danach brechen alle Dämme im Jahnstadion, Fans und Mannschaft feiern gemeinsam die gelungene Überraschung gegen den Bundesligisten.

Nach dem letzten Elfmeter der Spurt ins Glück. Bild: Stefan Schmid

Zahlen und Fakten

Aufstellung Jahn Regensburg: Stojanovic – Guwara (79. Kennedy), Elvedi, Breitkreuz, Saller – Mees (79. Makridis), Thalhammer, Gimber, Shipnoski (96. Yildirim) – Albers (113. Caliskaner), Owusu (96. Gouras)

Aufstellung 1. FC Köln: Horn – Pedersen (56. Hector), Chabot, Hübers, Schmitz (101. Ehizibue) – Kainz (86. Maina), Skhiri, Uth, Ljubicic – Modeste (94. Lemperle), Adamyan (56. Thielmann) Tore: 1:0 Albers (18.), 2:0 Owusu (27.), 2:1 Uth (28.), 2:2 Ljubicic (63.)

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